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Kapitel 26 Großes Evangelium Johannes

26. — Winke für Gesetzgeber

[GEJ 2.26.1] Sagt Cyrenius: „Es ist gut, daß ich das weiß; das andere wird sich schon finden lassen! Weil sie Deine Lehre nicht annehmen, da werde ich für eine andere sorgen. Ich werde ihnen kaiserliche Verordnungen, die mir schon vor einem halben Jahre zur Begutachtung von Rom als schon sanktioniert eingesandt worden sind, durch Faustus und seine Knechte bekanntmachen lassen! Vielleicht wird ihnen das Evangelium aus Rom mehr Respekt einflößen als das Deine aus den Himmeln! Die Verordnung enthält hundert Punkte als Gesetze, hinter deren jedem das Kreuz und die Geißel aufgerichtet sind: Die Mehrweiberei wird aufgehoben, Unzucht und Hurerei mit der Geißel auf das schärfste bestraft, der Ehebruch mit dem Kreuze, Dieberei und Betrug mit dem Kreuze, der Schmuggel mit der Geißel und mit hundert Pfund Silbers, und dazu eine Menge Mein- und Dein-Gesetze, deren Übertretung die Geißel und hundert Pfund Silbers zur Folge haben wird! So wird ihnen auch das Reisen ohne einen Reiseschein auf das strengste untersagt sein; der Reiseschein aber wird gegen Erlegung von hundert Pfund zu bekommen sein! – Ja, das werde ich tun und werde diese neuen Gesetze besonders für diese Städte in Galiläa allerstrengstens handhaben und sehen, ob bei diesem Volke kein Gewissen mehr zu entdecken und zu erwecken ist!“

[GEJ 2.26.2] Sage Ich: „Das gehört in Deinen Regierungsbereich, und Ich kann dir dagegen weder mit Nein noch mit Ja antworten. Tue da, was du willst; aber erschwere damit Mir und den Meinen das notwendige Umherreisen nicht!“

[GEJ 2.26.3] Sagt Cyrenius: „Durchaus nicht; denn Künstler, Ärzte, Weise und Propheten sind ausgenommen! Ihre Zeugnisse, ihre Taten und Reden dienen ihnen als vollgültigster Reiseschein, und es darf sie bei Todesstrafe niemand daran hindern. Dir aber stelle ich sogleich ein Zeugnis aus, und es wird Dich niemand anhalten, so Du ihm das Zeugnis vorweisest!“

[GEJ 2.26.4] Sage Ich: „Mich freuet dein allzeit guter Wille; aber erspare dir dessenungeachtet diese Mühe! Denn solange Ich werde umherreisen wollen, wird es Mir keine Macht in der Welt verwehren können! Werde Ich Mich aber einmal für die gesamte Menschheit opfern wollen, so wird Mir auch keine Macht in der Welt einen Schutz bieten können; und böte sie Mir solchen auch, so würde Ich ihn dennoch nicht annehmen! Denn, Freund: Der, dem Himmel und Erde gehorchen, wird doch mächtiger sein als alle Menschen auf dieser Erde, die Mir kaum zu einem Fußschemel dienen kann!? Darum tue du zwar, was du willst; aber es wird da wenig fruchten! Denn du magst ein Gesetz noch so vollständig geben, so wirst du nur zu bald gewahr werden, mit welcher Geschicklichkeit die Menschen das Gesetz umgehen werden, und du wirst dagegen nichts tun können.

[GEJ 2.26.5] Gottes Gebote, die durch Moses dem Volke sind gegeben worden, sind gewiß so erschöpfend als nur etwas Vollendetes erschöpfend sein kann; aber Menschen, wie diese Zeiten zeigen, haben Gottes Gebote ganz geschickt in ihre höchst eigenen bösen Satzungen also umzugestalten verstanden, daß die jetzigen Menschen nun gar kein Gewissen mehr haben, die Gebote Gottes zu übertreten, so sie nur ihre Weltsatzungen erfüllen!

[GEJ 2.26.6] Wenn aber die Menschen solches am grünen Holze tun, was alles werden sie tun mit einem dürren Klotze aus Rom!? – Daher tue du zwar, was du willst, und Mir wird es recht sein; aber Ich sage dir auch:

[GEJ 2.26.7] Je mehr Gesetze, desto mehr Verbrecher, für die mit der Zeit eure Kreuze und Geißeln lange nicht ausreichen dürften!“

[GEJ 2.26.8] Sagt Cyrenius: „Das alles, was Du mir nun sagtest, ist unwidersprechlich wahr, aber ich frage Dich doch noch weiter zu meiner höchst eigenen Belehrung: Was kann man aber anwenden gegen die Widerspenstigkeit der Menschen, die vor allem gleich diesen Nazaräern an keinen Gott und an keine höhere Offenbarung mehr glauben und den Geboten Gottes mit jeder ihrer Handlungen den offenbarsten Hohn sprechen?! Soll man sie denn dann auch noch ohne schärfst sanktionierte weltliche Gesetze lassen, damit sie ohne alle Furcht ihren losen Gelüsten frönen könnten, wie es ihnen beliebig wäre, wenn sie schon seit lange her jedes göttlichen Gesetzes bar sind und es unter sich, wie mit ihren Nachbarn, weit ärger zu treiben anfangen als das reißende Wild der Wüste und Wälder?! Da, meine ich, sind scharfe, weltliche Gesetze ganz an ihrem Platze, um solche ganz wildgewordene Menschen wieder zu einer Ordnung und aus dieser zur Erkenntnis Gottes zurückzuführen!“

[GEJ 2.26.9] Sage Ich: „Allerdings; denn da ist kein anderer Weg möglich und denkbar als der durch den Zwang der weltlichen Gesetze! Aber es kommt nun wohl überaus sehr darauf an, was für Gesetze den Menschen zu geben sind!

[GEJ 2.26.10] Dazu gehört eine überaus tiefe Kenntnis der menschlichen Natur; und den wahren Grund, durch den die Menschheit zur Entartung geführt ward, darf der Gesetzgeber nie aus den Augen fallen lassen, – sonst gleicht er einem Arzte, der mit ein und derselben Medizin alle bei den Menschen vorkommenden Krankheiten heilen will, aber gar nicht bedenkt, daß die höchst verschiedenen Krankheiten, die den menschlichen Leib befallen können, auch höchst verschiedener Natur sind und jede einen andern Grund hat. Ein solcher Arzt wird dann und wann wohl hie und da einen Kranken finden, für dessen Übel seine Arznei gerade taugt, und der Kranke wird darauf gesund; aber hundert andere Kranke, deren Übel einer anderen Art und Beschaffenheit sind, werden auf solch eine Arznei nicht nur nicht besser, sondern um vieles schlechter und sterben wohl gar darauf!

[GEJ 2.26.11] Wenn es aber schon für den kranken Leib, den doch jeder Arzt sehen und greifen kann, schwer ist, eine rechte Arznei zu bestimmen, um wieviel schwerer ist es dann, für eine kranke Menschenseele eine rechte Arznei zu finden und zu bestimmen!

[GEJ 2.26.12] Das Gesetz ist wohl die Arznei, so mit dem Gesetze die rechte Lehre, wie und warum das Gesetz zu halten ist, im Verbande ist; aber denke nun selbst nach:

[GEJ 2.26.13] Da hast du eine zornmütige Seele, da eine furchtsame, da wieder eine ränkesüchtige, dort eine neidische, geizige und betrugslustige Seele; wieder wirst du eine forschende Seele antreffen, und der gegenüber eine träge und schläfrige; in einem Hause sitzen vier gehorsame, demütige Seelen, in einem andern fünf widerspenstige – und so fort unter zahllos vielen Eigentümlichkeiten, Schwächen und Leidenschaften.

[GEJ 2.26.14] Nun gibst du für all diese zahllos vielen Charaktere der Seelen ein gleiches Gesetz; wie aber wird es ihnen frommen? Der Furchtsame wird verzweifeln, der Zornige auf Rache und Umsturz zu sinnen beginnen, der Laue wird lau bleiben, und der Forscher wird allen Mut verlieren und innehalten mit seiner guten Arbeit; der Geizige wird noch geiziger werden, und der Hochmütige wird mit dem Zornigen eine Sache machen, und der Schlaue wird beiden seine Hände bieten!

[GEJ 2.26.15] Bedenke nun diese und tausend andere der traurigsten Folgen, die aus einem unweisen, plumpen Gesetze hervorgehen müssen, so wirst du neben der Notwendigkeit eines Gesetzes auch die andere Notwendigkeit einsehen, der zufolge ein Gesetz überaus scharf und genau dahin geprüft werden muß, ob es allen möglichen Charakteren heilsam entsprechen könne oder nicht!

[GEJ 2.26.16] Ist ein zu gebendes Gesetz nicht zuvor also geprüft, so soll es nicht den Menschen zur Beachtung vorgestellt werden, weil im allgemeinen es offenbar mehr Schaden als Nutzen verursachen müßte.“

[GEJ 2.26.17] Siehe, Gott, der allweiseste Schöpfer, hat aus Seiner endlosesten Weisheitstiefe nur zehn Gesetze gewisserart gefunden, die für alle Seelencharaktere wohltauglich sind, und jeder Mensch kann sie auch überaus leicht beachten, wenn er nur will; wenn aber Gott Selbst nur zehn Gesetze findet, die mit der Natur und Eigenschaft jeder Menschenseele in voller nutzwirkender Entsprechung stehen, wie möglich kann ein heidnischer Kaiser in Rom gleich hundert Gesetze finden, aus deren Beachtung die Menschenseelen ihr Heil schöpfen sollen?“

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