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[RB 1.145.7] Spricht der General: „Bruder! da hast du wahrlich eine ganz grundfalsche Vorstellung von Christo dem Herrn. Wie gesagt, du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht. Sieh', wir Alle haben es hier ganz deutlich vernommen, wie dir dieser unser allergrößter Freund, den du noch fest bei Seinem rechten Arm umschlungen mit deiner linken Hand hältst, die Erkennungsmerkmale von Christo dem Herrn gegeben hat, wie auch zugesagt, daß der Herr mit euch, zugleich in diesem Hause eintreffen werde. Nun, so sehe dich denn ein wenig um, ob du Niemanden triffst, der Ihm auf ein Haar ähnlich sehen dürfte; und findest du Jemanden, so halte ihn für den Herrn. Denn ich sage es dir, der Herr Gott Jesus ist hier eben so einfach und prunklos, als wie Er es auf der Erde war, und von irgend einem Glanze an Ihm ist nirgends eine Spur anzutreffen.“

[RB 1.145.15] Spricht der Graf: „Ja, ja, es ist schon alles recht; aber uns wie ein Paar Verbrecher zurückweisen, das ist etwas zu sonderbar; aber in Gottes Namen, sei's nun wie ihm wolle. So ich nur schon meinen Zweck erreicht hätte. Es ist mir aber auch ganz unerklärlich, wie ich dir nun nahe für gar nichts, als allein nur für Jesum den Herrn einen Sinn habe. Alle diese wahrsten Himmelsschönheiten, sowohl dieser reizendst schönen Damen, als wie auch dieses Saales sind für mich wie todte Mumien, oder Bilder ohne Seele, so lange der Eine nicht da ist. Es ist auf der Erde, wo der Schöpfer für tausend und tausenderlei Abwechslungen gesorget hat, schon langweilig genug, daß man wohl öfter von einem allerhöchsten Wesen Gottes blos nur etwas zum Hören bekommt; aber von einem noch so erwünschten Sehen ist wenigstens in dieser Zeit wohl nie eine Rede mehr. Hier aber, wo man auf dem Punkte steht, als selbst Geist den allervollkommensten Geist Gottes sehen zu können, wird einem das Dasein unerträglich, so man Den nicht zu sehen bekommt, Der Einem allein alles in Allem ist. So du, lieber Freund, es weißt, wo Er Sich nun befindet, da zeige mir Ihn, daß ich Ihn nur in der Ferne erblicken möchte.“ -

[RB 1.145.17] Spricht der Graf: „Mein allerhochgeehrtester Freund, das wäre schon alles recht; und es wäre das sehr wünschenswerth, wenn ich Seine zu heilige Nähe ertragen könnte; aber es sollen Seine nächsten und höchsten Engel sogar Seine nächste Nähe nicht zu ertragen im Stande sein, frage: wie dann ich?“ – Spricht der Begleiter: „Freund, so aber Christus der Herr nicht um ein Haar ansehnlicher vor dir stünde, denn Ich, und gerade so mit dir redete, als wie Ich nun, sage Mir, hättest du denn da auch noch so eine gewisse Heiligkeitsscheue vor Ihm, als wie du sie nun hast?“ – Spricht der Graf: „Jenun, ich meine: das würde mir wohl etwas leichter vorkommen, es würde mir zwar wohl noch immer etwas schwer fallen, da ich denn doch gar ungeheuer wohl bedenken müßte, wer Er, und wer ich es sei. Er das unendlichste Alles, und ich das vollendetste Nichts. Aber leichter müßte mir dabei doch auf jeden Fall zu Muthe sein, als so Er in aller Seiner himmlischen Macht daher käme.“ -

[RB 1.148.1] Der Franzsk. geht nun ein paar Schritte vorwärts zu Mir und dem General, und dem Grafen; als er gerade seine wichtige Frage: (Wer bist du, fremder Freund?) losgeben will, kommt gerade Robert Blum zu Mir (natürlich auf einen innern Ruf) und sagt: „Herr! Brod, Wein und Kleidung stehen in der vollsten Bereitschaft.“ -

[RB 2.153.5] So du ein Paar Ohren zu hören hast, so höre! Der Satan ist als ein ursprünglicher Geistmensch geschaffen worden. Als er aber durch ein Gesetz seine volle Freiheit erkennen und annehmen hätte sollen, da ward er unwillig, und fiel durch die Verachtung des Gesetzes, und somit auch durch die Verachtung Gottes. Da er aber gleich dem Adam ein Urvater der ferneren Menschen für die Ewigkeit hätte werden sollen, so trug er auch gleich einem Samenkorn zahllose Eonen von künftigen Menschen in sich, und riß sich sogestaltet von Mir, seinem Schöpfer los; und die Folge davon war die materielle Schöpfung aller Welten, welche da ist ein nothwendiges Gericht. Er ganz allein für sich kann wohl noch lange bleiben, was er ist; aber die zahllosen Keime der Menschen werden ihm genommen, auf dem freilich harten Wege durch die Materie. Diese Keime aber gehen aus seinem gesamten Wesen hervor, bald aus seinen Haaren, bald aus seinem Haupte, bald aus seinem Halse, seiner Zunge, seinen Zähnen, seiner Brust, aus seinen Eingewaiden, aus seiner Haut, seinen Händen und Füßen. Und siehe, je nachdem die jeweilige Menschheit aus des gefallenen Satans einem oder dem andern Theile hervorgehet, also muß sie auch entsprechend behandelt und geführet werden, um die Stufe der wahren Vollendung zu erreichen.

[RB 2.155.1] In ein paar Augenblicken sind wir an Ort und Stelle; die vielen andern Gäste, die von den Aposteln geführet wurden, wie auch die Urväter machen uns in größter Ehrerbietung Platz, und wir treten dem großen Denkmale näher, das nahe so aussieht, wie allenfalls eine Piramide Egyptens, nur nicht in dem alten rohen Baustile.

[RB 2.158.4] Robert geht nun eilends zu der Helena hin, und sagt zu ihr: „Komme, komme, mein geliebtes Weibchen! Ich habe nur aus übergroßer Liebe zum Herrn deiner auf ein paar Augenblicke vergessen; aber nun ist schon wieder alles in der schönsten Ordnung. Komme daher nun nur mit mir hin zum Herrn, und sei ja nicht mehr traurig!“

[RB 2.160.10] Der Frzsk. macht dabei ein ganz trübes Gesicht, und sagt so mehr bei sich: „Nein, so strenge hatte ich mir Ihn nimmer vorgestellt! Du mein Gott und mein Herr, was wird denn aus mir, so Er mir die Thüre weiset? Ja, ja, Er hat ewig recht, an uns römisch-katholischen Pfaffen ist kein gutes Haar vorhanden. Aber was wird aus uns, was mit uns, so Er uns gehen heißt? In den Hintergrund solle ich zurücktreten; wo ist dieser? Was hat vor Gott dieß ominöse Wort zu bedeuten? Aber ich kann ja auch bleiben, sagte Er auch. Bin ich aber auch geeignet, zu bleiben? Bin ich frei vom Neide und Aerger? Nein, leider nein, ich bin noch stark ein Pfaffe, aber es soll, es muß anders werden! Ja, ja, der Herr sagte mir auch früher einmal, daß die Menschen ihrer Seele und ihrem Leibe nach aus dem gefallenen und gerichteten Satan sind, und das entsprechend aus einem oder dem andern Theile des Fürsten der Lüge; ich werde sicher aus dessen Hörnern sein, weil in meinem Herzen sich stets von Neuem nichts als lauter abstoßendes Zeug beurkundet; und noch andere Dinge werden aus seinem bösesten Herzen selbst sein, weil sie aus nichts, als Neid, Geiz, Herrschsucht, Hochmuth und aus noch einer Menge dergleichen Teufeleien zu bestehen scheinen. O Herr! treibe auch bei mir den Satan aus!“

[RB 2.161.6] Als Robert nun also mit dem Kleide der Unsterblichkeit angethan vor Mir stehet, frage Ich ihn, sagend: „Nun, Freund und Bruder Robert Uraniel! wie gefällt dir dieses Gewand? und wie kommt dir überhaupt diese Verwandlung vor?“ – Spr. Rob. Uraniel: „Herr, Du alleiniger der höchsten und reinsten Liebe vollster heiliger Vater! Ich habe es dann und wann schon auf der Erde freilich nur ganz dumpf empfunden, daß es im Verlaufe des reinern Lebens manchmal Augenblicke giebt, die des Menschen Zunge verstummen machen; ja selbst die Gedanken stehen stille, – und können sich bei so manchen wunderbaren Begebnissen nicht um ein Haar breit weiter bewegen; und wollte man darüber auch etwas sagen, so findet man keine Worte. So es aber schon auf der gerichteten Erde solche Momente giebt, deren Außerordentlichkeit einem armen Sünder das Maul stopfen muß, um wie viel mehr muß das hier im Geisterreiche, wo so zu sagen ein außerordentliches Wunder das andere verdrängt, der Fall sein. Daher wirst du, o Herr, nun mir wohl vergeben, daß ich hier vor zu großer Freude und Liebe zu Dir nahe ganz sprachunfähig bin. Diese zu heilig erhabenste Sache ist zu plötzlich gekommen, als daß ich darüber mich sogleich fassen könnte, aber so Du, o heiligster Vater, mir eine kleine Weile zur nöthigen Fassung gönnen wolltest, so werde ich dann über alles das doch etwa ein nüchterneres Wörtchen zu Wege bringen.“

[RB 2.163.2] Die Beiden verschwinden nun urplötzlich, und sind aber in diesem Momente schon auch bei dem berüchtigten Kado. Als sie sich also wie aus den Wolken gefallen plötzlich bei ihm befinden, so prallt er förmlich zurück und schreit: „Alle Teufel! was sind denn das für zwei Bestien mit Menschen-Larven? Wahrscheinlich so ein paar lumpige arme Schlucker schon wieder! O du verfluchtes Bestienvolk, das wird mich noch an den Bettelstab bringen!“

[RB 2.163.7] Als er solches nur zu ersichtlich zu merken beginnt, da schreiet er auf: „Verrath, Verrath, ihr elenden Hunde, ihr habt mir etwas angethan, fort mit euch! weichet von mir, ihr Hunde! bei allen Teufeln; ich will euch nicht folgen; ihr seid ein paar Zauberer; ihr habt meine Sinne verhexet, meinen Augen habt ihr Gift eingestreuet! Hinweg, hinweg von mir, ihr Höllenhunde!“

[RB 2.163.13] Spricht Kado: „Also dort der sogenannte Himmel, und da gegen Mitternacht die romantische Hölle? so, so, das ist sehr schön! was kostet denn dieses von euch hergezauberte Spektakl? Ihr seid ja ein paar Magier non plus ultra. Saget ihr mir, ist die Hölle alter jüdischer Fasson, oder neu-römisch-katholisch, griechisch, türkisch oder ostindisch? Der Himmel ist persisch.“

[RB 2.164.11] Rede Ich: „Ja, Meine geliebteste Helena, siehe, das ist bei diesem Geiste schon vielfältigst unter allerlei Modalitäten angewendet worden, aber leider allzeit ohne den allergeringsten Erfolg, wie Ich es dir schon früher bemerket habe; und so bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn ganz sich selbst zu überlassen; will er durchaus die Hölle, gut, so genieße er sie denn auch in aller Fülle; denn dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für die nimmer endende Ewigkeit kein Unrecht! Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte denn doch etwa einmal zu derb wird, da wird er dann schon von sich selbst auch einen Weg daraus bahnen; macht ihm aber die Hölle eine Freude, ist ihm die ewige Nacht lieber, als das ewige alles beseligende Licht, so freue er sich dessen, was ihm Freude macht. Bist du damit einverstanden?“

[RB 2.165.2] Die Schaar nähert sich ihm stets mehr und mehr, und sein vormaliger Prinzipal, ihn erkennend, stürzt mit grauser Hast auf ihn los, packt ihn an der Kehle, und schreiet fürchterlich pfeifend: „Ha! Schurke, elender Hund! bist du einmal hier, damit ich dir's zahle für das, daß du durch ein schändlichstes Mittel dir meine Königstochter zum Weibe zu verschaffen dich erfrechet hast. Warte, du elender Schurke der Schurken, diese Schmach sollst du mir nun in einem Schwitzbade büßen, daß dir darob das Hören und Sehen für ewig vergehen solle. Ich hatte viel auszustehen, unbeschreibliche Schmerzen sind mir hier zugefügt worden, durch Flammen und Gluth, aber keiner ärger als der, daß ich hier im Orte der Qualen und Schrecken erfahren mußte, daß ein elendster gemeinster Hund meine erhabenste Königstochter sich zum Weibe gemacht hat. Aber dafür sollst du Hund mir nun auch auf eine Art gezüchtigt werden, wovon der ganzen Hölle noch nie etwas geträumet hat.“

[RB 2.168.5] Rede Ich: „Mein lieber Freund! die Hölle ist nie gefährlicher und unheilbringender, als so sie sich äußerlich ganz ruhig verhält, aber dafür innerlich mit einer desto größeren Wuth zu toben beginnt, als wie es soeben der Fall ist; dagegen aber ist auch der Himmel nie wachsamer gegen die Hölle gestellt, als so er sich bei solchen inneren Umtrieben der Hölle ganz ruhig und indifferent zu verhalten scheint. So lange die Hölle blos innerlich gährt und tobt, schreitet der Himmel nicht ein; aber so sie mit der Weile ermuthigt – ihre Wuth nach Außen hin in die Wirksamkeit treten zu lassen beginnt, dann wird schon auch der Himmel seine kräftigsten Gegenmittel in die effektvollste Wirksamkeit treten lassen. Daher gebe nun nur auf Alles genau Acht, wie die Hölle nun ihren alten Versuch, Mich zu fangen und zu stürzen, ganz tückisch unter dem Deckmantel äußerer Ruhe und Gelassenheit erneuern wird, und wird es viel pfiffiger anstellen wollen, als wie sie es vor ein paar Jahren angestellet hat; aber sie wird dabei um desto wirksamer eingehen. So du nun einen Blick auf die Erde werfen magst, und zu dem Behufe blos über deine Achsel links zu schauen brauchst, so wirst du es genau gewahren, wie die Hölle nun auch gleichermaßen an den Höfen thätigst einzuwirken sich bemühet, um die ganze Erde in einen allerverheerendsten Krieg zu entflammen; sie wird solch ihr Vorhaben auch hie und da zum Ausbruche bringen; aber dann passe auf, auf welch eine noch nie dagewesene Weise ihr da das Handwerk gelegt wird. Betrachte aber daher nun nur diesen Ausbruch, und die Folge darauf, so wirst du entsprechend auch leicht schließen können auf die Erde, wie dort sich alles das, was hier nun vorgeht, und vorgehen wird, mit der entsprechenden Weile nachbilden wird. Siehe, der Rumor wird schon wieder stärker, die Flammen in der Grotte werden intensiver, und der Qualm selbst glühend; die Rotte vor der Grotte wird zahlreicher, und fängt an sich zu bewegen, und zwar gegen uns her. Nun wird es bald losgehen.“

[RB 2.169.8] Spr. der Miklosch: „O ja, Herr und Vater! nun ist uns schon wieder alles klar, und es ist alles gut, was Du, o Herr, anordnest. Aber nun entdecke ich, daß auf den Spitzen der überhohen Gebirge sich auch lichte Geister stets mehr und mehr anzuhäufen beginnen; auch auf der höchsten Spitze stehen neben den zwei ersten eine Menge anderer uns ganz unbekannter kräftigster Engel; und da, da seht in die Lüfte empor! ungeheure Schaaren schweben in wohlgeordneten Reihen, und haben ein scharfes Auge auf die Bewegungen der höllischen Rotte; und die Höllrotten scheinen sie zu bemerken, weil sie nun auf einmal ihre allergrimmigsten Gesichter aufwärts richten, und ihre Wurfgeschütze aufwärts zu richten beginnen.“

[RB 2.169.14] Der Kado lacht dazu gräßlich höhnisch und sagt: 'O du verflucht dümmster Teufel! da sieh ein wenig hinauf, wie da stets neue allergewaltigste Quellen sich aufthun, und wie die rasche Glühfluth auch in wenig Augenblicken unsern Hügel, der uns bis jetzt noch schützt, umspielen wird, und du wirst es leicht gewahren, wie bald nach deiner dummsten Idee der Gottheit Zornquellen versiegen werden. Da sieh' hin gegen die Grotte, deren löbliches Innere wahrscheinlich deine Königswohnung ist; sie ist bereits voll des glühendst fließenden Erzes, über dessen wogenden und dampfenden Spiegel sich ganze Schaaren deiner mächtigsten Kämpfer allerschaudererregendst schwimmend befinden, und mit des Feuerstromes breiter und rascher Fluth höchst wahrscheinlich in einen endlosen Abgrund hinabgeschwemmt werden. Das wäre mir ein Sieg, ganz gehorsamer Diener! Ich hoffe, du wirst doch wieder bald einen Feldzug gegen die Gottheit unternehmen! O Herr Je-! die Fluth hat bereits auch unsern Hügel erreicht, nun heißt es weiter fliehen, sonst werden auch wir Beide in diese Schwimmanstalt der Gottheit aufgenommen werden.' – Der Prinzipal ersieht nun die höchste Gefahr und schreit: 'Dorthin gen Abend, wo einige tapferste meiner Kämpen hinfliehen, fliehen auch wir, aber nur eiligst, sonst sind wir verloren.'

[RB 2.171.2] Miklosch richtet nun wieder ganz fest seine Augen auf die höllische Szene, und fängt nach einer kurzen Weile also zu erzählen an: „He, der Tausend! Ah das ist wahrlich im höchsten Grade tragikomisch! Aus dem Feuermeere, das noch immer ganz verzweifelt grauenerregend mit donnerartigem Getöse dahin wogt, und aus einer jeden der Milliarden Wellen eine zahllose Menge Blitze entsendet, erheben sich nun ganz muntere Gestalten, und das ebenfalls gleich den Wellen und Blitzen in einer Unzahl. Von vorne sehen sie ganz rar aus, recht anmuthig; und vom Rücken aus wie halbverweste Todtengerippe. Das starke Wogen der glühenden Fluth scheint sie nicht im Geringsten zu geniren, und die sicher allerenormste Glühhitze unter ihren Füßen scheint ihnen nur ein höchst angenehmes Gefühl zu verursachen. Die Blitze fahren durch sie durch, als wie das Wasser durch ein Sieb, ohne daß sie die muntern Gestalten nur im Geringsten inkommodiren möchten; das ist wahrlich im höchsten Grade sonderbar! Ah, ah, sie mehren sich stets mehr und mehr, und machen einen förmlichen Reigen; eine wahrlich von vorne sehr elegant aussehende Gruppe bewegt in den zierlichsten Pas' sich gegen unsern Kado hin, der diese Erscheinung auch mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet, ohne jedoch daran ein sichtliches Wohlgefallen zu haben; aber mit der fruchtlosen Bewegung seiner Füße hat er dennoch einen Einhalt gemacht, und staunet nun ganz verblüfft diese vielen Tänzergruppen an. Die eine Gruppe macht nun schon ganz knapp am Hügel ihre Sprünge und sonstigen graziösen Bewegungen, und scheint den Kado zu unterhalten; denn er hat sie schon ein paar Male nun recht wohlgefällig angelächelt. Aber den Rücken bekommt er nicht zu Gesichte.

[RB 2.171.3] Nun eilen ein Paar Tänzerinnen recht graziösen Ansehens zu ihm auf den Hügel hinauf mit rosenfarbigen Schleifen in ihren Händen, und winken ihm, ihnen auf den glühenden Tanzboden zu folgen. Aber er entschuldigt sich, und spricht nun (Kado): 'Meine Füße würden sich an solch einem Tanzboden nicht halten; daher bleibe ich, wo ich bin; ihr aber bleibet, wo es euch gut zu gehen scheint; ich brauche von solch einem zu brennheißen Vergnügen wahrlich nichts!' Aber die Zwei kommen ihm näher, und nehmen sich alle Mühe, ihn auf dieß glühende Eis zu locken; aber er bleibt stehen, und gebietet ihnen, sich ihm ja nicht noch mehr zu nahen, ansonst er wider sie Gewalt gebrauchen müßte. Je mehr er aber ihnen droht, desto mehr zeigen sie ihm von ihren Vordergrundsreizen, und bestreben sich ihn ganz zu bezaubern. Es ist das wahrlich ein ganz sonderbarstes Schauspiel; merkwürdig ist die Haltung dieser veritabelsten Höllengrazien, daß sie bei allen ihren verlockenden Bewegungen doch nicht irgend derart aus der Haltung kommen, daß der Kado ihrer Rückentheile ansichtig werden könnte; no, eine bemüht sich, ihm nun die Schleife um den Hals gleich einer Schlinge zu werfen;

[RB 2.171.4] er aber weicht zurück einige Schritte, hebt einen Stein auf, und schleudert ihn der Grazie gerade an die Brust, und schreiet nun mit einer wahren Donnerstimme: 'Zurück Höllenbestie! Wenn Satan, dein Gebieter, kein besseres Verführungsmittel mehr hat, um einen armen Teufel noch tiefer in die Hölle hinab zu ziehen, als er ihn schon gezogen hat, da solle er sich heimspielen lassen. Glaubt denn dieses uralte der Gottheit widerspänstige Rindvieh, Vögel meines Gelichters werden auch so recht dummsten Weltfinken, Gimpeln und Zeisigen gleich sich auf seine alten saudummen und alles Leimes baren Spindeln setzen, und sich dann von ihm fangen lassen? Da irrt er sich; ein Aar setzt sich nie auf eine Leimspindel; saget das eurem Ochsen von einem Gebieter!'

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