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[RB 1.70.12] Was ist da zu machen? fragte ich meinen Freund. Der zuckte die Achseln, und ich mit ihm. Nach einer Weile sagte der G. M.: 'Ich will Ihnen wohl durchaus keinen bösen Rath ertheilen; aber so Sie hier zum Ziele gelangen wollen, was ich bei mir im Geheimen recht sehr wünschte, so müssen Sie sich schon auf ein paar Gewaltstreiche verlegen, von denen Sie einen in die Ausführung bringen müssen. Das Mädchen ist nun nahe an die fünf- oder sechsundzwanzig Jahre alt, also vollkommen majorenn, und kann über ihr Herz und ihre Hand disponiren, wie sie will; hat sie den Muth, sich auch ohne die Einwilligung ihres Vaters zu verheirathen, da heirathen Sie Ihre Emma nur vom Flecke weg! Denn ein Soldat darf nie viel Umstände machen. Freilich müssen Sie sich da auf die Enterbung gefaßt machen, und vielleicht auch einen wohl condizionirten Vaterfluch nach alt aristokratischer Sitte, – woraus Sie wohl sich nichts machen werden; aber ob Ihre Emma auch so starkmüthig sein wird? das müßte freilich erst eruirt werden! Aber ich denke, weil das Mädchen selbst Ihnen erst unlängst den Vorschlag zu einer Entführung gab, so dürfte sie in diesen meinen Vorschlag vielleicht doch noch eher eingehen, weil er sich auf dem Boden der Gesetzlichkeit befindet. Wenn aber dieser Vorschlag scheitern solle an der Schlauheit des alten Fuchses, daß er etwa die Pfaffen in seinen Sold nähme, und Sie zu keiner Kopulation kämen, dann freilich müßten Sie den zweiten Gewaltstreich in eine schnelle und wohlberechnete Ausführung bringen, nehmlich den der baren Entführung, und sich dann in England kopuliren lassen. Dieser zweite Streich bewegt sich freilich nicht mehr auf dem gesetzlichen Boden; aber so es da kein anderes Mittel zur Erreichung des Zieles giebt, das Sie doch um jeden Preis erreichen möchten, so wird Ihnen am Ende doch nichts anderes übrig bleiben!? Sie werden sicher verfolgt werden! aber das lassen Sie nur mir über; ich werde diese Verfolgung schon also einleiten, daß Sie sicher nicht eingeholt werden; und befinden Sie sich einmal auf ihrer Fregatte, dann adieu Baron! das Weitere werden dann schon Sie selbst zu veranstalten wissen?!'

[RB 1.71.4] jetzt erst war es bei meiner Emma völlig aus! Ihre hochmüthigen Geschwister machten ihr die bittersten Vorwürfe, und machten sie gleichsam zur Mörderin ihres Vaters, der noch sterbend die Hände nach seiner einzigen Emma ausgestreckt hätte! Solche Nachrichten brachten sie, was leicht begreiflich, ans Krankenlager, und mich um mehrere Tausende. Sie ward wieder gesund, und verlangte von mir nicht selten Opfer, die ich kaum erschwingen konnte, die ich ihr aber dennoch mit aller Zartheit darbrachte, obgleich ich von ihr weder Geld noch die erste Liebe wieder zu erwarten hatte. Aber der Zufall wollte, daß ihre Geschwister nach ein paar Jahren an einem bösartigen Typhus starben, wodurch mein Weib, und Mutter von ein paar Töchtern, die alleinige Erbin von einem großen Vermögen wurde! Da sollte man denken, dieß wird meine Emma fröhlicher, und mir geneigter machen, indem sie früher oft das als einen Hauptgrund von ihrer Traurigkeit angab, daß sie als eines der reichsten Kavaliere Tochter mir zu einem gänzlich vermögenslosen Weibe ward, dessenungeachtet sie aber meine Kasse dennoch gehörig zu gebrauchen verstand, wenn es galt, sich als Tochter des reichen Barons zu zeigen.

[RB 1.71.6] Als ich ihr einmal mit der größten Gelassenheit und Zartheit vorstellte, daß so ein Leben nicht in der Ordnung sei, und daß im Grunde sie mich viel unglücklicher gemacht habe, als wie ich sie; der ich doch nur durch sie, und hauptsächlich durch ihr Wollen und Rathen sie entführet habe; und daß ich nun in England schon ein Admiral sein könnte, so ich nicht ihr zu Liebe alldort meine Scharsche verkauft hätte, und nicht nach Wien gezogen wäre! Als ich ihr solches unter Thränen sagte, da war erst der Teufel vollkommen los! Ohne mir ein Wort zu erwidern, lief sie hastig in ihr Gemach, und brachte mir nach einer halben Stunde Papiere im Werthe von 2mal hunderttausend Gulden, und sprach: 'Da mein Herr Gemahl, von Geburt ein Sauhalter, empfangen Sie, was ich Sie allenfalls gekostet habe; verlassen Sie meine Wohnung, und sehen Sie sich wo um eine andere um! Auch steht es Ihnen frei, die paar Bälge von Kindern mit zu nehmen; denn mit derlei Geschöpfen kann ich mich nicht abgeben, die mir leider in meiner großen Verblendung ein Bauernjunge gezeuget hat! Adieu, wir sind quitt!'

[RB 1.71.7] Mit diesen Worten warf sie die Thüre hinter sich zu, und ich stand mit den zwei weinenden lieben Töchterchen wie versteinert da. Ich harrte darauf eine volle Stunde, in der Meinung, Emma wird ihren Fehler einsehen und zu mir zurückkehren?! Aber nichts dergleichen; ich ging nach ein paar Stunden selbst zu ihr hin; ward aber nicht vorgelassen, und der Kammerdiener sagte mir, daß die gnädige Baronin es wünsche, daß ich sogleich aus dem Hause solle, ansonst sie genöthigt wäre, dies Haus für immer zu verlassen! – Vom Schmerze zu sehr übermannt konnte ich kaum reden; bedeutete aber dennoch dem Kammerdiener, daß er der Gnädigen vermelden solle, daß ich weder ihres Geldes noch ihres Hauses bedarf, und habe sie auch nie darum zum Weibe genommen! – Da ich ihr aber nun zu stinken anfange, so lasse ich ihr eine gute Nacht wünschen; – ich aber werde mit meinem eigenen redlich erworbenen Vermögen mich mit den zwei Kinderchen schon durchbringen!

[RB 1.71.9] Als ich gerade mit dem Einpacken am emsigsten beschäftiget war, pochte jemand an meine Thüre. Herein! Wer wars?! Mein guter Herr G. M., der gerade an diesem Tage in Geschäften nach Wien kam. Ein Engel aus den Himmeln hätte mir gerade in dieser Stunde nicht gelegener kommen können, als gerade dieser, mein einziger und bester Freund! Was seh ich, was thun Sie denn, ziehen Sie denn aus? oder was hat das zu bedeuten? das waren seine ersten Worte. – Ich erzählte ihm natürlich alles auf ein Haar, was in meinem Hause vorgefallen ist, und das alles ohne meine allergeringste Schuld, und wie ich von meiner angebeteten Emma bedient worden bin!

[RB 1.73.1] Pathet.: „'No, gut, gut; sehr gut hast du es gemacht,' sprach ich; 'aber mit diesen drei großen und schweren Kästen wird es seine geweisten Wege haben?' – Spr. der Kammerd.: 'Nichts zu sagen, Euer Gnaden, waren die andern doch auch nicht viel kleiner, und sind doch schon in der Ordnung! Viel Hände, und geschickte Hände können ja Wunder wirken! Nur ganz unbesorgt, Euer Gnaden; in ein paar Stunden ist alles in der Ordnung. O, Euer Gnaden werden eine rechte Freude haben mit der Wohnung! Sie ist zwar nicht in der Stadt, sondern in einer der Vorstädte; aber eine wahre Prachtwohnung, versehen mit allen möglichen Bequemlichkeiten, und kostet wirklich eine Bagatelle! acht Herrschaftszimmer, drei Zimmer für Dienstboten, einen Stall für 6 Pferde, Wagenremise, Holzlage, eine schöne ganz englisch eingerichtete Küche, Speisekammer, ein bedeutender Keller und der ganze Dachboden; was glauben Euer Gnaden, was das kostet?' –

[RB 1.73.7] Spricht darauf der General: 'Ja, wenn die Sachen also stehen, da bedauere ich dich, und noch mehr deine Gattin, die mir auch im Ernste krank zu sein vorkommt. Natürlich kannst du als Kavalier, Mensch und Gatte bei so bewandten Umständen deine Emma in gar keinem Falle verlassen! Ich aber werde nun einen nothwendigen Gang machen und in ein paar Stunden wieder bei euch sein; richtet mir ein Zimmer ein, denn ich werde einige Tage bei euch zubringen.' – Der General empfiehlt sich nun; die Diener gehen an ihre Rückwanderungsarbeit, was ihnen etwas fatal ist; und meine Emma ist wie ausgewechselt, und weiß sich kaum an etwas zu erinnern, was früher zwischen uns vorgefallen ist! Ich staunte und staunte heimlich; aber die Sache war nun einmal also, wie sie war! Die Emma kurz vorher noch ein Teufel – ward jetzt zu einem Engel.“

[RB 1.75.5] Spricht Max Olaf: „O Du himmlisch lieber guter Freund! Sieh', ich bin schon also beschaffen, wenn ich nur Andere glücklich sehe, da bin ich ja auch schon glücklich in dem Anschauen des Glückes derer, die mir am Herzen liegen! Ich war ja auf der Welt auch nicht um ein Haar anders; ich vergaß eben darum stets für mich zu sorgen, weil mir nur das Glück Anderer am Herzen lag! Ich habe es darum mit meinen eigenen Glücksumständen freilich nie weiter bringen können, weil ich alles, was ich hatte, nur für Andere hatte, und was ich that, nur für Andere that! Daher mußt Du, liebster bester Freund, es mir hier schon nicht für übel nehmen, so ich zu Dir blos nur für Andere um Deine Gnade bitte, und vergaß dabei meiner fast also, als bedürfte ich derselben etwa weniger, als Jene, für die ich Dich gebeten habe! O ich bedarf derselben wohl gar sehr; aber ich warte gerne darauf, so ich nur die Andern glücklich sehen kann!“

[RB 1.75.9] Spricht der Baron: „O Sie lieber Freund, sehen Sie da gleich hinter der Emma noch ein paar weibliche Wesen, es sind meine ältern zwei Töchter, und hinter ihnen ihre Gatten, und daneben noch ein paar treue Domestiken, vielleicht würden sie auch angenommen, so sie mit uns hingingen?“ – Spricht Max Olaf: „Nur her mit ihnen, was mit uns geht, wird angenommen, denn ich habe dafür Sein göttlich Wort! Aber wir müssen uns nun um noch Mehrere umsehen.“

[RB 1.76.2] Spricht der Pathetikus ganz indignirt: „O du verfluchte Hauptwäsche! Das Fegefeuer scheint schon da zu sein, und so dürfte die Hölle auch nicht gar zu weit weg sein! das ist aber ja doch rein zum Teufels werden! Jetzt ist das Luder von einer Mierl auch hier, und mein gottseligs Weib dazu! No, no, die Sache wird sich machen! Ist mein Weib doch ein paar Jahrln vor mir in die Ewigkeit spazieren gegangen, und ich glaubte, weil sie in ihrer letzten Zeit gar so ligorianerisch fromm geseufzet hat und also selig in dem Herrn entschlief, daß sie schon längst wo auf einer Himmelswolke herumschwebt!? aber nein, sie ist hier, und das noch 100 mal elender als auf der Welt knapp vor ihrem Tode! allein, das hätte mir wenig oder gar nichts gemacht. Aber jetzt kommt auch noch zum größten Ueberflusse mein Ludersmensch hinzu, die ein Maul wie ein Schwert hat! No, das ginge einem noch ab, mit so einer Gesellschaft hin zu jenem Manne zu gehen, Der mir schon ehedem ganz unzweideutig zu verstehen gab, daß ich noch sehr gedemüthigt werden solle; aber ich rieche nun den Braten, und werde mich weise zu hüten wissen, mit dieser Gesellschaft hinzuwallen vor den Magier und vor die verklärte Lerchenfelderin; muß man aber in dieser Sauwelt auch mit allen Anujantitäten zusammen kommen! Also mußte aus dem frühern Max O. sich auch mein ehmaliger irdischer Oberste und Freund herausdrechseln, der auch in alle meine Geheimnisse eingeweiht war, und aus dem Traumdeuter mein Herr Schwiegerpapa mit seiner ganzen Sippschaft im Hintergrunde! O Kruzifix Donnerwetter; wenn das nicht Fatalitäten non plus ultra sind, so weiß ich nicht mehr, was man noch fatal nennen solle!? Vielleicht kommen noch meine andern zeitweiligen Amoretteln und allerlei Gruppirungen, die ich mit ihnen per Jux manchmal machte?!“

[RB 1.78.11] Spr. Jell.: „Sogleich, meine geliebteste Schwester! Sieh, die große Gesellschaft der Wiener Proletarier, die noch kein Licht zu haben scheint, wird dort soeben vom Blum in ein Seiten-Gemach zu treten bescheidet; nur die 24 Tänzerinnen, der Blum, M., B., ich und du und der Max Olaf mit seiner etlich Zwanziger Gesellschaft, wie auch jener Halbengländer, mit ebenfalls einem paar Dutzend echter Aristokraten dort ganz im Hintergrunde dieses Saales Posto fassend, diese werden bei der Berathung zugegen sein.

[RB 1.79.2] Ich antworte ihr auch ganz leise: „Meine Liebste! Zu reden werde Ich Selbst anfangen, sobald aller hier Anwesenden Gemüther ganz zu der erforderlichen Ruhe gelangen werden; der neben dir sitzende Mann aber ist, weißt du, der Vater Adam selbst, wie er vor ungefähr 6000 Jahren auf der Erde als erster geschaffener Mensch geleibt und gelebt hat. Neben ihm siehst Du den Noah, und nachher den Vater Abraham, dann Isaak, und dann Jakob; und dann siehst du noch Zwei; der erste ist der Moses, und der Andere David; die Zwölf auf diese 7 folgenden nun sehr ernst aussehenden Männer sind die dir wohlbekannten 12 Apostel; hinter ihnen stehen auch noch ein Paar, siehe, das sind auch noch zwei Apostel; der mehr Vordere ist der Paulus, und der etwas hinter ihm Stehende ist der Judas, weißt, der Mich verrathen hat. Die Andern kennst du ohnehin, und so weißt du nun, in welch einer gewiß sehr merkwürdigen Gesellschaft du dich befindest.

[RB 1.81.12] Wer aus euch kann denn wohl vor Gott sagen, daß er verständig sei und weise!? Ich sage es euch: Da ist nicht Einer! – Und dennoch wollen wir Ihn zu einem Gerichte nöthigen? – Wer aus uns hat je gefragt: Wer ist Gott, und was ist Er!? und dennoch möchten wir Gott einen Rath thun! Wer aus uns kann sagen: Ich bin nie von Gott abgewichen, und bin vor Ihm nie untüchtig geworden?! Ich sage es euch, da ist von uns Allen auch nicht Einer um ein Haar besser als ein Anderer, – und dennoch schreien wir: O Herr! siehe doch endlich einmal an – die große Bosheit der Menschen auf der Erde, und züchtige sie!

[RB 1.83.9] Es müssen ja wohl Regenten sein; denn ohne Regenten und weise Gesetze könnte wohl schwerlich eine menschliche Gesellschaft bestehen! – Aber diese Regenten sollen einsehen, daß sie der Völker wegen, und nicht die Völker gleich wie eine Waare, ihretwegen da seien, mit der sie wie Kaufleute mit ihrer Waare nach Belieben schalten und walten können! Auch sollen sie das Schwert der Gerechtigkeit haben und tragen; aber sie sollen es nur dann gebrauchen, so ihre Völker bedroht sind von äußern Gefahren; aber gegen ihre eigenen Völker sollen sie es nimmer gebrauchen dürfen, denn bei Denen werden sie mit der Waffe, die da Liebe heißt, beiweitem mehr ausrichten, als mit dem Schwerte der Majestät, die bald gar keine Majestät mehr sein wird, sondern eine Grausität, und nachher eine vollkommene Marxenpfutschität!

[RB 1.84.17] Oder kannst Du, o Herr, wohl eine Freude haben, so sich nun die Menschen als die allerwildesten und reißendsten Bestien zu tausenden zerreißen und zerfleischen, und das nur darum, weil die Großen um keinen Preis, auch nicht um den Preis von Millionen Menschenleben von ihrer Höhe, und von ihrem Reichthums- und Herrscherglanze (auch nicht) ein Haar vergeben wollen, weil sie meinen: So sie ein Haar vergeben, da würde man nachher auch ihren ganzen Kopf haben wollen, was aber eine ganz grundfalsche Meinung ist; denn ich bin überzeugt, daß, so sie den armen Völkern freundlich entgegen kämen, diese sie dafür auf den Händen herumtrügen! – Aber wann sie den Völkern erst dann maskirte Zugeständnisse machen, wo diese sich aus Verzweiflung gegen sie in großen Massen wildbewegt erheben und gröblichst bedräuen, und diese abgedrungenen Zugeständnisse auch nur so lange zum Scheine halten, bis sie durch ihre gesammelten Militärmächte wieder in ihrer alteigenthümlichen Weise diese Zugeständnisse über den Haufen werfen können, da ist es dann ja sehr leicht begreiflich, wie sie nun alles Vertrauens bar werden mußten; da aber nun ein rechtes Vertrauen zwischen Völkern und Regenten nimmer herzustellen ist, und die zu kostbaren Regenten den armen Völkern zu theuer geworden sind, so daß sie dieselben nicht mehr erhalten können, und bezahlen alle die von den Regenten gemachten ungeheuren Schulden, so bleibt denn meines Erachtens doch nichts anderes übrig, als die Völker von ihren alten Regenten frei zu machen, und an ihre Stelle wahrhaft gotterleuchtete Führer zu stellen, welche als selbst vollkommene Menschen den Menschenwerth in ihren Brüdern achten werden, und alles aufbieten, um den Geist in eines jeden Menschen Brust wahrhaft zu beleben! Das muß geschehen! und geschieht das nicht, so wirst Du, o Herr, mit den Menschen der Erde ewig die gleiche Fretterei haben, wie mit uns nun, die wir trotz aller Deiner großen Mühe und Gnade noch so dumm da stehen, als wie junge Ochsen vor einem neuen Thore! Es muß Dir ja doch auch am Ende zu einem bedeutenden Ueberdrusse werden, wenn zu jeder Minute tausende von den allerblitzdummsten Wesen hier anlangen, die von Dir gerade so viel wissen und halten, wie das nächste beste Vieh auf der Welt! -

[RB 1.85.5] Als alles fertig da steht, da haben alle eine rechte Freude daran; aber Einer, so ein Skrupelheld, macht die Bemerkung, und sagt: 'Aber liebe Freunde! das Leben auf der Erde ist denn doch wohl allenthalben nahe gleich; dort in den kultivirten Ländern Europas, wo stolze Könige herrschen, und starke Armeen halten, braucht man eigentlich hauptsächlich die Zunge in den Zaum zu legen, und hat dann weiter keinen Feind mehr zu fürchten; und hat man sich einmal willig in die Gesetze gefunden, und sie zum eigenen Willen gemacht, so kann man allenthalben unter dem Schutze der Machthaber frei herum wandeln! Nur dem der Magen zu groß, und die Zunge etwas zu lang gewachsen ist, und dessen Verstand und Wille sich eigentlich gar kein Gesetz wollen gefallen lassen, der wird dort festgenommen, und eingekastelt, und somit seiner frühern bürgerlichen Freiheit beraubt, weil er ihm nicht die allgemeine verfaßte Ordnung will gefallen lassen; wir aber sind hier aller Machthaber und aller Gesetze ledig, und können Gottlob reden, wie uns die Zunge gewachsen ist, und können nun allen Herren der Erde den nackten Steuß zeigen; aber was nützt uns das alles nun ganz absonderlich? Wir haben nun wohl keine Steuern an Jemanden mehr zu entrichten, aber dafür müssen wir den ganzen Tag hindurch fleißig arbeiten, und die Früchte, die diese Gegend wohl sehr reichlich trägt, fleißig einsammeln, und uns an ihre Natur erst angewöhnen, und wissen bei vielen noch nicht, ob und wie sie uns dienen werden. Also müssen wir uns hier im Lande der vollsten Freiheit am Ende selbst förmlich einkasteln, um vor den möglich vorkommenden Feinden gesichert, zu sein. Ja zur Nachtzeit müssen wir uns ärger verbarrikadieren, als die ärgsten Staatsaufwiegler von Paris! Saget es treuherzig selbst, ob wir nun bei dieser unserer doch sicher absolutesten Freiheit auch nur um ein Haar besser daran sind, als wie der geringste Tagwerker unter der allerabsolutesten Regierung in Europa? Wir sind hier vollkommne Kommunisten; aber die heulenden wilden Bestien draußen scheinen auch von einem höchst kommunistischen Geiste beseelt zu sein! Wir haben kein Staatsgesetz mehr, außer das Gesetz unserer gegenseitigen Freundschaft; aber dafür müssen wir desto unausgesetzter arbeiten, um das Begehren unseres Magens zu befriedigen, und unsere Hände sehen nun schon aus, als wären sie mit einer Eichenrinde überzogen. Wir haben hier auch keine lästigen Beamten zu erhalten; aber dafür brauchen wir selbst desto mehr; also ist hier auch kein Pfaffe, der uns die Hölle heiß machte; aber dafür befinden wir uns hier in einem Zustande, vor dem die Hölle eben nicht gar zu viel vorhaben dürfte! Was wollen wir sonach thun, um unser diesfälliges irdisches Plageleben ein wenig zu würzen, und für die Folge erträglicher zu machen?'

[RB 1.87.5] Spricht die Helena: „Na, na, ah das freut mich aber jetzt schon ganz besonders, daß mir der Vater Adam auch einmal die unverdiente Ehre angethan hat, mit mir ein paar Wörtlein zu sprechen! Na, für so gut und sanftmüthig habe ich den Herrn Vater Adam nicht gehalten. Aber wann der Herr Vater Adam einmal eine Zeit haben, da erzählen's mir etwas von den alten Zeiten, wie es etwa da zugegangen ist?! – Denn von solchen Geschichten bin ich eine große Liebhaberin!“

[RB 1.89.10] „Siehe, wo es nun (Sommer 49) auf der Erde römische Katholiken giebt, da giebt es nun auch Aufstand, Verrath, Krieg und Mord; blicke aber in die Türkei, und du wirst sie wohl gerüstet, aber sonst ruhig finden; sehe nach China, nach Japan, alles ist ruhig; beschaue das große England; bis auf sein Irland ist es ruhig; sehe nach Amerika hin; bis auf einige wenige katholische Kreise ist es ruhig; beschaue das Afrika, und du wirst es ruhig finden! beschaue das ganze große Asien, das da mit Menschen überfüllet ist; es ist bis auf einige kleine Distrikte ganz ruhig! Sehe an das große griechische Rußland; es ist auch bis auf einige wenige polnisch-katholische Kreise ruhig; das große Norwegen und Schweden ist ruhig, bis auf einige wenige eingewanderte katholische Schwärmer, die im geheimen machiniren, aber eben nicht viel ausrichten! Sehe nach Australien hin, und nach Neuseeland, und auf des großen Ozeans gesamten Archipel; sieh, überall mit Ausnahme geringer Kreise ist Ruhe! und wo es irgend kleine Unruhen giebt, so rühren sie sicher von den Römischen her! – Nun aber beschaue das aller-erzkatholischeste Spanien; es stehet auf einem Vulkane; unter dem nun scheinbar etwas ruhiger aussehenden Boden ist nichts als Gluth über Gluth, die bald durchbrechen wird; gerade so sieht es auch in Portugal aus! Beschaue das Frankreich, das katholischeste, – brennet es nicht allerorts?! Beschaue das eigentliche katholische Italien von A bis Z, vor Gluth, Flamme, Rauch und Dampf kann man es kaum mehr erschauen; richte deine Blicke ins getreu katholische Oesterreich; sieht es nicht aus als wie eine halbverbrannte, und halb sonst zerrissene Landkarte?! und wie diese gesamte Monarchie aussieht, so sieht auch jedes seiner einzelnen Länder aus – mehr oder weniger! Siehe an das, was in Deutschland mehr katholisch ist, und du wirst allenthalben Gluth über Gluth entdecken. Vor ein paar Jahren wollten sich in der Schweiz die Katholiken ausscheiden, und einen alle andre Sekten tiefst verachtenden Sonderbund kreiren; dadurch beleidigten sie alle anderen Partheien; diese vereinigten sich, und trieben die dummen und finster-hochmüthigen Sonderbündler waidlichst auseinander, und zogen dadurch dem Hierarchen wie allen seinen Helfershelfern die Larve gerade von der Nase weg, das verdroß die Alleinseligmacher dergestalt, daß sie bei sich aller Welt die glühendste Rache schworen! – Aber der hellere Theil der Welt entdeckte nur zu bald die schönen Pläne der Alleinseligmacher und ihrer getreuen Helfer, die sich von den Alleinseligmachern die goldensten Berge versprachen, und erhob sich allerorts, und übt nun noch die Vergeltung in den meisten echtkatholischen Orten und Punkten aus; und so ersiehst du hier auf dem Tische das arge Simbol, eine umgestürzte Tiara, deren Reiche noch innen bluten, und sich bald verbluten werden. Wohl sucht die Hierarchie es zu verhüten, daß ihr äußeres Ansehen nicht möchte befleckt werden von ihren inneren Gräueln; aber es wird ihr alle diese ihre Mühe nun nichts mehr nützen; denn siehe, darum habe Ich ihren inneren Gehalt durch die Umkehrung der Tiara nun aller Welt gezeigt; und sie kann nun thun was sie will, so wird sie ihre Krone nicht mehr aufrecht stellen können und wird sich in sich selbst zerstören und aufzehren; verstehst du nun die Sache schon etwas besser?“ – – –

[RB 1.89.11] Spricht die Helena: „O Du, mein Herr, und Du, mein Gott! ich verstehe die Sache nun wohl schon ein wenig besser; aber vom vollkommenen Verstehen ist noch gar keine Rede! Denn was eigentlich das Blut, und die abscheulichen Würmer im Blute bedeuten und vorstellen, das wird wohl außer Dir Niemand je vollends fassen und begreifen können!? wenn Du es mir aber etwas näher bezeichnen möchtest, da freilich würde ich es dann auch sicher besser verstehen! Sei so gnädig, und sage mir auch nur ein paar Wörtlein darüber!“

[RB 1.92.3] Aber, ah, ah, ah! nun kommt schon wieder ein neues Thier hinzu! es ist ein ungeheurer 'Riesenaar'! Dieser stürzet sich nun auf diesen vier Thiereknaul herab, packt ihn mit seinen übermächtigen Krallen, breitet nun seine großen Flügel aus, und hebt den ganzen Knaul in die Höhe. Die Schlange, deren geringelter Leib zum größten Theile von den Machtkrallen des Riesenaars durchstochen ist, will sich nun los machen; aber die Ringe sind durch des Aars Krallen so fest aneinander geheftet, daß da all ihr Mühen rein fruchtlos erscheint! Die drei früheren Thiere unterstützen nun nach Möglichkeit die Schlange; aber des Aars Krallen sind zu mächtig, und geben nicht um ein Haar breit nach, und höher und höher erhebt sich der mächtige Aar mit seiner Beute! Mehr im Hintergrunde ersehe ich nun eine Art Wüste an einem Strome, und gerade auf diese Wüste steuert der Aar mit seiner Beute zu; nun setzt er sich, seine Beute noch stets mit gleicher Kraft fest haltend, auf diese Wüste nieder, und macht nun Miene, seine Mahlzeit zu beginnen!

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