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[RB 1.92.6] Der Aar ersieht nun das Ichneimon, erhebt sich, und will es als eine kleine Freßbeute fangen; dieses aber entwischt des Aars Appetite in eine Bodenöffnung, und der mächtige Aar fliegt nun ohne alle Beute davon, gleich wie früher die andern Thiere ganz unverrichteter Dinge blos mit einigen Quetschungen entflohen sind; nur die Schlange scheint am meisten gelitten zu haben, ob sie der Sand wieder heilen wird, ist eine große Frage?! Ob aber das Ichneimon irgend seine Rechnung finden wird, darum es diese feindliche Gruppe auseinander brachte, das wirst Du, o Herr, sicher am allerbesten wissen!

[RB 1.92.8] Der König auf seinem Throne bekommt nun auch Zuckungen, als ob er an einer Nervenschwäche litte! – Die Sache scheint ihm auch nicht zusammenzugehen!? Ja, ja! es wird nun wohl manchem Könige auf der Erde nicht zusammengehen; aber was will, was kann er machen? Hat er noch irgend eine Macht, so wird er mit ihr sicher das Aeußerste wagen, um sich durch sie auf seinem Throne zu erhalten; hat er aber keine, so wird er sicher auch eher gehen, als er sich mit seinem Volke einen wird, durch Sanftmuth, Liebe und Geduld! Der sich aber behaupten wird, dem wird es wahrscheinlich so gehen wie dem Aar, daß er nehmlich eine sehr bedeutende Erleichterung in seinem Magen wahrzunehmen wird anfangen! – Denn das Geld werden seine Soldaten verbrauchen, und seine Unterthanen werden am Ende nur mit ihrem Leben ihre Steuern ihm entrichten können!

[RB 1.94.1] Spricht die Helena: „Ja, wenn die Sachen hier, wie auch in der ganzen Unendlichkeit also stehen, und sich verhalten, da freilich muß ich zu einem Erkenntnisse schreiten, auf daß ja etwa nicht die ganze Schöpfung zu Grunde gehe!? Aber Du, mein allergeliebtester Herr Jesus! ich werde wohl alles thun, was Du nur immer von mir verlangest; denn das gebietet mir nur mein allein Dich liebendes Herz; aber ich meine, gar so enorm wird etwa das Wohl oder Wehe, oder gar das Sein und Nichtsein der Erde von meiner Dummheit nicht abhängen!? Gelt, Du mein alleinigster Liebling, ein paar Sekunden lang könntest Du etwa dennoch wohl ohne meine Erkenntniß des abscheulichen Siebenköpflers die Erde und die ganze Unendlichkeit erhalten? Gar so streng wird hier die Geschichte ja doch etwa nicht sein?!“ -

[RB 1.94.2] Sage Ich: „Ja, Meine allergeliebteste Helena, bei Mir ist alles mit der genauesten Haarwaage abgewogen; da leidet es in Manchem wohl gar keinen Aufschub, oder was immer für einen Stillstand! Freilich wohl kann Ich die ganze Schöpfung ohne deine Erkenntniß erhalten, dafür hast du keine Sorge zu tragen; aber, wie Ich dir's schon eher bemerkt habe, es handelt sich hier nicht so sehr um eine definitive Erhaltung des Alls, als vielmehr um die baldigste himmlisch vollendete Freiheit aller Derer, die hier in der jüngsten Zeit von der Welt her angekommen sind; das mußt du dabei so ganz eigentlich in eine rechte Berücksichtigung ziehen, und es wird dir dann ein Leichtes sein, dem nachzukommen, was Ich von dir verlange! Hast du das nun wohl verstanden?“

[RB 1.94.7] Was nützet der Ochse (Volks-Kraft) mit seiner Stärke!? Was des Löwen (Dinastie) gewaltige Tatze!? Wozu dient des Panzerthiers (absoluter tyrannisch-despotischer Fürstendruck) rücksichtslose und unbeugsamste Schwere!? Welche Effekte zum Wohle der Menschheit werden aus der Gewalt der Schlange, (geheime alles umschlingende Inquisitions-Politik)? Was vermag der mächtige freie Aar, (sozialisches Freistaatenthum)! Was die im Hinterhalte lauernde Großrache der krokodilartigen Reaktion!? Am Ende treibt die nothwendig hinzukommende Armuth der Allgemeinheit, das armselige und schwache Ichneimon, dennoch Alles auseinander, und zwar mit vollends leerem Magen; wozu war denn da ein solcher Kampf gut? ist das Ichneimon am Ende gut, so sei es auch im Anfange?! Muß denn die Erde durchs Blut arm werden!?

[RB 1.97.13] Fällt ihm der Pathetikus in die Rede, und spricht: „Freund, ohne gerade dir gleich ein Esel zu sein, reichen meine Ohren aber dennoch bis an euren saubern Rathstisch hin, und haben das unliebsame Vergnügen alles zu vernehmen, was dort geredet und beschlossen wird! Und so haben meine Ohren denn auch die Keckheit gehabt, das zu vernehmen, was in eurem hohen Rathe über jene Menschen beschlossen wurde, die leider auf der Welt das sich zu genießen erlaubten, wozu sie durch das Gesetz der Natur bei den Haaren hinzugezogen worden sind!

[RB 1.97.21] Sage mir, was Gutes im eigentlichsten Sinne hast du wohl genossen durch dein ganzes irdisches und nun diesseitiges geistiges Leben?! Auf der Welt lebtest du im steten Zanke und Hader mit deinem rechtmäßigen Weibe; deine Huren säckelten dich oft bis auf den letzten Heller aus, so daß du oft lästige Schulden machen mußtest, von denen einige noch bis zur Stunde nicht bezahlt sind!? Ein paar Jahre vor deinem Austritte aus der Naturwelt in diese geistige hat dich noch eine falsche Italienerin dergestalt angesteckt, daß in wenigen Tagen darauf dir das Hören und Sehen zu vergehen hat angefangen. Fünf Aerzte voll guten Muthes, einmal einen reichen Kampel in ihre Obsorge bekommen zu haben, patzten, stachen und schnitten 2 Jahre an deinem durch und durch venerischen Leibe; sie halfen dir aber, wie dich deine Erfahrung lehrt, nicht nur nicht, sondern machten dich geflissentlich noch elender als du ohnehin warst; denn wenn‘s dich so recht juckte, da bewarfst du sie mit Golde, auf daß sie dir eine Linderung gäben! Ja sie hätten dich noch Jahre lang herumgezogen, wenn die Wiener Geschichte dir nicht den elendsten Lebensfaden abgeschnitten hätte! – Sage mir nun, wie warst denn du mit diesem zweiten Naturgesetze zufrieden, und welche Seligkeit genießest du nun hier?!“ -

[RB 1.102.2] Aber Du, o Herr und Schöpfer aller Menschen, siehst auch sicher den Grund ein, wie so mancher Mensch nur zu leicht und oft gerade das thut, was er nicht thun solle, und so ganz eigentlich auch im Grunde nicht thun wollte; aber ein sonderbarer Trieb ihn dazu wie bei den Haaren zieht, und ihm eher keine Ruhe läßt, bis er ihn befriedigt hat!

[RB 1.103.11] Spricht Dismas: „O Herr! schon der Auftrag ist ein zu ehrenhafter für mich, geschweige daß ich für's mögliche Gelingen noch extra mit einem Ehrenkleide solle angethan werden! Denn wird mir diese schöne Mühe gelingen, so wird das nur ganz allein Dein Werk sein, wofür Dir ganz allein alle Ehre gebührt; und wird sie mir nicht gelingen, so wird das ein Zeichen sein, daß ich durchgehends zu wenig mit Dir vereint gehandelt haben mochte; und in diesem Falle werde ich wohl doch sicher auch keines Ehrenkleides für würdig erachtet werden können?! – O Herr! ich werde mit Deiner Gnade wohl thun, was ich nur immer werde thun können, und ich hoffe und vertraue auch fest auf Deinen Beistand gestützt, daß mir dieß Werk gelingen wird! – aber dann bitte ich Dich inständigst, mir dafür keine Ehre anzuthun, wohl aber lasse o Herr es zu, daß ich Dich mit der gewonnenen Schaar loben und preisen werde nach allen Kräften! Denn einem Sünder, wie da ich Einer bin, gebührt wohl für ewig keine ihn ehrende Auszeichnung!

[RB 1.104.31] fahr‘ daher nur wieder ganz ruhig ab, Dismaserl! denn in diesem deinem uns bis jetzt auf ein Haar gleichen Zustande richtest du nichts mit uns! Bringe uns lieber etwas zu trinken und zu essen, aber hierher, dann werden wir dir auch irgendwo anders hinfolgen; aber von deiner gegenwärtigen Weisheit läßt sich beim besten Gewissen nichts herabbeißen! Denke nach, denke nach – Dismaserl! wie schön dumm du nun bist! du empfiehlst Andern etwas an, was du selber noch nie gehabt hast! Dein Vater muß 'sSchweinerne gern gegessen haben, weil ihm an dir ein gar so saudummer Sohn gerathen ist?“

[RB 1.104.32] Spricht Dismas: „Freunde! Habe ich euch von dem, was ich nun in Kürze an mir erfahren habe, keine lebendige Ueberzeugung verschaffen können, so müsset ihr mir doch das zugeben, daß ich es mit euch Allen für's erste sicher wohl gemeint habe, und für's zweite kann mir von euch Allen wohl nie Jemand nachweisen, daß ich mich je unartig, roh und grob gegen ihn benommen habe. Aus dem Grunde aber glaube ich von euch mit Recht erwarten zu dürfen, mit mir doch ein wenig artiger und humaner zu reden. Ich ziehe euch ja nicht bei den Haaren hin zum Herrn; wollet ihr hin gehen, so gehet ihr hin; und wollet ihr es durchaus nicht, da wird euch auch kein Zwang angethan werden. – Aber unartig, roh und wahrhaft flegelhaft grob sollet ihr darum nicht sein! Daß ihr nun einen starken Hunger und Durst in euch verspüret, daran bin nicht ich, sondern ihr selbsten schuld; – ihr habt zu eurer mehrern Belebung den Hunger gewünscht; und nicht ich, – sondern der Herr hat ihn euch zukommen lassen durch mein Wort, und durch meinen höchst eignen Magenhunger. Ich aber habe es euch daneben auch sogleich gezeigt, wo und wie ihr den Hunger und den Durst stillen könnet! Warum thut ihr es nicht, so ihr es wißet? Ihr heißt mich einen dummen Teufel, weil ich dem Blum folgte, und saget, daß mir diese Hinreise nichts genützet habe. Ich aber sage es euch, daß mir diese Hinreise gar überaus viel genützet hat; ist auch mein Magen noch leer, so ist aber dennoch mein Herz gesättigt mit der Liebe zu Gott dem Herrn! – und das ist mehr, als ein voller Magen! Es ist viel besser, ein Herz, denn 100 Magen satt machen; denn so das Herz genährt wird, da wird auch des Magens bestens gedacht werden. Aber neben einem hungrigen Herzen kann kein Magen befriedigt werden, außer mit der Kost des Todes zum Tode des Herzens! Thut ihr nun, was ihr wollt! ich aber werde euch für die Folge keinen Narren mehr machen! Wollt ihr Viecher bleiben, so bleibet es; wollt ihr aber hin zum Herrn gehen, so steht euch der Lebensweg offen!“ -

[RB 1.104.37] „Es wäre sonst alles recht“, spricht ein Anderer aus der Gesellschaft, „wenn wir aber nur so um ein Haar besser adjustirt wären! – besonders pitoyable nehmen sich unsere zehn Damen aus! Nichts als Fetzen und Lumpen von der schmutzigsten Art hängen in höchster Unordnung über ihre äußerst unvortheilhaft aussehenden Leiber! – und wir Männer haben eben nicht viel vor! Ich meine daher, so es möglich wäre, daß wir zuvor trachten sollten, zu nur um ein weniges bessern Kleidern zu kommen, und dann zu Ihm hinzugehen; denn in diesen sehr unhochzeitlich aussehenden Kleidern würden wir uns in Seiner mit aller Macht ausgestatteten Nähe denn doch gar verflucht schlecht ausnehmen. Was meinet ihr in dieser Hinsicht?“

[RB 1.108.13] Hier stutzen die Groller, und wissen nicht, was sie darauf erwidern sollen. Aber Bruno spricht weiter und sagt: „Freunde! habe ich euch etwa auch dazu den Rath ertheilet, daß ihr in Gesellschaft 30,000 fl. c. m. in Zwanzigern in einem Keller habt einmauern lassen? Als aber dann in Wien das liebe Standrecht publizirt worden ist, und die strengen Hausuntersuchungen angeordnet wurden, und im verhängnißvollen Keller die guten Croati die hohlklingende Mauerstelle aufbrachen, um etwa verborgene Waffen zu entdecken, aber statt den Waffen den für sie noch erfreulicheren Fund von baaren 30,000 fl. c. m. fanden, und ihn bis auf den letzten Groschen in den sichern Empfang nahmen? Ich meine, dazu hat wohl mein Schwarz für Weiß keinen Beitrag gemacht. Ihr waret, kurz gesagt, allzeit selbst die Schuld an euren Verlusten; ihr haltet euch aber noch immer für kluge Spekulanten, und meinet im höchsten Grade irrig: Ich sei in eure Spekulationsgeheimnisse eingeweiht gewesen, und habe an euch einen Verräther gemacht? Wie aber wäre so was doch möglich, da ich außer auf der Börse euch wohl nie mit meiner Gegenwart belästiget habe, wie auch auf der Börse nie, außer ihr fielet wie ein Schwarm Moskitos über mich her?! Ich trage an allem eurem Unglücke nicht die geringste Schuld, dessen könnet ihr vollends versichert sein; Gott ist mein Zeuge. Meinet ihr aber noch, daß ich euch unglücklich gemacht, so beweiset es mir vor Gott! und ich will alles thun, um meine Schuld an euch 100 fach abzubüßen. Redet nun, wie euch diese Sache vorkommt.“ -

[RB 1.111.1] Bruno solches vernehmend begiebt sich sogleich zu Mir her, nun schon mit einer weißen Faltentoga angethan, die mit rothen Streifen verbrämt ist, und sagt: „Herr! ich armer Sünder danke Dir für diese große unschätzbare Gnade, deren Du mich nun allerunverdientester Maßen gewürdigt hast. Ich bin nun für meinen Theil glücklich, überglücklich; nur ein Bischen Hungers verspüre ich noch, und eben so auch etwas weniges von einem Durste; aber das macht nichts, denn die Seligkeit, die nun vor Dir und von Dir ausgehend mein ganzes Wesen durchströmt, macht mir weder Hunger noch Durst empfinden. Kurz – ich bin nun selig, und mein Herz fühlt zum erstenmale eine wahre, reine himmlische Liebe zu Dir, o Herr! und so auch zu allen diesen meinen armen Brüdern und Schwestern. O, das ist eine Liebe, von der den schwachen Sterblichen wohl äußerst selten etwas in den Sinn kommen dürfte. Denn selbst die besten Menschen auf der Erde lieben sich selbst um reine Tausendmale mehr als ihre allerinnigsten besten Freunde; um wie viel weniger werden sie dann erst ihre Feinde lieben!? Also lieben die Männer die Mägde auch nur des Genusses wegen, also nur sich selbst in den Mägden; aber die Mägde ihrer selbst willen lieben sie nimmer. Denn liebeten sie dieselben rein, da würden sie mit ihnen nicht Dinge begehen wollen, durch die sie den armen Mägden allzeit schaden müssen; sie wollen die Armen wohl genießen, aber von einer Dir wohlgefälligen und liebgerechten Versorgung wollen sie sogar dann nichts wissen, wenn sie selbe auch bestens zu leisten im Stande wären. Die Männer halten große Stücke auf ihre Ehre; aber so sie die armen schwachen Mägde mit allem Spotte und aller Schande versehen durch ihre Gailheit, das macht ihnen nichts, wenn nur sie bei Nacht und Nebel mit ihrer Ehre davon kommen. Wie sah ich in Wien tausend gaile Böcke in der Nacht Gassen auf und Gassen ab rennen, um irgend eine arme verführte feile Dirne für ihren sinnlichsten Genuß auf einige Minuten zu gewinnen! Haben sie den erbärmlichen Zweck ihrer nächtlichen Herumrennerei erreicht, und ihre scheußliche Lust befriedigt, so gaben sie dann der armen nahe zu Tode geschändeten Maid einige elende Groschen; und bat sie um noch ein paar Groschen mehr, so wurde sie mit den schmählichsten Worten, – mitunter auch Schlägen traktiert, und zu allen Teufeln verwünscht. Und das heißt auf der Welt nun auch Liebe!!!“ O du verfluchte Liebe! –

[RB 1.112.4] Wir begreifen das noch immer nicht, warum wir jetzt weniger sehen, als wir gleich im Anfange unseres Hierseins sahen? Daher ist uns die rechte Eröffnung unserer Augen auch ein erstes Bedürfnis, auf daß wir zu der Einsicht kommen, warum wir nun weniger sehen, als wir im Anfange sahen. Anfangs unseres Hierseins sahen wir recht gut den sehr geräumigen Saal, also auch den seinsollenden Heiland Jesus, den R. Bl., Messenh., Jellinek, Becher, die Leanerl, den Pathetikus Dismas, seinen Freund Max Olaf, und ein paar Dutzend der saubersten Tänzerinnen, und nun sehen und hören wir aber allesamt nichts von ihnen, und von den noch vielen Andern. Wo liegt denn da der Hund begraben?

[RB 1.112.14] Aber nun Spaß bei Seite; sage mir ganz aufrichtig, bist du wohl wirklich so dumm, oder foppst uns blos so zu deinem Privatvergnügen? Schau, schau, ein Mensch ohne Willen wäre ja doch nichts anderes als ein organomechanisches Uhrwerk ohne Feder oder Gewicht. Ich meine, der Mensch kann wohl seinen Willen einem andern auf eine Zeit lang zu Diensten stellen, und das wollen und thun, was irgend ein anderer haben will, mag es nun etwas Vernünftiges oder etwas Unvernünftiges sein; denn keine Einsicht kann definitiv einen einmal gefaßten Willen ändern. Aber seines eigenen Willens ehedem ganz ledig werden, so wie ein schwangeres Weib ihrer Frucht, und sich sodann erst einen andern Willen gewisser Art einsetzen lassen, als wie ein Pfropfreis auf einen abgeschnittnen und gespaltnen Wildling, Freund! das geht sogar über den Horizont des letzten Fixsternes beiweitem hinaus; haue du dir so ganz evangelisch wohlgemeint beide Hände, und zugleich auch beide Füße ab, und lasse dir dann ein paar fremde, wann's leicht sein kann, anheften, und wir werden sehen, welche Bockssprünge du damit machen wirst. Also nur gescheute, Freunderl, gescheute! Hast du eine Kraft, so handle zu unserem Besten! Aber mit deinen ganz leeren Worten verschone uns für immer, o Herr Brunissimus!“ -

[RB 1.113.6] Wer kann beim Anblicke der aufgehenden Sonne ohne Achtung vor der großen Gottheit dastehen, wen ergreift der Anblick hoher majestätischer Gebirge nicht? Wer kann ohne Achtung gleichgültig das Meer ansehen, und höhnisch lachen bei einem gewaltigsten Meeressturme? Wessen Brust wird nicht mächtig erschüttert beim mächtigen Rollen der Donner Gottes? Siehe, das sind göttliche Dinge, vor denen der stupideste und eigennützigste Pfaffe eben so vor Ehrfurcht bebet wie der gemeinste Sauhirte. Aber das seinsollende Wort Gottes ist ihm Pomade. Wie sieht es dann da mit der Göttlichkeit aus? Wenn das seinsollende Gotteswort aber den Pfaffen tatsächlich nichts als eine verkäufliche schlechte Pomade ist, was solle es dann uns Laien sein, die wir keine Doktoren der Gottesgelehrtheit sind, besonders so wir nur zu oft und zu klar zu der Einsicht durch die Thaten der Pfaffen ordentlich bei Haaren hingerissen werden, daß die Gotteslehre von Christo noch weniger als eine schlechte Pomade sein muß, ansonst sie doch unmöglich mit ihr solchen Mißbrauch treiben könnten.

[RB 1.114.5] Alle zeitlichen Gaben der Gottheit an die Menschen sind so gegeben und gestellet, daß der unvollendete Mensch mit seinem Naturverstande, der die Gaben durchaus nicht zu würdigen versteht, an ihnen stets etwas zu tadeln hat. Dem Einen scheint die Sonne im Sommer zu heiß; ihm wäre ein ewiger Frühling lieber; wieder einem Andern ist der Winter ganz entsetzlich lästig; ein ewiger Sommer wäre ihm denn doch bei weitem lieber; ein Dritter schimpft sogar über den Mond, darum dieser nicht stets im Volllichte bleibet; Einem ist das menschliche Leben zu kurz, dem Andern oft so langweilig, ja und bis zur Verzweiflung langweilig, daß er sich selbst dasselbe gewaltthätig abkürzt. Wieder will Einer, daß die ganze Erde (meerlos) ein fruchtbarer fester Boden wäre, während ein Engländer das Meer noch beiweitem ausgedehnter haben möchte, als es an und für sich ohnehin ist. So wollen Einige lauter Aecker, Andere lauter Wiesen, wieder Andere lauter Gärten; noch Andere lauter Städte und Festungen, und so tausend verschiedene Dinge; ja ich habe kaum je zwei Menschen kennen gelernt, die ganz auf ein Haar ein und dasselbe wolleten!

[RB 1.116.3] Denn es haben sich ja doch schon zu den Zeiten der Apostel Negozianten mit der Wunderlehre Christi vorgefunden; ja Christus Selbst hatte einen, der Ihn verrieth, bei Sich; wie sollen sich da in den spätern Zeiten nicht Negozianten (Geschäftsleute) in die Menge vorgefunden haben, da sie schon Erfahrungen vor sich hatten, nach denen die Lehre Christi als eine geduldige Kuh angesehen ward, die ohne viel Futter eine ungeheure Menge Milch giebt. Da aber gold- und geldsüchtige Menschen das nur zu gut eingesehen haben, so machten sie aus der Gotteslehre eine Verkaufswaare, und handelten damit in allen Landen der Erde, und machten die besten Geschäfte. Das war schon die erste böse That; als aber die Kaufleute (römische Pfaffen aller Art) sahen, daß die Waare ihrer reinen geistigen Form nicht mehr gar zu gierig gekauft ward, besonders bei den Prunk und Zeremonie liebenden Asiaten, da richteten sie auch bald ihre Waare so ein, wie sie es glaubten, daß sie den Morgenländern am meisten zusagen dürfte, und sehet, der neue Handel ging dann wieder gut von statten.

[RB 1.116.5] Als also die Menschen hinter diese Betrügereien kamen, was die fleißig beichthörenden Pfaffen nur zu bald erfuhren, da warf man sich auf die Mystik, eigentlich Escamotie (Schwarzkunst), errichtete Wallfahrtsorte mit Mirakelbildern, hüllte sich ganz in's Latein ein, produzirte wunderthätige Reliquien, und baute große Tempel mit viel Wunderaltären, goß große Glocken, u. dergl. m. Damit handelte man bis zur Stunde; aber da in der Zeit die Menschen den Pfaffen denn doch schon wieder, und das stärker denn je, über den Kopf zu wachsen anfangen, und sogar vor dem beheiliggeisteten Manne – – keinen Respekt mehr haben, so geht nun diesen Kaufleutchen der Faden aus, und sie wissen nun nicht, wie sie die Sache anstellen sollen, um ihrer sehr verlegenen Waare einen ergiebigen Absatz zu verschaffen. -

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