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[RB 2.221.3] Mir wäre es im höchsten Grade angenehm gewesen, wenn wir noch viele Jahre miteinander hätten Oestreichs Völker leiten können; aber ein Fatum hat es so gewollt, daß du, und ich samt dir vom großen Schauplatze unseres Wirkens haben abtreten müssen. Wir können die Gesetze der Unendlichkeit und ihrer Zeiten nicht verändern, und so sind wir Beide entweder, wie du behauptest, gestorben, oder nach meinem richtigeren Dafürhalten pensionirt, und in eine geheime Irrenanstalt gebracht worden, aus der wir im strengsten Inkognito alle Jahre ein paar Male in's Freie hinaus einen Spaziergang machen dürfen, und allein etwas genießen. Josef, sei gescheit! und halte diese Juden doch nicht für mehr als sie sind! Sollte dieß aber auch die Geisterwelt, und an Christo etwas gelegen sein, so wird sich Dieser, gegenüber einem Kaiser und einem Kardinale, doch anders präsentiren, als wie ein gemeinster Binkeljude. Was für Beweise hast denn du für deine Behauptung? Christus, ein Binkeljude! Aber ich bitte dich!“

[RB 2.221.4] Spricht Josef: „Aber ich bitte dich auch, eben in der allerhöchsten persönlichen Gegenwart Jesu des Herrn, dich ein wenig anders zu benehmen, sonst wird es mit deiner Kardinalschaft bald aus sein. Die Geduld des Herrn muß zwar unergründlich groß sein, daß Er so gelassen solch einen Unsinn, wie er zwischen uns Beiden zum Vorscheine kommt, anhören mag und kann; aber ob sie grade ohne alle Grenzen ist, das möchte ich wohl äußerst stark bezweifeln; denn so oft Menschen und Geister zu lange, zu grell und zu hartnäckig zu sündigen anfangen, und von ihren thörichten Bosheiten sich nimmer abwenden wollen, dann, glaube ich, wird Er solche Späße nicht gar zu lange Sich gefallen lassen. Hätte z. B. ich selbst auf der Erde den Anreizungen der Venus ein paar Jahre früher schon kein Gehör gegeben, wie der gute himmlische Vater mich durch allerlei Vorkommnisse meines Lebens davor wohl zu öftern Malen hatte nur zu deutlich wahrnehmbar machen lassen, so hätte ich vielleicht trotz allen Nachstellungen aller meiner Feinde um etliche zehn bis zwanzig Jahre länger leben und die Völker im Namen Gottes bestens regieren können; aber da ich diese heilsamsten Mahnungen des Herrn nur zu leicht in den Wind schlug, so ist dem Herrn über mich die Geduld nur so um ein ganz geringes ausgegangen, und ich mußte ohne Gnade und Pardon dem Leibe nach ins Gras beißen, und das schmerzlich und bitter genug. Also, Freund, setze die Geduld des Herrn nicht auf eine zu lange Probe!“

[RB 2.222.11] Du siehst hieraus, daß ich in mir durchaus kein eigentlicher Pfaffe war; denn davor bewahrten mich meine durch und durch filantropischen Grundsätze; finde ich nun Christum, wie Er ist, und nicht wie Ihn Rom predigt, so ist Er Christus auch im Gewande eines Schusterjungen. Ist Er aber Christus nach römischer Art, dann sei uns gnädig und barmherzig wer da wolle; denn dann ist unser Loos entschieden: dir ewig lichterlohbrennende Hölle, aus der natürlich ewig kein Ausweg mehr zugelassen wird. Guten Appetit! wem solch eine Gerechtigkeitskost schmeckt. Ich für meinen Theil schaffe ewig nichts davon, und wünsche mit dem vollsten Ernste von der Welt aller Geister mit solch einem Christuse ewig nicht zusammenzukommen. Denn der kann mir, wie die lustigen Wiener sagen, mit Haut und Haaren gestohlen werden.“

[RB 2.222.12] Sagt Josef: „Bin ganz deiner Ansicht, und deines Verlangens; aber bei eben Diesem wirst du das finden, was du finden willst, einen Herrn, der dir wie uns Allen vollends ans Herz gewachsen ist. Kurz, einen weiseren und besseren Christus kannst du dir in Ewigkeit nicht denken, und noch viel weniger wünschen, als wie dieser allein Wahre und Einzige es ist. Daß aber auch ich keinen rachesüchtigen Strafegott mir je denken habe können, sondern nur einen weisen und milden Vater voll ernster Liebe, beweiset ja mein mildes Strafgesetz, da ich die entsetzliche Todesstrafe gänzlich aufhob, und selbst die gröbsten Verbrecher nur mit solchen Strafen belegte, durch die sie wieder zu Menschen werden konnten; die Todesstrafe ließ ich bloß im Anfange an ein paar gar zu teuflisch muthwillig allergräßlichst bösesten Verbrechern vollführen; der Eine hatte sein Weib, oder Geliebte, was sie sein mochte, bloß aus Muthwillen bei lebendigem Leibe anatomirt, und die Leibstheile dann zur nächtlichen Weile auf den Gassen herum zerstreuet; und der andere war ein Herzblutsauger, ein Vampyr in optima forma. Bei diesen Beiden mußte ein Beispiel statuirt werden. Und dennoch gereuete es mich nach der Hand; hätte ich sie zum Galeerenzuge gegeben, so hätten sie vielleicht auch noch können zu Menschen umwandelt werden; aber nicht so sehr ich, als vielmehr das Volk verlangte die Hinrichtung dieser Ungeheuer, und so dachte ich: Vox populi, vox dei, und ließ sie exemplarisch töten. Ob ich da vollends recht gehandelt habe, weiß ich kaum; aber das weiß ich, daß ich dabei durchaus keinen argen und rachesüchtigen Willen hatte. Du siehst also hieraus“ –

[RB 2.223.14] Ueber solche Inschrift geschieht schon eine gewaltige Lache, und sogar die anfangs sehr furchtsame Helena fängt zu lachen an, und sagt: „Diese Szene würde im Prater, und zwar im Affentheater recht viel Aufsehen machen. Aber der Stefansdom steht ja auf einem recht schönen Grund. Nein, wenn ich aber auf der Welt davon nur eine schwache Ahnung gehabt hätte, so wäre ich doch bei Deinem heiligsten Namen die erste gewesen, die so einen Tempel mit einer brennenden Fackel heimgesucht hätte; da schaue man einmal diese Kerls an, was die alles treiben, um arme und schwache Geister in ihre hab- und herrschsüchtigsten Netze zu treiben! Ah, ah, da kommen sie nun in einer großen Schaar, in ihren erzbischöflichen Ornaten, und eine große Menge Dienerschaft mit ihnen; was sie etwa nun thun werden!“ – Sage Ich: „Sei ruhig, meine Tochter, und horche und siehe!“

[RB 2.224.9] Sagt Jos.: „Beinahe, aber doch noch nicht ganz, und darum möchte ich denn auch noch das wissen, warum denn ein Papst nicht mehr als drei Messen lesen darf, und das eigentlich nicht ganz, indem er eigentlich nicht selbst die Messe liest, sondern nur bei derselben, die entweder von einem Kardinal, oder von einem kardinalisirten Erzbischofe gelesen wird, glorificaliter assistiret. Das möchte ich noch, so recht klar von dir erfahren.“ – Sagt der Nunzius: „Ist aber das eine verfluchte ketzerische Frage! Auf der Welt könnte ich Ihm darauf gar keine Antwort geben; aber hier, wo Er schon ohnehin mit Haut und Haaren dem Teufel zugehört, und sich im nächsten Augenblick in der Höll' befinden wird, da kann ihm so was schon g'sagt werden, damit Er dadurch desto tiefer in die Höll' kommen kann. Und so merke sich der Herr Kaiser! – Der Papst kann deßwegen nicht mehr als drei Messen lesen, weil dadurch die allerheiligste Dreifaltigkeit als lebendig für alle Zeiten der Zeiten auf der Erde in der alleinselig-machenden Kirche dargestellt und erhalten wird. Daß aber der Papst nicht unmittelbar ganz selbst die allerheiligste Dreifaltigkeits-Messe liest, sondern dabei pontifizirt, glorifizirt und assistirt, kommt daher, weil er ein Knecht der Knechte Gottes, und der Stellvertreter Jesu Christi auf Erden ist, der allen dient, und sich nicht darf bedienen lassen. So ist die Sache! itzt wird Er's doch verstehen.“

[RB 2.224.10] Sagt Josef: „Ja jetzt bin ich im Klaren, und weiß nun vollkommen, was ich vom Papstthume zu halten habe.“ – Sagt der Nunzius: „Nun, und was haltet man denn nun vom Papste?“ – Sagt Josef: „Nichts anderes, als: daß gerade er der vollkommene Antichrist ist, und ihr alle seine getreuesten Helfers-Helfer seid. Denn wäret ihr Christen, so wie es sich gebührt, und nun auch Gottlob ich einer bin, so würdet ihr Christum den Herrn, Der hier fest neben mir stehet, sicher sogleich erkannt haben, aber da ihr in aller Fülle die vollendetsten Antichristen seid, so verdammt ihr uns, samt Christum, in die Hölle, während ihr selbst schon sehr lange euch darinnen mit Haut und Haaren befindet.

[RB 2.226.5] Spricht Josef: „Ja, mein Herr und Vater, wie solle ich das auch nicht verstanden haben, indem Du die Sache mir nahe auf ein Haar also gezeiget hast, als wie ich mir sie oft vorgestellt habe. Also ist es, und kann unmöglich je anders sein. O ich danke Dir, daß Du Deine Ordnung gerade also eingerichtet hast, als wie ich sie bei meinen irdischen Lebzeiten gar oft gedacht und mir vorgestellt habe.

[RB 2.228.4] Ein Anderer wieder will bemerkt haben, daß ein Ministrant beim Confiteor und namentlich beim „Mea culpa“ zu wenig an die Brust geschlagen habe; ja, einen Schlag habe er sich etwa eines teuflischen Flohes wegen auf den Bauch gegeben, und das zerstöre etwa auch die Wirkung der Messe; denn man solle es kaum glauben, von welcher Kleinigkeit oft die Wirkung oder Nichtwirkung einer Messe abhänge; ihm habe das einmal ein alter frommer Kapuziner ganz haarklein auseinandergesetzt.

[RB 2.228.11] aber als nach ein paar Stunden irdischer Zeitrechnung die Knittel zu Ende sind, und wir denn doch noch fest dastehen und nicht um ein Haarbreit weichen wollen, beruft der Hauptfungator alle die Teufelaustreiber zu sich, und sagt: „Höret! Wir haben nun Alles gethan; mehr können wir nicht thun; aber leider hat all' unsere Mühe nichts gefruchtet. Ich bin daher der Meinung, daß wir noch die große lauretanische Litanei beten sollen, und zwar vor dem Bilde der allerschmerzhaftesten Mutter Gottes. Holet sie aus der geheimen Kammer der Schätze Maria's und stellet sie gerade vor das Tabernakulum hin; zündet nun alle Kerzen an, auf daß wir mit der Litanei sogleich beginnen können. Maria ist und bleibt unser Schutz und Schirm, und unsere letzte Zuflucht.“

[RB 2.228.13] Ein paar Diener begeben sich nun sogleich nach dem Orte hin, Wo sich das Bild der allerschmerzhaftesten Mutter befindet. Als sie aber das scheinbar hölzerne Bild herbeischaffen, da zeigt es sich, daß es ganz außerordentlich schadhaft ist. Es fehlen dem Bilde die sieben Schmerzen, die gewöhnlich durch sieben in den Leib der Maria hineingestoßene Schwerter ausgedrückt werden; dann fehlt dem Bilde die Krone, der halbe Kopf, eine Hand, und der ganze todte Heiland, den sie auf ihrem Schoße trägt. Von einer Farbe und Vergoldung ist keine Rede mehr; dafür aber ist das, was noch von der Allerschmerzhaftesten da ist, desto wurmstichiger, und die ganze Figur wäre kaum mehr zur Beheizung eines kleinen Kamins zu gebrauchen.

[RB 2.229.13] Obschon eine lateinische Messe mit allerlei Zeremonie und Geplärr zwar für einen wahren und reinen Christen des Dummen schon so viel enthält, daß es ihm dabei übel werden muß, so er die Sache nur einigermaßen beim Lichte des helleren Verstandes betrachtet; so hat aber diese Dummheit, da sie etwas Alltägliches ist, und durch die Gewohnheit erträglich geworden ist, auch den von der Eminenz erwünschten Erfolg nicht gehabt. Die Ehrenmänner haben sie ganz geduldig angehört, und ganz im Stillen unter sich ihre Bemerkungen gemacht. Das machte die Eminenz beinahe schäumen vor Wuth, und eine ungebührlich über's Kreuz gelegte Stola mußte am Ende den Sündenbock machen, obschon die Eminenz bei sich gar wohl gewußt hat, daß sich solche Männer nicht mehr vor einem Fetzenkrampus fürchten werden, wohl aber sich vor einer zu grellen Dummheit werden zurückziehen müssen. Die Eminenz suchte also nur durch eine Exzentrizität der Dummheit auf jene Ehrenschaar natürlich so widrig als nur immer möglich einzuwirken, da sie früher durch alle die falschen Höllenspektakel nichts hat ausrichten können, da diese Ehrenmänner die pappendeckelne Hölle und die Kolofoniumflamme nur zu geschwinde gemerkt haben. Aber mit der großen Plärrmesse ging es wie Figura zeigt, durchaus niche, sagen die Preußen; es ward daher zum echt römisch-katholischen Exorzismus geschritten, der in seiner Art einzig als Krone aller menschlichen Dummheiten dasteht, und als das auch auf jene weisesten Ehrenmänner einen entschieden alleranekelndsten Eindruck hätte machen sollen; aber die Ehrenmänner müssen sich zum Grundsatze gemacht haben, auch vor der größten Dummheit nicht zu weichen, und sie blieben denn auch so zu Seiner Eminenz größtem Aergernisse hier. Was blieb der Eminenz nun noch übrig?

[RB 2.231.1] Nach dieser Rede kratzt sich die Eminenz, aber nicht der Großfungator, bei den Ohren, und sagt nach einer Weile zu seinem Kollegen: „Dieser Kirchendiener ist ein ganz verdammter Kerl; bei meiner armen Seele, so ich kein Kardinal wäre, möchte ich ihm beinahe Recht geben. Aber natürlich, als Kardinal kann man sich denn doch nicht von einem Meßner belehren lassen.“ – Spr. der Meßner: „O meine liebe Eminenz! Wir sind hier, so wahr ein Gott lebt, nicht mehr auf der Erde, sondern wie ich schon ehedem einmal erwähnt habe, wir sind samt und sämtlich mit Haut und Haaren in der Welt der Geister, was Eure Eminenz aus gar mancherlei Erscheinungen und Vorkommnissen gar leicht hätten merken können, so Sie es hätten merken wollen.“

[RB 2.231.2] Sagt die Eminenz inzwischen: „Wie hätte ich denn das sollen merken können? Ich müßte ja doch davon aus einer wohl wahrnehmbaren Empfindung etwas verspürt haben, daß ich gestorben bin, das doch offenbar vorausgehen muß, bevor man in irgend eine Geisterwelt kommt; und so man dann in einer Geisterwelt sich befinden würde, da würde man sich doch als ein Geist, nicht aber als ein rein materieller Mensch mit Haut, Haaren und Knochen befinden? Das Alles aber trifft bei keinem von uns ein und zu; wie könnten wir dann in einer Geisterwelt uns befinden? Mein lieber hochweiser Meßner! Wie es mir immer klarer wird, so ist er ein Narr, und gehört in ein Narrenhaus.“

[RB 2.232.16] durch diese wenig Trost einflößenden Worte Petri werden die Quasi-Adspektanten der Hölle in eine solche Angst versetzt, daß sie allesamt zu Boden sinken, und da nur stöhnend die Worte: O Je-sus, Maaaarri-a – und Jo-sef! – Gna-de! – Gna-de! – herausbringen.

[RB 2.236.8] Spricht die Helena: „No, ich bitt' Sie, was meinen's denn, was Sie für a politirtes Deutsch sprechen? schaun's, a jede Sprach' is schön und gut, wann's nur aus an ehrlichen Herzen und Mund kommt; aber wann a Sprach' a noch so politirt ist, und kommt aber aus an rechten Spitzbubenherzen, was is sie nachher werth? Was wär Ihnen denn lieber, wann ich so recht hochdeutsch redete, Sie aber dann auch auf hochdeutsch anschmierete, oder wann ich so recht gemein weg oberlerchenfelderisch red', und es dabei mit Ihnen kreuzehrlich mein'? Schaun's, a so a recht hochdeutsche Sprach', besonders hier in Wien, is g'wöhnlich a Verstellung. Der red't hochdeutsch, weil er möcht' die Leut' von ihm meinen machen, daß er a G'lehrter is, bei ihm selber aber is er an Esel in allen 4 Elementen. Sagen's, is so was nit a rechte Spitzbüberei, wann man die Leut' mehr von sich meinen machen will, als man is? An Anderer spricht hochdeutsch, um beim schönen G'schlecht Eroberungen zu machen, hat dabei aber g'wöhnlich die schmutzigsten Absichten, wie ich's nur gar zu oft erfahren hab'. Sagen's, is das nit wieder a recht grausliche Spitzbüberei? An And'rer is blos nur a Kommis in einer Zeughandlung; wann recht noble und schöne Mädchen und Damen hineinkommen, um was zu kaufen, so kegelt er sich völli den Mund vor lauter Hochdeutsch aus, und lobt sein' Waar' auf echt sächsisch, oder gar preußisch, um die Mädchen und Damen ja für sein ‘Waar' und vielleicht für noch was zu g'winnen. Sagen's, is dann so a Sprach' nit schon wieder a recht hochdeutsche Spitzbüberei? So geht's auch in den Aemtern und Kanzleien zu; diejenigen Beamten, die so recht hochdeutsch reden, sind g'wöhnlich die gröbsten, stolzesten und dümmsten zugleich, und wollen durch ihre hohe Sprach' nix als ihre Fehler unsichtbar machen. Sagen's, is so was nit schon wieder a rechte Spitzbüberei? Und das heißen Sie a gebildete Sprach', die die Leut' brauchen, um anander recht tüchtig anzuschmieren? Jetzt hören's mir nur bald auf, sonst wird's mir übel!“

[RB 2.238.2] Aber der Offizier herrscht sie ordentlich an und sagt: „O ihr albernen Weiber und Betschwestern übereinander! Wie fällt euch denn gar so etwas Dummes ein? Glaubet ihr denn, daß der jüngste Tag gerade so aussehen muß, als wie die Pfaffen ihn euch vorgemalt haben? Es ist hier allerdings ein jüngster Tag für uns Alle, weil wir bis jetzt in der stockfinstersten Nacht gelebt haben, und Gott der HErr Selbst hat uns auferweckt an diesem Tage, ansonst wir in der ewigen Nacht der Weltirrthümer geblieben wären; und sehet, das ist ein rechter jüngster Tag, an dem uns Heil für ewig widerfahren ist. Es ist und gibt auch wohl ein Gericht zum Tode, in dem wir eben ohnehin mit Haut und Haar gesteckt sind; aber das ist ein Gericht aus uns selbst, und nicht aus Gott. Das Gotteswort selbst, durch das wir geworden sind, und die uns verliehene Willensfreiheit sind das, was uns richtet, und richten muß, ansonst wir Steine ohne Leben wären. Haben wir uns aber aus unserem höchst freien Willen den Todesstoß gegeben, und können uns dann im Tode von selbst nimmer helfen, so kommt dann der Vater von Oben mit Seinen Engeln, und hilft den Todten wieder zum Leben. Wenn die Todten im Geiste dann wieder erwachen im neuen Tage zum ewigen Leben, so ist das für jeden Erweckten und Erwachten dann ein wahrhaftester jüngster Tag, so wie auch für ein jedes neugeborne Kind jener Tag, an dem es in die Welt hinausgeboren ward, ein irdischer 'jüngster Tag,' wie dieser für uns Alle nun ein geistiger ist zum ewigen unvergänglichen Leben in und bei Gott! Darum fürchtet euch nicht mehr so albern vor einem gewissen Schreckenstage, der wenigstens in dieser geistigen Welt ewig nimmer zum Vorscheine kommen wird und kommen kann. Heißt es denn nicht in der Schrift, so viel ich mich derselben noch entsinnen kann: 'Und Ich, spricht der HErr, werde ihn am jüngsten Tage erwecken;' und nicht: Und Ich werde ihn am jüngsten Tage umbringen und verdammen. Schauet, schauet, wie albern ihr doch seid.

[RB 2.238.4] Sagen die Weiber: „Aber lieber Freund! Es steht ja ausdrücklich in der h. Schrift, daß nach der Auferstehung Alle im Thale Josafat werden zusammengetrieben werden, von Adam angefangen bis auf den letzten Menschen, der auf der Erde leben wird; und dort werden sie sehen den Sohn Gottes ankommen in der Mitte Seiner heiligen Apostel, aller sonstigen Heiligen und Märtirer, begleitet von zahllosen Engelschaaren, und da wird sich dann der erschreckliche Richter auf den Richterstuhl setzen, und richten die Todten und die Lebendigen. Siehe, das steht auch in der h. Schrift. Wie erklärst denn du dir solche Schreckensworte?“

[RB 2.239.1] Tritt ein Mensch, mehr dem Landvolke als dem der Stadt gehörig, ziemlich ältlichen Aussehens und durchaus kein Genius, zum Offizier hin, und sagt in einer Art süßem Bauerntrema: „He, he, he, Sö san a g'waltige g'scheidta Mann! Sö hab'n g'sagt, daß unsa liabi Herrgott da wär! He, he, he, sag'ns ma, der welche war's denn? Bitt' um Verzeihung, Euer Gnoden!“ – Der Offizier kommt hier beinahe aus der Fassung vor Unterdrückung der Lache, die sich seiner hier bemächtigen will ob der komischen Frageweise dieses Landmannes; aber er erholt sich bald und sagt darauf: „Mein lieber Freund! Da seht hin; Derselbe, Der nun dort unter der Ecke des Hauses steht, und Sich mit einem gewissen Robert Blum und gleich daneben auch mit dem seligen Kaiser Josef bespricht, und sehr schöne blonde Haare hat, wie sonst kein Anderer um Ihn herum. No, wie gefällt Er euch denn?“

[RB 2.239.4] Treten ein paar Andere hinzu, und sagen: „Wir haben nur zu Hause, wie wir da den Lärm gehört haben, Alles in der Unordnung verlassen; die Unsrigen wußten nichts, wo wir hingekommen waren. Wenn wir nur einen Sprung noch nach Hause machen könnten, um den Unsrigen etwas davon zu sagen, sonst werden sie in großen Sorgen sein, und werden nicht wissen, ob wir in die Luft oder in's Wasser gekommen sind.“

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