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[RB 1.117.5] Spricht der Erste: „Aber wenn du nur um ein bischen feiner wärest! Auf der Welt warst du stets so ein gerader Michel, und hier bist du um kein Haar anders. Wirst du etwa im Angesichte des HErrn und aller Seiner heiligen Freunde auch so reden? Da wirst du sicher beben, wie das Laub der Espe bei einem großen Sturme!“

[RB 1.118.8] In diesem Momente tritt auch der Bruno in der höchsten Ehrfurcht vor Mich hin und spricht: „O Herr! Dir allein alle Liebe, Ehre und Anbetung! Sieh', ein allerunnützester Knecht stehe ich hier vor Dir, und übergebe Dir diese Schaar, die, wie ich überzeugt bin, nun ganz Dir im Herzen angehört.“

[RB 1.119.7] O Mein lieber Bardo, hier ist es ganz anders! hier gilt nur die nackte Wahrheit ganz allein, und die mit ihr gepaarte reine Liebe; alles andere ist ein Greuel vor Mir, und muß von diesem Meinem Reiche ewig ferne bleiben! Nun weißt du aber auch aus Meinem höchst eigenen göttlichen Munde, wie sich hier die Sachen der gegenseitigen Freundschaft verhalten; darum bekenne nun aus dir selbst, daß du an dem Niklas im hohen Grade Unrecht geübet hast, und gehe hin und vergleiche dich mit ihm; alsdann komme wieder hierher, und Ich werde dir zukommen lassen, was recht ist, und was dir gebühret!“

[RB 1.120.1] Alle begeben sich nun urplötzlich hin zum Robert, und dieser führt die ganze große Schaar zu dem großen Goldschranke, öffnet ihn, und theilet Allen die neuen Kleider aus, die sie auch sogleich anziehen, und sodann in und durch die Kleider ein besseres Aussehen bekommen, und voll frohen Muthes werden!

[RB 1.124.6] Robert begiebt sich nun auch sogleich ins Haus, und bringt in ein paar Augenblicken eine tüchtige Flasche Weines, und einen ganzen Laib Brodes und spricht: „Herr Vater! hier ist es schon! wie werden wir aber diesen Armen damit laben? Denn er liegt ja, als wäre er todt, mit dem Gesichte am Boden! Wir werden ihn doch offenbar eher vom Boden aufrichten müssen.“ -

[RB 1.125.3] War auf der Welt ein Priester, verrichtete meinen vorgeschriebenen Dienst mit allem Eifer; freilich waren damit zumeist pure irdische Interessen verbunden, und von einem Glauben an alle meine Verrichtungen war freilich auch wohl nicht viel vorhanden. Aber dessen ohngeachtet verrichtete ich mein Amt gewissenhaft, und war dabei nie verdrossen; aber welch einen schauderhaften Lohn habe ich nun im Reiche des Todes geerntet! O Gott! so Du irgend Einer bist, oder Du unerbittlich hartes Fatum! warum mußte ich denn zu einem denkenden, seiner selbst bewußten Wesen werden? Warum geführt durch alle die unnatürlichsten Lebensverhältnisse, die mit allem Fluche belastet sind? Ja, ich war und bin noch ein ganz unnatürliches Wesen; aber wer wollte es denn so, daß ich das und nichts anderes werden mußte? Was wohl kann ein Kind dafür, daß es blind zur Welt geboren wird, und es dann keinen Arzt mehr giebt, einem Blindgebornen den Staar zu stechen? O hartes Fatum, das da mich werden hieß! wo bist du, daß ich zu dir hin mich wende, und dir fluche? Denn mein ganzes Leben bisher war nur ein ununterbrochener Fluch; ich selbst bin ein Fluch, und meine Thaten können darum auch nichts als ein Fluch sein! Aber dennoch sei ferne, daß ich fluchen solle; ich will nicht mehr fluchen; denn es ist genug, daß ich selbst ein Fluch bin.“

[RB 1.125.7] und der Mönch fängt darauf an – die Augen sich zu reiben und spricht: „Was war denn das? ich vernahm ja deutlich einen Hauch über meine Augen gleiten, und nun sehe ich plötzlich als durch eine Abenddämmerung hindurch, und sehe und gewahre unter mir nun wieder einen festen Boden! Also kehrt bei mir die Erinnerung wieder zurück, und da, da sieh, da ist ja wieder dasselbe Haus, aus dem mich meine echten Feinde hinausgeworfen haben. Ja, ja, es ist auf ein Haar dasselbe, und ich vernehme nun anstatt des ominösen Wasserrauschens die vielen Stimmen meiner Feinde, und das Vögelgetöne sind Stimmen in meiner Nähe; aber ich mag Niemanden entdecken! -

[RB 1.126.8] Sage Ich zum Robert: „Berühre nun seine Augen!“ Robert thut es, und der Mönch erschaut nun zu seinem größten Erstaunen die große Schaar Seliger samt Mir um ihn her versammelt, aus der er aber dennoch Niemanden erkennt. Er betrachtet bald den Einen, bald den Andern, und gebärdet sich wie ein vom Schlafe Trunkener;

[RB 1.128.5] Der Thomas, einen schüchternen Blick nach dem ersten Saal werfend, dessen Thüre offen stehet, spricht: „O Herr, Du liebevollster, heiliger Vater! Da sieh einmal zur Thüre hinaus! dieses Elend! eine sehr große Schaar unglücklicher Seelen! könnte denn nicht auch ihnen geholfen werden? Sie sind nahe Alle im Grunde auch besser denn ich, darum sie mich ehedem auch als den Schlechtesten gebührlichster Maßen hinausgeworfen haben, was ich ihnen auch schon lange gänzlich verziehen habe. Vergebe ihnen auch Du, o allerbester Vater, und lasse sie Alle an diesem überreichen Mahle theilnehmen!“

[RB 1.128.6] Rede Ich: „Ja, du Mein allerliebster Bruder Thomas, wenn du Mir mit solchen Angelegenheiten deines Herzens zu kommen anfängst, da wirst du freilich bald auszurufen anfangen müssen: Vater! höre auf zu segnen! Siehe, mit diesem deinem Herzenswunsche hast du selbst wie mit einem Zuge alle deine Schulden vor Mir getilget, und dir muß daher sogleich ein neues Strahlenkleid, und ein wie die Sonne leuchtender Weisheitshut angethan werden! Robert! dort gegen Mittag siehst du einen neuen großen Schrank aus reinem Golde; gehe hin und hole ein Kleid und einen Hut. Denn dies ist das wahre Kleid aller Jener, die mit der Weisheit im gleichen Maße Liebe paaren!“ -

[RB 1.128.10] Als er nun also neu bekleidet dastehet, sage Ich zu ihm: „Nun Bruder! du bist jetzt vollendet und gesättigt mit Meiner Gnade, Liebe und Weisheit; das Mahl hier, wie du siehst, ist bereitet, und es mangelt hier auch nicht an würdig gemachten Gästen; aber, wie du es ehedem selbst Mir gar wohlgefällig gewünscht hast, da Draußen in dem Vorsaale befinden sich bei 3000 noch sehr arme Geister, unter der Anführung eines gewissen Generals, den du wohl kennst; dieser Mann hat ein gutes und verständiges Herz, und sein Wort ist von großer Wirkung bei seiner bedeutenden Schaar. Gehe du nun mit dem Bruder Dismas, den der General auf der Welt, und namentlich in Wien sehr gut gekannt hat, hinaus in den Vorsaal, und suche den biedern Mann für Mich, nach der Freiheit seines Herzens zu gewinnen, und durch ihn dann auch die ganze große Schaar; hast du diese deine erste Mission in diesem Reiche des wahren Lebens gut ausgeführet, so sollst du nach dem Mahle über Großes gesetzt werden. Denn Ich sage es dir, in Meinem Reiche giebt es gar viele, und von dir noch nicht geahnet große Bedienstungen und Anstellungen aller Arten und Weisen. Gehe daher nun schnell; an dem Dismas wirst du einen überaus weisen Helfer haben.“

[RB 1.129.2] der sich über und über zu erstaunen anfängt, als er den ihm bestbekannten Mönch Thomas auch in dieser leuchtenden Kleidung, mit dem Dismas vor ihm, in einer allerfreundlichsten Stellung erblickt. Er reicht sogleich Beiden die Hände und spricht (General): „Grüße euch, liebe Freunde! tausendmale willkommen! Aber Freund Thomas, wie seht Ihr aus? ehedem, als meine Schaar wider meinen eigentlichen Willen die Hände an Euch legte, wegen dem mißlungenen Vaterunser und wegen der projektirten Messe, und wegen noch so manchen nicht mehr zu erwähnenden Worten, da waret Ihr ja schwarz wie ein alter Mohr, und nun leuchtet ihr wie die Sonne. Saget mir doch, wie denn das zugegangen ist, daß Ihr in einer so kurzen Zeit zu solch einer enormen Glorifizirung gekommen seid? Habt Ihr das denn doch durchs Messelesen erhalten, und durchs lateinische Vaterunser? Das ist ja wahrlich was Außerordentliches! Habt Ihr etwa gar die Gottheit aufgefunden? O saget, saget es mir, welchen Weg Ihr eingeschlagen habt, daß Ihr zu solch einem wahren Heile gelanget seid?“

[RB 1.129.3] Spricht der Thomas: „Mein schätzbarster Freund! Verspreche du mir, das ungezweifelt zu glauben, was ich dir sagen werde, so sollst auch du mit dieser ganzen Schaar dich sogleich auf demselben Grunde und Boden befinden, auf dem nun ich und dieser dir ebenfalls von Wien aus wohlbekannte Bruder Dismas uns befinden.“

[RB 1.129.5] Spricht Thomas: „Gut, so höre denn! Jesus, der Gekreuzigte, ist nicht nur der Sohn des lebendigen, allmächtigen Gottes, sondern Gott, der Allmächtige, Selbst, in aller Fülle der urewigsten Allmacht und Allkraft! Durch Ihn und in Ihm ist allein das Heil und das wahre ewige Leben zu finden und für ewig zu haben. Wende dich samt der ganzen Schaar an Ihn, und es wird euch Allen im Augenblicke geholfen sein. Er ganz allein hat mir und diesem Bruder geholfen, ohne mein und sein Thun in eine Rechnung zu ziehen, da Er endlos gut ist, und richtet Niemanden; Jedem aber giebt Er, darnach sein Herz sich sehnet. Wer guten Willens ist, dem wird ein Uebermaß des Guten zu Theile aus seinem eigenen Willen. Nun weißt du aber auch schon Alles, und kannst thun, was du willst; dein höchst eigener Wille wird dein Richter sein.“

[RB 1.129.7] Spricht der General: „Zwei solche Zeugen genügen, und somit glaube ich euch alles auf's Wort. Nun aber lasset mich auch einige Worte an diese schon ziemlich geweckte große Schaar richten!“ -

[RB 1.129.11] Die ganze Schaar schreit: „Ja, ja, lieber General! wir Alle sind ganz Ihrer Meinung; was Sie sagen und wollen, das werden wir auch thun. Jesum Christum! Der uns helfe, um jeden Preis! Hilft Der uns nicht, so sind wir verloren und rein hin!“

[RB 1.129.12] Spricht der General zum Thomas: „Freund! vergebe es mir, so ich dich von nun an auch als kein General mehr, sondern als ein Bruder anrede; denn ich meine, daß alle die weltlichen Titulaturen hier für mich zu Ende sein werden. Also noch einmal, liebster Freund und Bruder! du hast nun selbst vernommen, wie schnell diese ganze große Schaar, die aus allen möglichen nationalen Elementen zusammengesetzt ist, sich wie Ein Mann für die allein gute Sache erklärte; Jesus ist ihr – wie mir selbst – nun Alles in Allem! was geht uns nun noch ab, das wir zu erreichen trachten müssen, um Jesu, dem Herrn von Ewigkeit, nur etwas würdiger zu werden, als wir es nun sind?“ -

[RB 1.129.15] Spricht nun Dismas: „Es gehet euch Allen nun nichts ab; daher sage es der ganzen Schaar, sie möge ihre Augen aufthun, und sehen auf die offenstehende große Thüre, die aus diesem Saale in den großen anstoßenden Lebenssaal führet; dort stehet Er schon mit weit ausgebreiteten Armen, um euch Alle aufzunehmen in das große Reich Seiner Gnade und Erbarmung!“

[RB 1.130.7] sogestaltig kommen dann solche Menschen auf der Welt aber auch schwer, oder oft auch wohl gar nicht dahin, wozu sie berufen sind, sondern gerade dahin, wohin sie eigentlich gar nicht kommen sollten, nehmlich zur Eigenliebe, Selbstsucht, Herrschlust, Habsucht, Geiz, Neid, Fraß, Völlerei, Wollust, Unzucht und Hurerei! Diese Stücke aber verzehren das Leben, statt daß sie dasselbe mehreten, und so kommt es dann, daß es nach der Ablegung des Fleisches gar Vielen so ergeht, wie es dir und deiner Schaar ergangen ist; sie müssen dann in dieser Welt sehr verlassen werden von allem, was je ihre rohen Sinne zu sehr beschäftiget hatte, und müssen sehr elend werden, damit sich ihr Leben in solch geistiger Einöde und Wüste wieder sammeln und finden kann; hat es sich gefunden, so wie das eurige nun, dann kommt auch die Hülfe, die da vonnöthen ist, aber doch so, daß sie nicht als aufgedrungen, sondern als rein von den Bedürftigen selbst verlangt erscheint!

[RB 1.130.8] Aus dem Grunde sagte dir auch Mein Bote Thomas, daß dein Wille der alleinige Richter und Geber von allem ist, was du willst, Gutes oder Schlechtes; du verlangtest aber darnach Gutes, und verlangtest Mich Selbst, und siehe, so stehet nun vor dir wahrst und lebendigst, was du in deinem Herzen wolltest. Von nun an erst wird dir Mein besonderer Wille kund gethan werden; wirst du diesen zu deinem eigenen machen, so wirst du leben ein wahres seligstes Leben! Gehe, und künde solches auch deiner Schaar!“

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