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[RB 2.264.2] Der Bischof Waldstein sagt: „O HErr! das kommt mir gerade so vor, als so ich auf der Erde nicht selten einer Kreuzspinne zugesehen habe, wie sie die Fliegen in ihrem Netze gefangen hat. In einem Nu ist die Fliege von allen Seiten her umgarnt und somit vollkommen gefangen. So scheinen es auch diese famosen Friedensgeister nun gethan zu haben. Sie müssen schon früher ganz unsichtbar ein Netz weit und breit ausgespannt haben; sonst wäre es mir kaum begreiflich, wie sie nun mit dem Sebastian und dessen Anhange gar so plötzlich haben fertig werden können. – Aber wie der Sebastian nun flucht und seine Schaar mit ihm! Das ist ja ganz unerhört.“

[RB 2.267.9] Der Bote weiß auf diese Aeußerung der schwermüthigen Jungfrau nichts Weiteres mehr zu erwidern, sondern geht ganz naturmäßig seinen Weg weiter; aber kaum ein paar hundert Schritte weiter an der Stelle, wo es am halben Berge (der Höhe nach) auf dem gewöhnlichen Wege der Bewohner der Stadt durch den Steinbruch bei der 'schönen Aussicht' heißt, komme Ich Selbst, und zwar diesmal ganz allein dem Boten entgegen, der Mich denn auch gleich ersieht und erkennt, und Mir auch sogleich seine Noth mit der Schwermüthigen klagt, die ihm nachgehe, obschon er es ihr gesagt hätte, daß er dafür kein Gebot erhalten habe, sie nach sich wandeln zu lassen.

[RB 2.267.11] Sagt der Bote etwas betroffen: „O HErr! Etwa ein paar hundert Schritte hinter mir wird sie nun höchst wahrscheinlich klagen und weinen, weil sie sich denn doch nicht getraut hat, mir weiter zu folgen, obschon ich es ihr gerade weiter nicht mehr widerrathen habe.“ – Sage Ich: „Ei, ei, Mein lieber Freund, das darfst du ja wohl nicht mehr thun! Siehe, die Arme leidet nun viel; darum führe Mich ja augenblicklich zu ihr hin!“

[RB 2.270.2] Aber es ist schon gesorgt für ihre Unterkunft; sieh' empor, und du wirst große mächtige Schaaren entdecken; das sind die Friedensengel; diese werden diese schwarze Brut fangen, knebeln und binden, und ihre Wuth sehr abkühlen. O das ist eine böse verstockte Rotte. Diese muß erst ganz zur Ruhe gewiesen werden; bei der werden noch gar viele Jahrhunderte vonnöthen sein, bis es unter ihrem Dache zu dämmern anfangen wird. Fürchte dich aber nicht, sie werden uns nicht in die Nähe zu kommen im Stande sein!“

[RB 2.271.14] Gehet aber hin zu eurer Schaar, saget ihr, was ihr gehört und gesehen habt, und Ich werde euch dann geben nach solchem euerem Werke den Lohn, wie ihr ihn euch werdet verdient haben. Das aber sage Ich euch: Da es viele gibt in eurer Schaar, die auf der Erde viel mit Weibern zu thun hatten, und mit ihnen lebten, so ein Solcher euch hören wird und dann sagen: 'Wartet, ich will mich zuvor mit meinem Weibe besprechen'; den lasset nicht mehr vor euch; denn wem das Wort seines Weibes mehr ist, als das Meine, und der sein Weib nicht um Meines Namens willen verlassen kann, der ist Meiner ewig nicht werth; und wer da sagt: 'Lasset mir Zeit, auf daß ich mich berathe mit meinen Freunden'; den nehmet auch nicht mehr an, denn dem die Freunde mehr sind, denn Ich und der, den Ich sende, der ist Meiner nicht werth. Und so denn gehet nun; nach dem Maße eurer Ernte für Mich solle euch auch der Lohn werden.“

[RB 2.272.1] Nach diesen Meinen Worten entfernen sich nun die drei Zweiten, zu ihrer großen Schaar zurückkehrend, und beginnen dort sogleich mit entschiedenem Ernste, das ihnen gegebene Amt zu verwalten; aber sie finden durchgängig eine sehr schlechte Aufnahme. Fast Alles fängt an zurückzugehen, und verwünscht die Apostel.

[RB 2.272.12] Das ist aber eben etwas, was nach meinem unmaßgeblichen Dafürhalten nur der Gottheit allein möglich ist, und sonst keinem geschaffenen Geiste, da ein jeder Geist beim Gelingen eines außerordentlichen Werkes sich für einen kleinen Gott zu halten anfängt, oder wenigstens für erfüllt mit besonderen göttlichen Eigenschaften, und darin liegt eben der erste Keim des Hochmuthes, und des darauf folgenden Verderbens, und dadurch wird dann ein Wunderwerk an der Stelle des Segens nur ein baares Gericht, und das zwar zunächst für den, der es verübt hat, und darauf auch für Jene, die durch so ein Wunderwerk sowohl in ihrem Erkennen wie in ihrem Wollen breitgeschlagen worden sind. Sage Einer aus uns, ob die freie Erkenntniß und das freie Wollen durch ein Wunderwerk nicht einen bei weitem größeren Schaden erleidet, als wie groß da ist der Nutzen, der für den Geist aus dem Wunderwerke hervorgeht;

[RB 2.272.16] Sagt ein Fünfter: „Uns aber ist der Lohn nur nach dem Maße des Werkes zugemessen. Wird unser Werk gering sein, so wird auch der Lohn sicher nicht um ein Haar größer und besser ausfallen.“ – Sagt der Vierte: „Ei, hole der Kuckuk den Lohn! Ich will das Gute des Guten wegen thun, und nie eines wie immer gearteten Lohnes wegen. Kommt irgend ein Lohn am Ende heraus, so werde ich ihn ohne Taxirung, ob groß oder klein, dankbarst annehmen, aber als ein Motiv zu einer edlen Handlung solle und wird er mir nie dienen.“

[RB 2.273.4] Sagen die Fünf: „Sehet hinab dahier gleich vor uns auf die Erde; ihr werdet daselbst einen Hügel erblicken. Auf der Spitze dieses Hügels befindet Sich nun der HErr Jesus Jehova Zebaoth Selbst in der Mitte einer großen überglücklichen Schaar. Diese, sicher nichts Anderes als Engelsgeister, spielen und schäckern um Ihn herum, als wenn sie schon ganz das wären, was Er Selbst ist. Sie drängen sich zu Ihm hin wie Kinder zu ihrem Vater, und Er redet und spielt gleichso mit ihnen, als wären sie lauter Brüder und Schwestern zu Ihm. Brüder! Gehet hin, und überzeuget euch, daß es also ist, und kommet wieder, sodann erst werden wir mit euch von der ferneren Weisheit Gottes zu reden im Stande sein.“

[RB 2.274.18] Sagen die Blaugrauen: „Und was habt ihr Helden nun davon, so ihr etwa noch im Gedächtnisse schwacher Erdmenschen gleich mattesten Schattenbildern um ein paar Jahrhunderte länger fortbestehet, als ein anderer armer Teufel? Auch ihr werdet vergessen werden; und so der Krieg Alles zerstören wird, werden da wohl die Geschichtsbücher bleiben? Und so sie auch bleiben, saget, wer sie dann lesen wird, so alles Leben aufhört? Hier im Geisterreiche aber hat ohnehin jeder Unterschied aufgehört, und wo er besteht, da ist die Hölle. So ihr aber auch hier Standesunterschiede suchet, da seid ihr Geister der Hölle, und habet Zeit, euch von uns zu entfernen. Sonst dürfte es geschehen, daß ihr von uns entfernt werdet.“

[RB 2.275.10] Sagen die Blaugrauen: „Ihr lieben Freunde! Wenn es zuverlässig also ist, als wie ihr es uns nun kundgemacht habet, da folgen wir euch sogleich ganz unbedingt. Aber da wir schon einmal mit euch reden, so möchten wir denn doch auch erfahren, wer denn etwa die zwei gar wunderschönen Damen hinter euch sind. Wir sahen sie mit euch kommen, auch wichen sie nicht von eurer Seite. Sie besprechen sich untereinander ganz stille; mit euch aber sahen wir sie noch nicht ein Wörtchen wechseln. Das kommt uns etwas sonderbar vor; daher möchten wir wissen, wer die beiden Engelsschönheiten sind? und was sie bei euch zu thun haben? Am Ende sind das etwa so ein paar himmlische Spione, die es sich zum Geschäfte machen, uns zu bespitzeln? und hernach bei der himmlischen Polizei uns anzuzeigen, so uns etwa irgend ein unrechtes Wort über die Lippen geflossen wäre; das wäre so eine ganz verzweifelte Bescheerung!“

[RB 2.276.1] Sagen die nun sogleich mit lichtblauen Gewändern Angethanen, die nun nicht begreifen können, wie möglich ihre Kleider gar so plötzlich sich haben verändern und umfärben können: „Freund! Du kommst uns ganz sonderbar vor; was du sagst, das geschieht. Unsere Kleider, merkwürdig! dein Wort erging über sie, und wir konnten es nicht einmal merken, wann sie so ganz eigentlich umwandelt worden sind. Auch hat sich unsere Gesinnung ganz umändert; wir sehen nun Manches bis auf den Grund ein, wovon wir früher keine Spur hatten. Du mußt ein gar überaus mächtiger Freund des HErrn sein. Die beiden früheren Freunde, d. h. die vor dir zu uns kamen mit den beiden Weibern, waren wohl auch so hübsch mächtig, denn jene rothe Schaar, die uns von weitem her ganz verzweifelt kriegslustig angrinseten, haben sie ganz allmächtig scheinend zurückgedrängt, und Jene haben sich darauf uns nimmer nahen können. Diese That zeugt wahrlich auch von einer ungeheuren Willensmacht; aber sie scheint doch nur mehr darin blos zu bestehen, daß sie hindert, und gewissen Begierden und Handlungen ein schroffes Ziel setzt, gleich einem sankzionirten Gesetze aus dem Munde eines Feldherrn. Aber Dinge durch ein leichtes Wort zauberisch wunderbar verwandeln – ah – das gehört auf ein anderes Blatt!

[RB 2.276.4] Sagen die nun Lichtblauen: „Herrlicher Freund! Wer solle deine Worte nicht verstehen? Sie fließen ja wie ein feinster Balsam in unsere Herzen. Wir bitten dich, führe uns nur sogleich zu Jesu dem HErrn hin auf diese Höhe, auf der Er Sich nun befinden solle. Wir brennen vor Liebe und großer Begierde Ihn zu sehen, und wo möglich mit Ihm vielleicht auch ein paar Wörtlein zu wechseln, wenn Er auch nun rein im Geiste so ist, wie Er auf der Erde war, nehmlich voll Liebe und voll der größten Sanftmuth!“

[RB 2.277.4] So aber schon die kleinen geschaffenen Menschen große Werke zuwegebringen, und dabei dennoch nicht größer werden auch nicht um ein Haar, und erbaueten sie auch Thürme und Piramiden, die mit ihren Spitzen an den Mond stießen; warum solle denn dann die Gottheit in Ihrem Urwesen eben so groß sein, als wie groß da sind Ihre Bauten? Da es doch heißt: 'Und Gott schuf den Menschen nach Seinem Ebenmaße;' warum solle denn Gott ein Riese, und die nach Seinem Maße geschaffenen Menschen gegen Sein Maß pure atomistische Thierlein sein, die zu Trillionen ganz bequem einen Thautropfen bewohnen können?

[RB 2.277.10] Jetzt begreifen wir das auf ein Haar. Die Liebe webt und wirkt nur in engen, aber in sehr klaren Kreisen, sie erwärmt nur also den Großen wie den Kleinen, den Künstler und den Weisen. Wahrlich, sie allein ist Alles in Allem; sie ist die wirkliche Sonne; alles Andere ist nur Schein, und ein wesenloses Abbild. O HErr, wie gut bist Du!“

[RB 2.278.6] Also sollet ihr euch Meine Himmel auch nicht irgendwo noch als recht weit entfernt vorstellen, sondern ganz nahe; der ganze Weg beträgt höchstens drei Spannen Maß; es ist das die Entfernung vom Kopfe bis in's Zentrum des Herzens. Habet ihr diese kleine Strecke zurückgelegt, da seid ihr auch dann, wie man sagt, mit Haut und Haaren darinnen. Denket ja nicht, daß wir etwa eine Aszension (Himmelfahrt) über alle Sterne hinauf und hinaus machen werden; sondern denket euch, daß wir bloß eine Deszension (Niedersteigung) in unser Herz machen werden, und da werden wir unsere Himmel und das wahre ewige Leben finden!”

[RB 2.281.1] Tritt der Robert zu Mir und sagt: „O HErr, was sollen wir nun thun? Alles, was sich uns genaht hat, ist gewisserart bis auf ein in der Folge kommendes Weiteres abgefertigt worden. Die gestärkten einstmaligen Priester auf der Erde machen nun unter den Millionenschaaren ihresgleichen, wie es sich zeigt, recht erwünschte Erfolge. Die nun zuletzt gestärkten lichtblauen Geister thun schon auf das Emsigste, was ihnen zu thun anbefohlen war; und ich sehe keine neuen Schaaren mehr, die sich uns näherten. Müßig sein ist für mich aber etwas kaum Erträgliches; daher bitte ich Dich, o mein HErr, mein Gott, und mein Vater, gib mir doch etwas zu thun!“

[RB 2.281.3] Und da wir nun Alle durch eine kleine Ruhe neugestärkt sind, so treten wir in guter Ordnung den Weg an. Wie ihr aber sehet, so brauchen wir nicht die dazwischen liegenden Thäler und Hügel zu übersteigen, sondern auf der geraden Bahn, die Ich nun dahin aus lauter Licht gestaltet habe, uns fortzubewegen, und wir werden das uns scheinweit abstehende Thor in aller Bälde leichtest erreichen. Du, Uraniel, aber als oberster und erster Inhaber und Leiter dieses Vereins gehst voran mit deinem Gehülfen, und deinem und seinem Weibe. Ich aber werde mit den drei Brüdern dir nachgehen; Mir folgen dann zunächst alle die Monarchen und Bischöfe, und diesen die große Volksschaar beiderlei Geschlechtes.

[RB 2.283.14] Nun aber sehet hin auf die großen Schaaren, die uns aus der Stadt entgegeneilen, und ihre höchste Liebfreundlichkeit ersichtlichst uns entgegentragen.“ – Sagt Robert: „O HErr! Ich vergehe vor Wonne und Liebe, wenn ich Dich anschaue. Du bist bei uns, und das ist Alles Dein Werk. O Herr, was sind wir denn, daß Du uns gar so endlos gnädig bist?! O Gott, o Gott! Wie groß, herrlich und heilig bist Du!“

[RB 2.284.1] Tritt der Kaiser Rudolf zu Mir, lobet und preiset Mich aus vollem Herzen und sagt zum Schlusse: „O wie ganz anders sind doch die Dinge und Verhältnisse dieser Geisterwelt, als wie jene kleinlichsten auf der Erde. Was hat man auf der Welt sich alles eingebildet zu sein, und war im Grunde des Grundes doch nichts. Denn, so lange ein Mensch, mag er Kaiser oder Bettler sein, im Kleide des Todes herumwandelt, und in was immer für einem Weltstande vergänglich ist, kann sein Sein nichts als eine Nulle sein. Ich war auf der Welt ein großer Kaiser, als aber der Tod über mich kam, was war ich dann? Nichts als eine Hand voll Staub und Asche. Hier bin ich aber nun doch sicher nichts, wenigstens nicht um ein Haar mehr, als da ist ein geringster Bürger dieser Welt, dieses ewigen Reiches, dieser Gottesstadt; und ich dünke mich erhabener in aller meiner Nichtigkeit, als stünde ich auf der Erde, über tausend Kronen und Throne gebietend als ein mächtigster Regent, vor dem Erde und Meere bebeten.

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