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[RB 2.192.11] Spricht die Hel.: „Nun, ich glaube, dir ist's etwa gar leid, daß ich dieser ewigen Mistsau ein paar Wahrheiten ins G'sicht g'sagt habe.“ – Spr. Rob. Uraniel: „Nein, meine allerliebste Helena, das sicher nicht; aber um deinen nun schon ganz himmlisch gewordenen Mund ist es mir leid, daß er nun wieder, nachdem er schon sogar mit Gott gesprochen, und mir manche recht herrliche Lehre in der Liebe gegeben hat, in das rein Oberlerchenfeldische übergehen solle; und das gerade hier, hier an der bedeutungsvollsten Gottesreichsthüre zum wahren ewigen Leben.“

[RB 2.196.1] Spricht Robert: „Ja, mein geliebtester Freund! da steht mein Verstand noch immer wie ein Paar junger Ochsen am Berge! Wer sich da auskennt, der muß weiter her sein als ich. Wenn der Herr gesagt hätte: Dort vor jener Pforte, die in das vierte und größte Gemach deines Hauses führt, harret Meiner, bis Ich nachkomme, und euch öffne das Thor des Lebens! da wäre dieser Wartezustand ein natürlich erträglicher, und man könnte sich ein längeres Harren wohl ganz begreiflichermaßen gefallen lassen; aber so sprach der Herr doch ausdrücklich schon von einer offenen Thüre, und daß ich mit der Helena nur alsogleich voraus eilen solle, und gewisser Art mich darinnen umsehen, und für die Aufnahme und für den Empfang der Nachkommenden da sein solle, wie ich es wenigstens aus Seiner klaren Rede entnommen, und hauptsächlich aber sagte Er ausdrücklich von der hier nöthigen Eile wegen großwichtiger Dinge, die uns da erwarten, und von uns zu versehen und abzumachen seien.

[RB 2.196.10] Spricht Kado: „Aber meine liebe Freundin! weißt du denn nicht, daß Kado eigentlich selbst ein Teufel war? – und daß sonach auf dem bewußten Hügel des Nordens ein Teufel dem andern in den Haaren lag?“ – Spricht die Helena: „Wenn Kado jemals ein Teufel war, so war ich sicher desgleichen zehnfach; aber Kado war nie ein Teufel im Ernste, sondern vielleicht blos nur erscheinlich, um dem andern wahren Teufel desto mehr opponiren zu können; und das ist auch eine große Weisheit, die einem wahren Teufel darum unmöglich, weil in ihm keine Liebe wohnet.“

[RB 2.197.7] Spricht Robert: „Das meine ich auch, aber wie? das ist wieder eine andere Frage! Wenigstens muß dieß erscheinliche Wien doch eine Abbildung vom wirklichen irdischen sein, sonst könnte es ihm doch nicht gar so auf ein Haar gleich sehen.“ – Spricht wieder Robert Ur. nach einer Weile, sagend: „Erlaube mir, lieber Freund, daß ich dich noch mit einer Frage belästige! Du sagtest ehedem, daß dieß Wien nur so blos eine Erscheinlichkeit ist, und sonst nichts. Und doch steht es so klar vor uns, als wie wir uns selbst klar gegenüber stehen; sind demnach wir uns gegenseitig auch nur pure Erscheinlichkeiten; oder sind wir wirklich das, was wir zu sein scheinen? Ist diese Pforte etwa auch nur eine bloße Erscheinlichkeit und sonst nichts? Ich kann mich hier in den Begriff „Erscheinlichkeit“ noch immer nicht finden; denn nach meiner Beurtheilung ist eine Erscheinlichkeit nichts anderes, als entweder ein Reflex eines irgend wirklich vorhandenen Dinges oder Wesens, oder sie ist zur Erklärung eines Begriffs, oder zur Prüfung eines Geistes blos nur für einen nutzbaren Moment erschaffen; hat sie aber ihren Dienst verrichtet, so tritt sie dann wieder aus der Sfäre jedes Daseins. Das ist so meine Idee über den Begriff „Erscheinlichkeit“; und ich meine, es wird sehr schwer halten, ihr eine andere Erklärung beizulegen. Es muß mir aber darüber vollste Klarheit werden, sonst bin ich genöthigt, alles für eine bloße Erscheinlichkeit zu halten, was mir seit meinem überirdischen Hiersein nur immer unter die Augen gekommen ist.“

[RB 2.198.2] Robert aber schauet sich nach allen Seiten um, um zu erspähen, von wannen etwa der Herr käme. Aber es will sich eben nun von keiner Seite der Herr sehen lassen, wohl aber ersieht er hinter der Gesellschaft noch Jemanden, der dem Kado nahe auf ein Haar gleich sieht. Aber während alledem hört das Hosianna-rufen nicht auf, und Robert merkt es auch den dreien ersten neben ihm in der Pforte stehenden Aposteln ganz genau an, daß sie in sich geheim von einer übergroßen Ehrfurcht ergriffen, und vor lauter Liebe und heiliger Empfindung kaum etwas zu reden im Stande sind.

[RB 2.199.11] Spricht der Robert zu Mir: „So sind sie; und das ist eher noch einer der Bessern! Wenn man mit so einem Menschen zu thun bekommt, wahrlich, vor Grimm und Aerger könnte man da gerade weg zerbersten. O Menschen! o Erde!“ – Spricht auch die Helena: „Nein, wenn der noch länger uns mit seinen allerfadesten Geringschätzungsreden belästigt hätte, so hätt' ich ihm was g'sagt; denn ich kenn' diesen Dalken; ist aber gut, daß wir weiter ziehen, sonst wäre ich mit ihm wohl z'sammg'wachsen. So ein Paar Blitzschnelle hätten sich auf seinem Hottentottengesichte gar nicht schlecht g'macht; no, der hätt' sich verwundert, wenn er so ein gedoppeltes G'sicht bekommen hätt'.“

[RB 2.202.6] Sprechen nun Mehrere so recht proletarisch rauh: „Ja, ja, die Red' wär' grad' so dumm nicht; aber zwei schlawutzige Sach'n sind denn doch noch dabei, und das ist, daß du der wirkliche Paulus sein willst, und daß wir schon g'storb'n wär'n, da hätten wir ja entweder gar keinen Leib mehr, und wären pure Geister, oder wir wären wohl etwa gar nicht mehr, was das Gewisseste ist. So du aber doch nicht blind bist, da mußt du's ja sehen, daß wir Alle ganz vollkommene Leiber haben, mit Haut, Haaren, Fleisch und Knochen. Oder haben denn deine Geister auch Leiber? Wann das, dann magst du recht haben, aber sonst wohl in Ewigkeit nicht.“

[RB 2.204.11] Das Späßigste bei der Sache aber ist und bleibt das, daß wir schon sämtlich, wie wir hier sind, unsere Madensäck' abgelegt haben, und blos Seelen sind, mit Haut, Haaren, Knochen, Hintern und noch was. Auch müssen wir als Seelen die gewöhnlichen Nothdurften verrichten, und Hunger und sehr viel Durst verspüren, haben aber wenig, um sie zu stillen. Merkwürdig! daher wird's wahrscheinlich kommen, daß man auf der Welt schon oft sagt: Das ist aber eine arme, hungrige und durstige Seel! Ja, ja, über ein elendes Leben in Wien steht denn doch nichts auf; das dumme Völkl singt mit hungrigem Magen noch immer ein lustig's Liedchen vom Tod. Die Reichen geben nichts her, die Minister schreiben Steuern aus, der Kaiser weiß sich vor lauter Unterhaltungen nicht zu helfen, und schaut nur, was der Kaisergroßpapa im Eisbärenlande spricht; das Einzige hat ein G'wicht, alles andere ist nichts; und wer da was dawider spräche in seiner Noth und Schwäche, der kann's verspüren bald, ob jung er oder alt, mit wem er's hat zu thun im Belag'rungsstande nun; der Kaiser ist nicht faul – und giebt ihm Ein's auf Maul. O Nikolaus, o Nikolaus, du großer Mann! Nach Östreich hast dir g'baut die Bahn, und Preußen in der großen Noth leckt schon jetzt an deinem Koth; was wird's erst später werden auf der lieben Erden! Das Deutschland in Wirr'n schon schmeißet Zwirn, und's liebe starke Frankreich, wird auch schon todtenbleich; wenn England sich nur rührt, wird Europa gleich verwirrt. O, das sind schöne G'schichten! sei'n wir froh, daß wir nimmer leben auf der Erd'. O Wien, o Wien, o Wien, wohin, wohin, wohin treibt dein Unsinn, Unsinn, Unsinn?

[RB 2.204.21] Spricht der Humorist: „Lieber Freund! ich danke dir auch für diese Belehrung, denn sie ist wahr, und durchaus wahr; aber daß ich nun dieser wahrlich allerholdesten Dame sogleich ein Kompliment machen solle, während sie mit ihrem Gatten in ein tiefes Gespräch versunken dort stehet, dürfte denn doch ein wenig unschicklich sein. Je mehr ich sie aber betrachte, desto bekannter kommt mir ihr Gesicht vor, wie auch das Seine; es hat, so ich mich nicht irre, eine ganz außerordentlich frappante Aehnlichkeit mit dem berüchtigten, hm – hm – fällt mir aber gerade jetzt der Name nicht ein – no, no, no – kurz, er sieht einem Hauptdemokraten gleich, den ich vor ein paar Jahren oft oft – in Wien gesehen habe. Vom Sehen aus sind mir also er und sie bestens bekannt, aber natürlich die Namen können mir nicht bekannt sein.“

[RB 2.204.22] Spricht Paulus: „Daran liegt auch sehr wenig vorderhand, und wir haben nun gar um sehr Vieles wichtigere Dinge zu thun, als uns mit ein paar Namen herumzubalgen, und uns dann drei Tage lang nach ird'schem Gebrauche zu verwundern, daß diese die und die seien. Ich werde dir aber nun einen andern Rath geben; den befolge du, und es wird dein Schade nicht sein! – Falle du nun vor diesem meinem höchsten und allerbesten Freunde auf deine Kniee nieder, und sage: „O Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig! nehme mich als ein sehr mächtig verloren gewesenes Schaf in deiner großen Gnade auf, und lasse auch mich genießen die Ausflüsse deiner Liebe und Erbarmung! – Sage aber solches mit aller Wärme deines Herzens aus, und dir solle dafür ein Heil widerfahren!“

[RB 2.204.24] Hier fällt unser Humorist am Boden nieder, und sagt hell lachend: „Nein, was z'viel ist, ist z'viel! entweder bist du zeitweilig ein Narr, oder dir beliebt es, mich und uns Alle dafür zu halten, und dich also an unserer Schwäche zu belustigen. Es ist genug, daß wir dich unter dem Namen eines alten berühmten Apostels verehren, weil du uns wirklich durch deine Lehre zu einem wahren Apostel geworden bist; aber daß nun dieser dein noch schlichter denn du aussehender Freund nun so ganz mir und dir nichts Christus der Herr sei, und die andern zwei höchst wahrscheinlich auch ein paar Apostel, und jene Dame etwa gar die allerseligste Jungfrau mit dem hl. Josef, (oder was beißt mich da unter der Achsel,) sein solle, sieh, das geht vom Himmelblauen schon rein ins hell Kirschrothe über! Lieber Freund, ist das wirklich dein Ernst, oder machst du einen Spaß mit uns?

[RB 2.205.9] Der Sepl giebt sich nun ruhig, und sein Vetter auch, und diese Beiden beruhigen auch die Andern, die auch mehr oder weniger über diese Erscheinung stutzen. Als wir aber ganz in die Nähe dieser Vögel kommen, so verlieren sie mehr und mehr ihre Straußgestalt, und werden zu sehr hager aussehenden Menschen, von denen ein Paar vortreten, und den Robert ersuchen, daß er die ganze Gesellschaft in ihren alten höchst adeligen Palast führen möchte.

[RB 2.206.5] Spricht der Sepl: „No ja, das wird doch ein jeder Mensch wissen, daß so in einem Sarge keine Tanzreunionen gegeben werden, und es bedarf da keines Paulus, um so was einzusehen. Daß aber diese alten Fürsten mit ihrem oft sehr tirannischen Herrschen über die armen Völker so manchs Stückchen einer haarzubergtreibenden Geschichte zuwege gebracht haben, das Freundchen, weiß ich so gut wie du; und in wie weit diese Särge ehrwürdig, oder nicht ehrwürdig sind, das weiß ich auch. Ob aber jener schlichte Jude, mit dem der sogenannte Paulus sich bespricht, Jesus, der bekannte Gottessohn ist oder nicht, das ist eine ganz andere Frage! Möglich ist alles; aber hier mangelt uns noch sehr das, was man für lieber wahr als für unwahr halten möchte. – Meinst du denn, daß ich etwa ein Feind Christi bin, oder an Ihn nicht glaube? O, da irrst du dich sehr! – Ich verehre Ihn unendlich hoch; – und eben deßhalb trage ich noch immer Bedenken mit diesem Juden da. – Ich gebe auf Alles acht; sehe ich aber, daß Er es etwa doch sei, dann sollst du Wunder schauen an meinem Benehmen gegen Ihn; denn weißt du, ich liebe Ihn unendlich.“

[RB 2.209.8] Da sprach er: Das soll geschehen, doch nicht auf eine übernatürliche Weise, sondern auf die natürlichste und zugleich angenehmste Weise von der Welt. Ihr veranstaltet ein großes Fest, aber lasset am Plafond eures größten Speisesaales eine starke Oeffnung machen; und sehet, daß die Thüren und Fenster wohl zu versperren sind. Lasset die Tafeln mit Speisen und Getränken bester Art reichlichst besetzen, und vergesset nicht die Spieler, Gaukler und Pfeifer, so auch die Sänger und Harfner; so lange ihr an der Tafel bei diesen Gästen sein werdet, solle die vollste Heiterkeit herrschen; aber nach ein paar Stunden lasset ihr die Harfner, Spieler, Gaukler und Sänger abtreten; darauf entfernet auch ihr euch! Lasset darauf den Plafond öffnen, und vorerst einen Sfärensang durch die Oeffnung ertönen, darauf aber sogleich große Massen von den allerwohlriechendsten Blüthen, als Rosen und Hiazinthen, durch die Oeffnung über die Gäste ausschütten, dann diese Oeffnung wie alle Thüren wohl schließen; und in einer Stunde werden die Feinde im Dufte dieser Blumenblüthen ersticken. –

[RB 2.213.13] Sagt Paulus: „O ja, sehr gut; bemerke aber blos ganz einfach nur hinzu: So lange der Ego (dein ich) als maßgebend und vorwaltend dir zu einem Richter dienen wird, so lange wird das Ego des Herrn nicht Wohnung nehmen in deinem Herzen. Die äußeren Lebensverhältnisse und Unterschiede allein für sich berücksichtigend, hast du recht in allem, was du, wenn auch gegen meine Person sehr anzüglich, in deiner dich entschuldigenden Rede mir vorgesaget hast; aber die inneren Lebensverhältnisse sind von einer ganz andern Art; diese, weil sie dir ganz fremd sind,- mußt du dir vorerst aufdringen lassen, sonst kommst du in der Geisterwelt, deren Einwohner du nun schon nahe ein paar hundert Erdjahre bist, nimmer auf ein grünes Plätzchen. Ich bin ja dein Feind nicht, darum ich dir die volle Wahrheit offenbare, nach der Beheißung des Herrn; so ich aber dein Feind nicht bin, warum behandelst du mich aber, als so ich dein Feind wäre?“

[RB 2.214.11] Was nützt es aber einem Regenten, in goldnen Staatswägen herumzufahren, so sein Volk in dürftigste Lumpen gehüllt, traurig, matt und hungrig seufzet, weinet, klaget und von einer Verzweiflung in die andere dahin schmachtet! Was nützt es, den Schwachen alle Bürden aufzulegen, von denen sie erdrückt werden, selbst aber als ein stolzer Aar in hohen Lüften, – der armen Menschheit am harten Erdboden spottend – herumzuschweben, und sich zu ergötzen am Elende der schreienden Armuth? Die Armuth wird sich in ihrem Todeskampfe entsetzlich rächen an solch einem Regenten, der füglicher ein Volksvampir als ein Volksregent genannt zu werden verdiente.

[RB 2.216.1] Robert geht nun voran, und am Eingange der Gruft stehen zwei Mönche mit einer tüchtigen Geldbüchse, und reden den Robert um ein Trinkgeld für die armen Seelen im Fegfeuer an. Robert entschuldigt sich und sagt, daß er kein Geld habe. Die Mönche schmunzeln und sagen ganz heimlich: „Ja, ja, holt wieder an Schmutzpak mehr auf der Welt!“ – Kommen nun die Dinasten an den Ausgang, und werden auch angesprochen, die den Mönchen aber auch nichts geben, natürlich aus dem Grunde, weil sie nichts haben, und die Mönche sagen: „Ja, ja! bei diesen muß man holt allzeit bittschriftli einkummen, und nochher kriegt mon erst noch nix, ols höchstns an obweislichen allergnädigsten Bescheid um a paar Joahrlen später; no, dös kennen wir schon; ober hiazt kummen die vier ganz Fremden; vielleicht lossn döi a Bisserl ani Hoar!“

[RB 2.217.5] Ihr könnet aus dem leicht begreifen, wie schwer es dann ist, solche Geister zur rechten Demuth zurückzuführen, die sich selbst nicht nur als Selbst-Götter, sondern als barste Gebieter über Gott halten. Und eben solche hausen recht Viele da unten. Es wird daher recht schwer gehen, bei ihnen etwas auszurichten; vielleicht ein Paar, diese dürften etwas sanfter sein; aber die andern! Da werdet ihr alle Wunder der Hartnäckigkeit sehen! Aber ärgern dürfet ihr euch nicht, sondern euch gerade so benehmen, als ob ihr in einem Irrenhause unter lauter Irrsinnigen euch befändet. Auch sollet ihr in keine Furcht gerathen; denn sie werden auch Zeichen thun durch Fixirungen ihrer Fantasie; aber ihr müsset das alles als ein Trugwerk ansehen, das da vollends nichts ist, und keine Realität hat und haben kann. Und so denn, da ihr das wisset, wollen wir uns ganz ruhig da hinab begeben. Es sei!“

[RB 2.217.7] Als wir nun Alle im Zentrum der Gewölbe uns befinden, kommt Robert mit der Helena zu Mir, und sagt: „Herr, Du unser aller heiliger liebevollster Vater! Erlaube uns nun ganz nahe bei Dir zu sein; denn ich muß Dir bei meiner unbegrenzten Liebe zu Dir gestehen: Weder je auf der Erde, noch in der Geisterwelt, die ich doch schon in so manchen Nüansen durchgekostet habe, hat mich so eine Furcht angewandelt, als hier in diesen Gewölben. Ich sehe noch Niemanden; nur hie und da grinst uns irgend ein halbverfaulter Todtenschädel aus einem zerfallenen Sarge an, und ein höchst unangenehmer Moderduft beschleicht unsere Nüstern; und doch durchrieselt ein sonderbares Bangen mein ganzes Wesen; sogar die Haare am Haupte kommen in eine gewisse bergansteigende Bewegung. Das ist wahrlich höchst sonderbar! Als ich vor ein paar Erdjahren vom G. Windischgrätz bin zum Tode verurtheilt worden, habe ich keine solche Angst empfunden, als nun. Nun, da wird es gut werden! Du lieber Vater erlaubst es wohl, daß wir uns bei dieser Expedition in Deiner nächsten Nähe befinden dürfen!“

[RB 2.221.3] Mir wäre es im höchsten Grade angenehm gewesen, wenn wir noch viele Jahre miteinander hätten Oestreichs Völker leiten können; aber ein Fatum hat es so gewollt, daß du, und ich samt dir vom großen Schauplatze unseres Wirkens haben abtreten müssen. Wir können die Gesetze der Unendlichkeit und ihrer Zeiten nicht verändern, und so sind wir Beide entweder, wie du behauptest, gestorben, oder nach meinem richtigeren Dafürhalten pensionirt, und in eine geheime Irrenanstalt gebracht worden, aus der wir im strengsten Inkognito alle Jahre ein paar Male in's Freie hinaus einen Spaziergang machen dürfen, und allein etwas genießen. Josef, sei gescheit! und halte diese Juden doch nicht für mehr als sie sind! Sollte dieß aber auch die Geisterwelt, und an Christo etwas gelegen sein, so wird sich Dieser, gegenüber einem Kaiser und einem Kardinale, doch anders präsentiren, als wie ein gemeinster Binkeljude. Was für Beweise hast denn du für deine Behauptung? Christus, ein Binkeljude! Aber ich bitte dich!“

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