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Kapitel 12 Die Fliege

1. Was unter dieser Beeinträchtigung verstanden wird, habet ihr zwar schon im Verlaufe dieser Mittheilung zur Genüge gehöret; ja nicht nur im Verlaufe dieser, sondern mehrerer anderer Mittheilungen habt ihr es schon zum öftern Male empfangen, wie man dessen ungeachtet für sich allein dastehen kann, wenn man sich auch in seinem Herzen auf das Innigste vereinigt mit seinem Schöpfer; so ist es aber auch dessen ungeachtet noch immer dunkel um's Gefühl, und der Glaube hat noch ein hartes Feld, und die Seele nimmt es schwer auf, wie der Mensch im Geiste ein vollkommen freies, selbstständiges Leben haben könne, welches aber doch also gebunden ist mit dem Urleben des Schöpfers, daß es mit diesem vollkommen nur ein Leben ausmacht.

2. Ja, wahrlich, solches in der irdischen Beschränktheit zu erfassen, ist wohl außerordentlich schwer, und Ich sage euch, wer es nicht lernet von dem bescheidenen Liedchen der Fliege, oder nun noch deutlicher gesprochen, wer es nicht lernet aus der wahren, allerinnersten Demuth auf dem Wege des Kreuzes, ja noch deutlicher und heller gesprochen, wer es nicht lernet von Mir, dem Vater, der Ich die allerhöchste und allerinnerste Demuth Selbst bin, der wird es nicht begreifen, und sicher auch zu häufigen Malen ewig nimmerdar verstehen, nehmlich wie Vater und Kinder vollkommen Eins sein können.

3. Damit ihr euch aber davon eine gegründete Vorstellung machen könnet, so wollen wir die Blicke noch auf zwei große Dinge richten, nehmlich auf einen großen Menschen, der da heißt „Welt“, und auf einen andern großen Menschen, der da heißet der „Himmel“. (12. Stunde, Nr. 22.)

4. In Hinsicht auf diesen ersten Menschen in formell-materieller Hinsicht betrachtet, sind ganze Hülsengloben voll Sonnen und Welten kaum Nervenwärzchen seines Wesens zu nennen; und so dieser Mensch auch in dieser seiner Größe sich vollkommen als ein Leben ansieht, wie ihr euch als ein Leben ansehet, bestehet er darum wirklich nur aus einem Leben?

5. Ich meine, um das einzusehen, daß dieser große Weltmensch ein gar vielfaches Leben lebt, brauche es weiter gar nichts, als nur einen Schwarm Fliegen anzusehen, und sie werden es durch ihr Gesumse kundgeben, daß sie schon sogar als erste Thierleins für sich ein abgeschlossenes Leben haben; um wie viel mehr muß der Mensch für sich dasselbe bekennen, und noch mehr eine ganze Erde voll Völker und anderer lebender Wesen zahlloser Arten und noch bei weitem vielmehr eine Sonne mit ihren vollendeten Wesen, und noch bei weitem vielmehr eine Centralsonne um die andere, mit ihren allervollkommensten und allermächtigsten Geistern, und noch mehr eine abgeschlossene Hülsenglobe für sich, die doch ein nahe endloser Inhalt ist, sogar schon von zahllosen Weltkörpern, geschweige erst von den Wesen auf denselben.

6. Und doch sind all' diese Hülsengloben, alle Centralsonnen, alle Nachcentralsonnen, alle Planetarsonnen und alle andern Nebensonnen mit ihren Planeten, und all' den Wesen auf denselben nichts als in eigentlichster Hinsicht betrachtet, Körpertheile dieses großen Weltmenschen, der für sich ein so gut abgeschlossenes Leben hat, als jeder Mensch von euch auf der Erde und samt dieser in diesem großen Weltmenschen.

7. Sehet, das ist nun die Betrachtung von der materiellen Seite.

8. Nun lenken wir unsern Blick auf den Himmels-Menschen, gegen dessen Größe sich dieser vorhin ausgesprochene große Weltmensch gerade so verhält, wie ein trillionster Theil eines Atoms gegen die Größe des vorbekannten Weltmenschen.

9. Ja, der Himmel in seiner menschlichen Hinsicht ist also groß, daß alle die zahllosen Milliarden der Hülsengloben, aus denen dieser große Weltmensch besteht, sehr bequem in dem Rohre eines Härchens auf seinem Leibe Platz hätten, so zwar, daß sie alle ihre Bewegungen in selbem machen könnten, ohne nur je die Wände dieses Haarröhrchens zu berühren.

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