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Kapitel 222 Großes Evangelium Johannes, Buch 6

222. — Reine und unreine Speisen

1. Während aber die etlichen Pharisäer mit den Jüngern ihr Wesen hatten, besprach Ich Mich mit dem Lazarus und seinem Wirte über ganz gleichgültige irdische Dinge. Die anwesenden vielen Zöllner samt ihrem Anhang aber gaben auf alles acht, was Ich mit dem Lazarus und seinem Wirte redete, und fanden da vieles heraus, was sie bei ihrer Landwirtschaft und bei ihrer Viehzucht gar gut gebrauchen konnten.

2. Ich machte sie auf viele Wurzelfrüchte aufmerksam, die sie aus der von Mir gegebenen Beschreibung recht gut erkennen, anpflanzen und hernach zum Genusse bereiten konnten. Also machte Ich sie auch damit bekannt, wie sie das Fleisch der Schweine, der Hirsche, der Rehe, der Gemsen, Gazellen, der wilden und zahmen Hasen und einer Menge Vögel zubereiten sollen, auf daß sie es essen können und ihnen solche Kost nicht schade. Also zeigte Ich ihnen auch, wie und zu welcher Zeit man diese Tiere am leichtesten fangen, töten und ihr Fleisch dann gebeizt und wohl geräuchert auf eine längere Zeit zum nötigen Genusse aufbewahren kann.

3. Das vernahmen auch die Römer, und unser Agrikola kam von seinem Tische zu Mir hin und sagte: „Herr und Meister, ich habe auch von diesem Unterrichte alles vernommen und empfand eine große Freude darob, daß Du Dich auch in derlei Dingen unterrichtend an uns gewendet hast! Sieh, wir pflegen die Verbrecher in den Kerkern mit den Strom- und Meerkrebsen zu speisen! Diese Tiere werden, wenn man sie haben kann, in gesalzenem Wasser mit Beimischung des Thymiankrautes gesotten. So sie rot werden, dann sind sie auch schon zur Genüge gekocht. Wenn sie also zubereitet sind, werden sie den Sträflingen zum Essen gereicht. Anfangs trieb sie, wie man weiß, nur der große Hunger an, diese Speise zu genießen; doch mit der Zeit schmeckte ihnen diese Kost gar sehr, und sie wurden dabei ganz kerngesund, sahen von Tag zu Tag besser aus, und jeder freute sich am Ende auf die Krebse. Diejenigen aber, die ihre Strafzeit ausgestanden hatten, aßen auch nachher beinahe nichts als Krebse, wenn sie solche nur haben konnten. – Was sagst denn Du zu solcher Kost? Könnte sie rätlich auch von anderen Menschen genossen werden?“

4. Sagte Ich: „Oh, allerdings, – aber nur in den gewissen, euch bekannten Monden, und dann müssen sie frisch sein und lebend, wie es sich von selbst versteht! Die Zubereitungsweise ist ganz gut. Die Flußkrebse aber sind besser denn die des Meeres.“

5. Damit war Agrikola ganz zufrieden.

6. Es fingen aber einige Jünger an, unter sich zu reden und sagten: „Seht doch unsern Herrn und Meister an! Von derlei Dingen hat Er schon lange nichts geredet! Wie mag Ihm das nun doch behagen?“

7. Aber auch die Pharisäer, die sich mit den alten Jüngern über Mich besprachen, merkten auf Meine Rede, schüttelten ihre Köpfe und sagten: „Wie redet er nun also wider die Satzungen Mosis, und die Römer sagen ihm nichts dagegen, wo sie es uns doch sehr vorhielten, daß wir die Satzungen Mosis verworfen und an ihre Stelle die unsrigen gesetzt hätten! Weiß er denn nicht, was Moses verordnet hat, und daß das Fleisch von unreinen Tieren den Menschen auch schon dann verunreinigt, wenn man sie nur anrührt? Zubereitung hin, und Zubereitung her! Was unrein ist, das bleibt auch in der besten Zubereitung unrein und verunreinigt den, der es genießt! Ha, sonderbar von ihm, daß er also redet!“

8. Sagte Jakobus heimlich zu Mir: „Herr, hörst Du nicht, wie Dich die Pharisäer loben? Sage ihnen etwas entgegen!“

9. Sagte Ich: „Was kümmert Mich der blinden Pharisäer Rede! Sie sind blinde Leiter der Blinden! Wo aber ein Blinder den andern führt, da fallen beide in den Graben, und keiner kann dem andern helfen. Darum merket nicht auf ihre Reden!“

10. Es hatten aber solches auch die Pharisäer vernommen und fingen an, sich untereinander zu fragen, ob Ich nun auch sie gemeint hätte, da sie doch gläubig geworden seien.

11. Ich aber erhob Mich und sagte zu ihnen: „Ja, auch euresgleichen habe Ich gemeint! Ihr blinden Toren! Was zum Munde hinein und durch den Mund in den Leib gehet und durch den natürlichen Gang wieder aus dem Leibe geht, das verunreinigt den Menschen nicht; aber was durch den Mund aus dem Herzen kommt als böse Gedanken, schlechte und unflätige Reden, Ehrabschneidung, Meineid, Lügen aller Art, Betrug, Neid, Geiz, Unzucht, Hurerei und Ehebruch und Fraß und Völlerei, auch mit euren reinen Speisen, das verunreinigt den ganzen Menschen!

12. Schlaget nach in der Schrift, und ihr werdet es finden, warum euch Moses den Genuß von bloß reinen Speisen anbefohlen hat! Das tat er wegen eurer zu großen Fleischfreßgier und wegen eurer unbändigen Sinnlichkeit und Geilheit. Ich aber sage nun, daß für den, der im Herzen rein ist, auch alles andere rein, dem Unreinen aber auch alles unrein ist.

13. Was du zur nötigen Stärkung deines Leibes issest oder trinkest, das wird dich weder selig noch je unselig machen, sondern nur, was du glaubst, und was du tust! Glaubst du Falsches, so kannst du nichts Rechtes und wahrhaft Gutes tun; denn da ist die Wahrheit nicht in dir. Aber es wird darum deine Seele nicht im Gerichte verbleiben; denn da wären alle Heiden verloren, und das sei ferne! Aber so du die Wahrheit hörst und sie auch begreifst, handelst aber dennoch nach deiner Falschheit, so wird die Wahrheit dich richten, aber schwerlich zum Leben, sondern zum Tode deiner Seele! Denn wie das Licht der Tod der Nacht ist, so ist auch die Wahrheit der Tod der Lüge und Falschheit. Wenn nun der Tag deiner Seele gekommen ist, wie willst du in die Nacht des Gerichtes, des Todes zurückgehen?!“

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