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Kapitel 401108 Himmelsgaben, Buch 1

18. Denn es stünde zum Beispiel irgendein außerordentlicher Gelehrter auf und würde behaupten, Gott habe zuerst den Baum erschaffen; ein anderer aber würde hinzutreten und ihm sagen: „Wenn Gott zuerst den Baum erschaffen hat, warum hat er dann die Fähigkeit in den Apfel gelegt, daß, so dieser in die Erde gelegt wird, ein Baum aus ihm zum Vorschein kommt, der wieder ebensolche Früchte trägt, aus denen er selbst hervorgegangen ist? Somit ist ja doch ersichtlich, daß Gott nicht zuerst den Baum, sondern nur einen Apfel erschaffen hat!“ – Und wieder würde ihm auf diese Äußerung der erste Gelehrte einwenden: „Ich glaube, daß es der Ordnung gemäßer war, zuerst den Baum zu erschaffen und diesen mit der Reproduktionskraft zu versehen.“ – Sehet, und so würden diese zwei Gelehrten sich in einem ewigen Kreise herumtreiben, ohne je ans Ziel zu gelangen. – Und würde einer, der da zwei ineinandergreifende Uhrräder vor sich hätte, behaupten: „Dieser Zahn dieses Rades greift in die Zähne des andern Rades!“ – und ein anderer würde ihm entgegnen: „Aber lieber Freund, bist du denn blind, daß du nicht siehst, daß die Zähne des andern Rades nur in die Zähne dieses Rades eingreifen?“ – Welcher von diesen beiden hätte da wohl nun wieder recht?

19. Ich sage: Es hat ein jeder recht und redet die Wahrheit – und wieder: Es lügt einer so gut wie der andere. Der Anteil der Lüge besteht hier freilich bloß in der Einseitigkeit der Behauptung, wodurch die eine Wahrheit sich wider die andere auflehnt. Und in dem Grade, als sie die andere Wahrheit anficht, ist sie Lüge. An und für sich aber ist sie so gut wahr wie das von ihr Angefochtene.

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