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Kapitel 10 Die Heilkraft des Sonnenlichts

Ein Sonnenheilmittel gegen die Brechruhr und Cholera

1. Sammelt frische Wacholderbeeren zur Zeit, so sie anfangen blau zu werden, und reinigt die Beeren von den Nadeln.

2. Wenn die Beeren so gesammelt sind, so nehmt ein blaues Tuch aus Leinenfäden, breitet dieses auf irgendeinen trockenen Ort, dahin die Sonne scheint, aus; über einen alten hölzernen Tisch wäre es am besten. Auf dieses Tuch gebt die gesammelten Beeren und breitet sie so aus, dass nicht eine Beere die andere deckt.

3. Wenn die Sonne in der Zeit schon etwas schwächer wird, so kann man die Einwirkung der Sonnenstrahlen dadurch erhöhen, dass man neben dem Tisch, auf dem die Beeren ausgebreitet sind, der Sonne gerade gegenüber eine etwa ein paar Ellen hohe weiße Wand bildet, was mittels eines aufgehängten Leintuches sehr leicht zu bewerkstelligen ist.

4. Am Abend fasst man das blaue Tuch an den vier Enden und gibt die Beeren in eine so große gläserne Flasche, dass darin Tuch und Beeren Platz haben. Die Flasche deckt man über die Nacht so gut als möglich zu.

5. Man setzt die Beeren so lange der Sonne aus, bis sie eine pfefferartige, runzlige Haut bekommen; sodann kann man die Beeren in dieselbe Flasche, aber ohne Tuch, zur ferneren Aufbewahrung geben, muss sie aber mit einer Blase gut abbinden und an einen trockenen Ort stellen. So präparierte Beeren lassen sich viele Jahre hindurch gleich kräftig erhalten.

6. Wenn an einem Ort vorerwähntes Übel grassiert, so verzehre man morgens 3-7 solcher Beeren, nehme auch einen Teil, pulverisiere ihn und räuchere damit die Zimmer und das Gewand, das man zum Ausgehen anzieht, ein. So kann das Übel an einem Ort noch so grassieren, so wird dennoch derjenige, der besagtes Mittel im Glauben und Vertrauen auf Mich nach Vorschrift anwendet und dabei Diät lebt, sich der Venus [Geschlechtsverkehr] und sonstiger Schwelgereien enthält, vollkommen bewahrt bleiben.

7. Solche Beeren, in einem Seidel voll reinem Quellwasser bei mäßigem Feuer aufgekocht und nachher getrunken, d. h. bloß das Wasser, befreien den, der die Cholera bekommt, in kurzer Zeit von diesem Übel.

8. Mit etwas Wein und Wasser gekocht heilt dieser Wacholderbeertee auch die Pest, vorausgesetzt, dass dieses Übel nicht schon das höchste Stadium erreicht hat. Solcher Tee von den Beeren, getrunken, heilt auch die leidige Wassersucht besser als jedes andere Mittel; aber bei der Wassersucht nimmt man besser Wasser allein als Wein dazu.

9. Gegen die Cholera kann Ich euch noch ein Mittel sagen.

10. Sammelt die kleine Feldkamille, nehmt aber davon nur die weiße Blüte und den gelben Blütenstaub, gebt diese gesammelten Blüten in eine weiße sogenannte Zucker- oder Einsiedflasche – versteht sich aus gutem weißen Glas; das Glas darf nämlich nicht grün sein –, verstopft diese Flasche recht wohl und setzt sie so lange der Sonne aus, bis ihr Inhalt beinahe ganz trocken ist; dann stellt ihn in derselben Flasche an einen ganz trockenen Ort.

11. So jemand von der Cholera befallen würde, so nehme man einen guten Esslöffel voll dieser Blüten, gebe sie in eine Tasse und gieße ½ Seidel reines, siedendes Wasser darauf, decke die Tasse 1-2 Minuten wohl zu, seihe den Tee ab, gebe ihn also dem Kranken zu trinken und decke diesen in einem Bett wohl zu, so wird es auch in kurzer Zeit völlig besser mit ihm werden.

12. Wer es gerade haben kann, gebe in den Tee 1-2 Gran Bibergeilpulver (Castoreum sibiricum); das wird die Wirkung des Tees erhöhen. Aber die sogenannte Bibergeiltinktur ist nicht anzuraten, außer diese wäre in viermal abgezogenem Wacholderbeergeist ausgezogen, in welchen man auf ein halbes Seidel ein halbes Lot Bibergeilpulver zu geben hätte.

13. Darauf müsste die Flasche wohl verstopft und so lange der Sonne ausgesetzt werden, bis solcher Spiritus eine gehörig dunkelrötlich-bräunliche Farbe bekäme. Von solcher Tinktur wären dann auf eine 3/4 Seidel große Tasse 7-10 Tropfen zu geben, wodurch dann das Übel auch in wenigen Minuten geheilt sein würde.

14. Da habt ihr nun die besten Mittel gegen die Cholera.

15. Nächstens aber werde Ich euch noch mehrere Mittel gegen die Schwarze Pest und das sogenannte Gelbe Fieber geben.

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