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Kapitel 11 Die Heilkraft des Sonnenlichts

Ein Sonnenheilmittel gegen die Pest und das Gelbe Fieber

1. Ihr kennt schon seit euren Kinderjahren eine Wurzel, und diese ist keine andere als der echte asiatische Rhabarber.

2. Im echten Rhabarber liegt eine übergroße Heilkraft, selbst wenn man ihn in rohem Zustand entweder als Pulver oder in Stücken (aber dann freilich im Mund etwas zerkaut) einnimmt. Noch mehr aber bewährt sich seine Heilkraft, so die Wurzel auf nachstehende Weise präpariert wird:

3. Man nehme einige Lot von dieser Wurzel und pulverisiere sie, aber nicht allzu fein, setze dieses Pulver auf die schon bekannte Weise in einem dazu geeigneten Gefäß den Sonnenstrahlen aus und überdecke es zur Nachtzeit mit einem reinen, schwarzen Lammfell, das man tagsüber, und zwar die raue Wollseite, gleichfalls den Sonnenstrahlen aussetzen kann.

4. Die Wolle soll jedoch nicht knapp auf das Pulver zu liegen kommen. Am besten ist es, so man aus dem Lammfell ein geradeso großes Quadratstück herausschneidet, als wie groß das Gefäß (etwa eine Tasse) ist und dann dasselbe auf ein gleichgroßes Quadratbrettchen auf der glatten Seite des Felles anklebt. So das Fell eine etwas zu lange Wolle hätte, so stutzt man dieselbe mit einer Schere und reinigt das Fell dann mit einer reinen Bürste.

5. Wenn die Sonne stark ist, so genügen 8-10 Tage des Aussetzens; ist sie aber schwächer, so müsste die Zeit des Aussetzens verdoppelt werden.

6. An den Tagen, an denen ein Nordwind weht, kann das Pulver auch in die freie Luft gesetzt werden, wenn auch die Sonne zufolge starker Nebelzüge gerade nicht immer auf das Pulver scheinen könnte. In diesem Fall ist die Nordluft so viel wert wie der Sonnenstrahl.

7. Wenn das Pulver präpariert ist, ist es auf gleiche Weise aufzubewahren wie die früheren Medikamente. Gut tut man, wenn man das Aufbewahrungsgefäß in dasselbe Lammfell einwickelt, mit dem man vorher das Pulver zur Nachtzeit zugedeckt hat.

8. Auf diese Weise hat man nun ein Hauptmedikament, das beinahe in allen Krankheiten, morgens und abends 7-10 Gran eingenommen, sichere Heilung bewirkt, – wenn die Krankheit nicht schon das letzte Stadium erreicht hat.

9. Wenn irgendwo die Schwarze Pest herrscht oder das Gelbe Fieber grassiert, wird dieses Pulver – zeitig genug, aber allezeit ½ Lot groß eingenommen – schnelle und vollkommene Heilung bewirken; aber zu spät eingenommen, was bei diesen Krankheiten sehr leicht der Fall sein kann, weil sie gewöhnlich einen schnellen Verlauf haben, würde natürlich mit diesem Heilmittel wenig ausgerichtet sein.

10. Für diesen Fall will Ich euch eine andere Wurzel anzeigen, die in Asien auf den höheren Gebirgen gefunden wird. Diese Wurzel wächst wohl auch in der Tiefe, hat aber dann ein etwas gelbes Aussehen und ist nicht so kräftig wie die weiße. Ihr Name ist Jaisung und wird manchmal auch Jensing, oder Ginseng, auch Gensung genannt.

11. Diese Wurzel wird ebenso präpariert wie der Rhabarber, nur muss sie in fünffach geringerer Dosis eingenommen werden als der Rhabarber.

12. In verhältnismäßig stärkerer Dosis heilt sie, wie gar kein anderes Mittel, die Schwarze Pest und das Gelbe Fieber, oft auch im dritten Stadium noch. Besonders bei der Schwarzen Pest ist noch das zu bemerken, dass die Zimmer von solchen Patienten des Tages öfters mit geschabtem Bockshorn und Wacholderbeeren zu durchräuchern sind. Wenn das Übel grassiert, ist es auch von guter Wirkung, einen oder zwei Ziegenböcke in das Zimmer des Kranken zu stellen.

13. Wenn man das alles so beachtet, darf diese Schwarze Pest noch so sehr in einem Ort grassieren, so wird sie dadurch von solch einem Haus abgehalten. Und werden die Räucherungen allgemein gebraucht, so wird sie auch binnen längstens drei Tagen verschwinden.

14. Im Fall von besonderer Intensität dieses Übels kann zu dem Räucherwerk auch ein wenig von dem Rhabarberpulver genommen werden.

15. Hier habt ihr also die versprochenen Mittel gegen die zwei tödlichsten Übel auf der Erde.

16. Hauptsächlich wäre der Gebrauch des Rhabarberpulvers sowie des Jensings zur Wiederbelebung sehr geschwächter, oft ganz eingetrockneter Nerven vorzugsweise anzuempfehlen, sowie auch gegen alle Übel, die einer gewissen Seuche entspringen.

17. Hier in Graz werdet ihr den Jensing schwerlich ganz echt bekommen; aber in Triest, Paris, London, auch in Hamburg, ist er ganz echt zu haben, – jedoch nur um einen kaum erschwinglich hohen Preis.

18. Die fünfmal schwächere amerikanische Jensingwurzel tut, in reichlicher Dosis genommen, denselben Dienst. Sie kommt in Amerika, südlich und nördlich, vor. Die südliche ist besser als die nördliche.

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