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Kapitel 7 Die Heilkraft des Sonnenlichts

Eine fünfte Art der Verwendung des Sonnenlichtes zu Heilzwecken

1. Als Medizin zum Einnehmen genügen die vier Arten vollkommen; aber dessen ungeachtet kann der Sonnenstrahl für mannigfache leibliche Leiden noch mehrartig nutzbringend in Anwendung gebracht werden.

2. So z. B. jemand eine äußerliche krebsartige Wunde hätte, so nehmt ein mäßiges, sogenanntes Brennglas und überfahrt solche Wunden des Tages zu öfteren Malen mit dem Brennpunkt, und zwar so, dass mit solchem Brennpunkt die ganze Wunde überfahren wird, wobei aber zu bemerken ist, dass man mit dem Brennpunkt über einer Stelle der Wunde nicht zu lange verweilen darf.

3. Nach solchem Überfahren mit dem Brennpunkt tauchet einen leinenen Lappen in gesonntes Wasser und legt solchen über die Wunde, was öfters in einer Stunde zu wechseln ist, so wird der also Leidende – bei übrigens rechter Diät – in Kürze von seinem Übel geheilt werden.

4. So ihr aber statt des Lappens gute, reife Blätter der Tabakspflanze haben könntet, so wären diese dem Lappen noch vorzuziehen; aber sie müssten auch zuvor, auf einer Glastafel liegend, von der Sonne etwas gebäht [geröstet] werden.

5. Ebenso heilsam an Stelle des Sonnenwassers wäre eine sogenannte „Sonnentinktur“, welche aber wie folgt zu bereiten ist:

6. Ihr kennt das Alpenkraut, genannt „Arnika“. Von dieser Blume nehmt bloß die Blütenblätter und die Staubfäden, und gebt dann zwei Handvoll in ein halbes Liter guten Spiritus [Weingeist]. Dieser Spiritus ist in einer lichten Flasche wohlverstopft vierzehn Tage bis drei Wochen lang den Sonnenstrahlen auszusetzen und während dieser Zeit zu öfteren Malen aufzurütteln. Nach solcher Zeit wäre dann dieser Spiritus, schon „Sonnentinktur“, in eine dunkle Flasche abzuseihen und also wohl zu verwahren.

7. Von dieser Tinktur wäre dann beim Gebrauch auf ein Quintel [wohl 1/5 Liter gemeint] gesonnten Wassers 1 Tropfen zu nehmen, nur bei stärkeren Wunden 3-5 Tropfen. Damit ist dann ein oben erwähnter leinener Lappen, der zuvor an der Sonne zu erwärmen ist, zu benetzen und auf die Wunde zu legen. Dadurch, sowie durch die früheren zwei Mittel, ist die Wunde in ehester Zeit zu heilen.

8. Auch venerische Beulen, Flechten und Kopfgrinde können damit leicht geheilt werden, wenn die innere Diät danach beschaffen ist.

9. Noch ein anderes Mittel gegen derlei bösartige Außenwunden ist folgendes:

10. Nehmt guten Hanfsamen, trocknet ihn 14 Tage hindurch an der Sonne und verwahrt ihn sodann an trockenem Ort in verschlossenen Gefäßen. Wenn irgendein Bedarfsfall vorkommt, so gebt solchen Hanf in eine Ölpresse, nachdem ihr ihn etwas zerquetscht habt. Da werdet ihr ein recht feines Öl daraus bekommen.

11. Mit diesem Öl bestreicht dann zu öfteren Malen solche Wunden, und sie werden, bei rechter Diät, in kurzer Zeit heilen, ohne schädlichen Einfluss auf den Körper.

12. Von diesen also zubereiteten Hanfsamenkörnern lässt sich auch eine Art Milch, auf die Weise wie die Mandelmilch, bereiten, die denen sehr gut zustattenkommen wird, die z. B. Tuberkeln in den Lungen, Verhärtungen in der Leber und Milz, wie auch in den Nieren, haben; diese werden beim Genuss solcher Milch eine günstige Wirkung verspüren.

13. Nur da, wo die inneren Teile mehr einem Austrocknen sich nähern, wäre eine Milch aus Leinsamen, welcher gleichfalls an der Sonne vorher getrocknet werden müsste, der Hanfsamenmilch vorzuziehen.

14. Ferner ist noch ein Mittel zur Stillung der Schmerzen in den Gliedern ganz einfach so zu benützen:

15. Man nehme womöglich ein ganz frisch gepresstes Baumöl [Olivenöl], ungefähr ein Pfund, gebe es in eine wohl zu verstopfende Halbflasche und tue eine gute Handvoll Mohnblütenblätter hinein. Die Blätter des wilden Mohns oder des kleinen Feldmohns wären denen des großen (gefüllten) Gartenmohns vorzuziehen.

16. Wenn solche Mohnblütenblätter sich im Öl befinden, so verstopfe man die Flasche wohl und stelle sie ebenfalls 2-3 Wochen lang der Sonne aus und rüttle dieselbe auch öfters mit ihrem Inhalt.

17. Nach dieser Zeit gieße man dieses Öl in eine (am besten dunkle) Flasche und verstopfe sie wohl.

18. So nun jemand von den vorher erwähnten Schmerzen befallen wird, so benetze er einen frischen, gesonnten Lappen mit diesem Öl und lege ihn auf das schmerzende Glied, so wird es in Kürze besser. Auch bei Brust- und Seitenstechen, wenn solche rheumatischer oder gichtischer Art sind, kann solches Öl vorteilhaft angewandt werden.

19. Nächstens noch von einigen Arkanen oder Hauptlebensmitteln.

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