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Kapitel 164 Robert Blum, Buch 2

Szene mit Kado, Forts. Teuflisches Wesen desselben; von der göttl. Gerichtsordnung; – es giebt auch für Teufel nur eine selbstgeschaffene Hölle. Helena's Vorschlag eines geeigneten Gerichtes für arge Seelen. Letztes Wort an ihn; seine Freilassung in die Gesellschaft seiner (höll.) Sfäre.

(Am 1. Febr. 1850)

1. Spricht darauf abermals Petrus: „Aber du warst doch durch dein ganzes irdisches Leben kein König, wie kannst du da vor uns sagen, daß du schon von der Wiege an zum Herrschen geboren gewesen wärest? Du bist nichts als ein Beduinenhäuptling gewesen, und das nur in den letzten Jahren deines Lebens; früher warst du ein Schafhirte, und danebst ein getreuer Helfers-Helfer deiner löblichen Vorgänger, und bist erst durch die schmähliche Heirath mit der ältesten Beduinenhäuptlingstochter zum Häuptlinge erhoben worden. Du hast somit auf der Erde gar lange blindlings gehorchen müssen, und hast erst in den letzten Jahren deines Lebens, wie ich schon eher bemerkt habe, eine höchst schnöde Art von einer Herrschaft über dein allerlumpigstes Räubergesindel ausgeübt, und über deine echten Bluthunde; und so meine ich denn, daß dir das Herrschen eben nicht in dem Grade möchte angeboren sein, als wie du es uns ehedem gesagt hast!“

2. Spricht Kado: „Das ist gleich, was ich nicht will, das will ich durchaus nicht! und ihr möget selbst Götter sein, so werdet ihr mich doch so lange nicht auf eine andere Idee bringen, als bis ihr mir ein anderes Herz und einen andern Willen einhauchen werdet. Glaubet ihr denn, daß ich die Hölle fürchte? O, da irret ihr euch sehr an mir! einem allmächtigen Gotte gehorchen kann ein jeder feige Esel; aber einem allmächtigen Gotte den hartnäckigsten Trotz bieten, und alle Seine Weisheit zu Schanden machen, das kann nur ein starker Geist, der keine Furcht kennt, auch vor einem ewigen Schmerze in der ärgsten Hölle nicht; werfet mich in ein kochendes Erz, und ich werde euch im höchsten Brandschmerze dieselbe Antwort ertheilen, die ihr nun hier vernommen habt. Denn groß ist der Geist, der seinen Schöpfer verachten kann, auch unter den größten Schmerzen; denn welchen Dank solle ich dem Schöpfer auch schuldig sein? Ich bin nur dann gegen Jemanden Dankes verpflichtet, so er mir das that, um was ich ihn ersucht habe; den Schöpfer aber habe ich sicher nie ersucht, daß Er mich hätte erschaffen sollen; Er hat es eigenmächtig gethan. Es ist dann Schande genug für Seine angepriesene höchste Weisheit und Macht, daß Er an mir eine barste Pfuscherei von einer Schöpfung zuwege gebracht hat. Oder vielleicht muß ich wegen der Erhaltung des Ganzen gerade so sein, als wie ich bin; und ihr werdet daher weder auf die eine, und noch auf eine andere Art mit mir was ausrichten. Sehet daher, daß ihr weiter kommet.“

3. Hier wird Kado ganz schwarz, und seine Gestalt wird enorm häßlich, so daß sich die Helena recht sehr zu fürchten anfängt; seine Augen fangen an wie die eines wüthenden Hundes glühend zu werden, und er macht Miene, die Beiden anzufallen; aber Petrus sagt zu ihm: „Im Namen Jesus des Gekreuzigten gebiete ich dir, daß du dich vor uns ruhig verhaltest, sonst sollst du alsbald die Schärfe des Gotteszornes zum Verkosten bekommen, als wie bald du es wagetest, nur einen Finger gegen uns emporzuheben.“

4. Kado bebt nun vor Wuth, und wird in seinem Innersten ganz glühend, äußerlich aber aller Kleidung bar. So steht er häßlichsten Anblickes vor uns, ohne unser jedoch ansichtig werden zu können.

5. Ich frage nun die Helena und sage: „Nun, Meine geliebteste Tochter, was sagst du zu dieser Seele? findest du, daß von Meiner Seite auch nur im Geringsten etwas unterlassen oder unternommen worden sei, was nicht auf ihre Beseligung beabsichtigt wäre? Du sagst Mir in deinem edelsten Herzen ein gewichtigstes Nein! Und also ist es auch; es ist bei diesem Geiste alles aufgeboten worden, was nur immer als ein Meiner Liebe entsprechendes sanftes Mittel gedacht werden kann; aber, wie du dich nun selbst überzeugt hast, ohne den geringsten Erfolg. Dieser Geist wurde sozusagen auf den Händen getragen; starke Engel wurden zu seiner Bewahrung beordert; aber sein Wille, der frei bleiben muß, war stets mächtiger als Meine Liebefesseln, die Ich ihm durch die mächtigsten Engel anlegen ließ; er zerriß sie alle, und spottete ihrer allzeit gräßlich. Es fehlte ihm nicht an der Erkenntniß; er kennt jeden Buchstaben der Schrift, und hatte sogar das Vermögen, mit der gesamten Geisterwelt zu korrespondiren; er kennt Mich und Meine Göttlichkeit, und kann doch Meiner spotten, für ihn ist jeder Herrscherstuhl ein Fluch, so er ihn nicht sein nennen kann, jedes Gesetz ist ein Gräuel für ihn, das nicht er gegeben; er kennt nur seinen Willen, und der Wille eines Andern ist für ihn ein Verbrechen, das er nie zur Genüge rächen könnte! – Sage Mir, was kann da Meine Liebe noch ausrichten bei solch einem Wesen?“

6. Spricht die Helena: „Ach du großer lieber heiliger Vater! so ein Wesen verdient denn doch eine fernere Gnade nimmer von Dir, wohl aber so lange eine gerechte Züchtigung, bis es nicht mehr sich als etwas zu sein dünken, sondern in aller Demuth zum Kreuze kriechen wird.“

7. Rede Ich: „Wäre alles recht, so die Züchtigung als von Mir ausgehend nicht auch schon ein Gericht wäre. Denn so Ich irgend die Menschen ihrer großen Bosheit wegen züchtige, so muß die Züchtigung ja so gestellet sein, daß sie so viel als nur immer möglich als eine natürliche Folge der Böswilligkeit erscheint, gleich als so sich Jemand einen Schlag versetzt, der darauf folgende Schmerz als eine nothwendige und ganz natürliche Folge sich darstellen muß, obschon eigentlich von Mir ursprünglich die Natur schon so eingerichtet ist, daß der Schlag auf das Fleisch einen Schmerz nach sich ziehen muß, weil er eine Sünde gegen die bestimmte Ruhe des Fleisches ist. Und so muß jede von Mir ausgehende Züchtigung beschaffen sein, wenn durch sie die Freiheit des Geistes und der Seele nicht untergraben werden solle.

8. Also aber darf auch bei diesem argbösen Geiste keine andere Züchtigung angewendet werden, als die er sich selbst aus seinem höchst eigenen bösen Willen aus der Ausgeburt seiner Liebe geben wird. So er dann aus solch seiner eigenen Schöpfung des Schmerzes satt bekommen, und sich gewisserart selbst ersticken wird in seiner Wuth, dann erst wird es wieder möglich sein, sich ihm auf einem gelinderen Wege zu nahen. Er kommt somit nach und nach in die unterste und allerärgste Hölle, aber nicht etwa von Mir dahin verdammet, sondern durch sein eignes Wollen; denn er erschafft sich diese Hölle selbst aus seiner Liebe; was aber Jemandes Liebe ist, das ist auch sein Leben, und dieses darf ihm ewig nimmer genommen werden.“

9. Spricht die Helena: „Aber Herr, Du allein die wahrste und vollkommenste Liebe und Erbarmung! so er aber dann in solcher seiner allerbösesten Liebe für ewig verharret, und Dir zum Trotze lieber ewig das Aergste und Gräßlichste erleidet, als seinen starrsten Willen zu beugen unter Deinen allersanftesten; was dann mit solch einem Geiste? Wäre denn bei solchen gar argen Geistern nicht ein glimpfliches Gericht in eine vielleicht recht sehr nützliche Anwendung zu bringen? Der Geist würde sich mit der Zeit vielleicht daran gewöhnen, und am Ende aus solch einer Gewohnheit eine Tugend machen, wie es zu Zeiten auch schon auf der Welt der Fall war.

10. Zum Beispiel eine Dirne findet Versorgung in einem eingezogenen Hause mit der streng gemessenen Weisung, sich von der Zeit ihrer Aufnahme so zu betragen, als wäre sie einem strengen Kloster einverleibt geworden! Und sieh, o Herr, das ist für eine rechte Nachtwandlerin sicher ein kleines Gericht; sie überlegt sich die Sache wohl eine Weile; aber da der Vortheil eines guten geregelten Lebens doch sehr anspricht, so läßt sie ihr gerne das Gericht gefallen, gewöhnt sich endlich an die Ordnung, und wird darauf eine ganz züchtige Person, und bleibt und stirbt dann auch als solche! Und so meine ich denn, daß so was vielleicht bei diesem Kado auch der Fall sein könnte.“

11. Rede Ich: „Ja, Meine geliebteste Helena, siehe, das ist bei diesem Geiste schon vielfältigst unter allerlei Modalitäten angewendet worden, aber leider allzeit ohne den allergeringsten Erfolg, wie Ich es dir schon früher bemerket habe; und so bleibt uns nun nichts mehr übrig, als ihn ganz sich selbst zu überlassen; will er durchaus die Hölle, gut, so genieße er sie denn auch in aller Fülle; denn dem, der etwas Böses selbst will, geschieht auch für die nimmer endende Ewigkeit kein Unrecht! Wer in der Hölle verharren will, der verharre! Ich werde keinen bei den Haaren herausziehen wider seinen Willen. So ihm die Geschichte denn doch etwa einmal zu derb wird, da wird er dann schon von sich selbst auch einen Weg daraus bahnen; macht ihm aber die Hölle eine Freude, ist ihm die ewige Nacht lieber, als das ewige alles beseligende Licht, so freue er sich dessen, was ihm Freude macht. Bist du damit einverstanden?“

12. Spricht die Helena: „Herr, du bester Vater! jetzt vollkommen; habe auch gar kein Mitleid mehr mit solch einem allerdummsten Esel! Aber was wird mit diesem wahrhaft dummsten Teufel denn jetzt geschehen?“ – Rede Ich: „Das wirst du nun gleich sehen; Ich werde nun den zweien Aposteln den Wink geben, ihn völlig frei zu lassen, und ihn – aber nur in seiner Sfäre – thun lassen, was er will; und da wirst du dann schon sehen, was da mit diesem Geiste es für einen weitern Vorgang nehmen wird.“

13. Ich gebe nun den Beiden den vorbezeichneten Wink, und der Petrus sagt zu dem Kado: „Da wir Beide uns nun zur vollsten Genüge überzeugt haben, daß du dich durch uns, die wir von Gott dem Herrn an dich abgesandt worden sind, nicht willst für die Himmel Gottes vorbereiten lassen, so gehe von hinnen, und thue, was dir Freude macht! Denn das will auch dein Gott und unser Gott Jesus Jehova Zebaoth. Von nun an wird Gott keine Boten mehr an dich absenden. Wir Beide waren die letzten!“ – Nach diesen Worten werden die Beiden für ihn unsichtbar, obschon er allen Anwesenden gar wohl sichtbar bleibet, wie auch vernehmbar mit jeglichem Gedanken und Worte.

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