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Kapitel 171 Robert Blum, Buch 2

1. (Der Herr:) „Nun aber gebet nur weiter Acht, und du, Miklosch, mache den Erzähler; denn es ist hier in dieser Gesellschaft nicht Jedem gegeben, zu schauen und zu sehen das Kommende; aber in der Unkenntniß davon solle niemand belassen werden.“

2. Miklosch richtet nun wieder ganz fest seine Augen auf die höllische Szene, und fängt nach einer kurzen Weile also zu erzählen an: „He, der Tausend! Ah das ist wahrlich im höchsten Grade tragikomisch! Aus dem Feuermeere, das noch immer ganz verzweifelt grauenerregend mit donnerartigem Getöse dahin wogt, und aus einer jeden der Milliarden Wellen eine zahllose Menge Blitze entsendet, erheben sich nun ganz muntere Gestalten, und das ebenfalls gleich den Wellen und Blitzen in einer Unzahl. Von vorne sehen sie ganz rar aus, recht anmuthig; und vom Rücken aus wie halbverweste Todtengerippe. Das starke Wogen der glühenden Fluth scheint sie nicht im Geringsten zu geniren, und die sicher allerenormste Glühhitze unter ihren Füßen scheint ihnen nur ein höchst angenehmes Gefühl zu verursachen. Die Blitze fahren durch sie durch, als wie das Wasser durch ein Sieb, ohne daß sie die muntern Gestalten nur im Geringsten inkommodiren möchten; das ist wahrlich im höchsten Grade sonderbar! Ah, ah, sie mehren sich stets mehr und mehr, und machen einen förmlichen Reigen; eine wahrlich von vorne sehr elegant aussehende Gruppe bewegt in den zierlichsten Pas' sich gegen unsern Kado hin, der diese Erscheinung auch mit der größten Aufmerksamkeit betrachtet, ohne jedoch daran ein sichtliches Wohlgefallen zu haben; aber mit der fruchtlosen Bewegung seiner Füße hat er dennoch einen Einhalt gemacht, und staunet nun ganz verblüfft diese vielen Tänzergruppen an. Die eine Gruppe macht nun schon ganz knapp am Hügel ihre Sprünge und sonstigen graziösen Bewegungen, und scheint den Kado zu unterhalten; denn er hat sie schon ein paar Male nun recht wohlgefällig angelächelt. Aber den Rücken bekommt er nicht zu Gesichte.

3. Nun eilen ein Paar Tänzerinnen recht graziösen Ansehens zu ihm auf den Hügel hinauf mit rosenfarbigen Schleifen in ihren Händen, und winken ihm, ihnen auf den glühenden Tanzboden zu folgen. Aber er entschuldigt sich, und spricht nun (Kado): 'Meine Füße würden sich an solch einem Tanzboden nicht halten; daher bleibe ich, wo ich bin; ihr aber bleibet, wo es euch gut zu gehen scheint; ich brauche von solch einem zu brennheißen Vergnügen wahrlich nichts!' Aber die Zwei kommen ihm näher, und nehmen sich alle Mühe, ihn auf dieß glühende Eis zu locken; aber er bleibt stehen, und gebietet ihnen, sich ihm ja nicht noch mehr zu nahen, ansonst er wider sie Gewalt gebrauchen müßte. Je mehr er aber ihnen droht, desto mehr zeigen sie ihm von ihren Vordergrundsreizen, und bestreben sich ihn ganz zu bezaubern. Es ist das wahrlich ein ganz sonderbarstes Schauspiel; merkwürdig ist die Haltung dieser veritabelsten Höllengrazien, daß sie bei allen ihren verlockenden Bewegungen doch nicht irgend derart aus der Haltung kommen, daß der Kado ihrer Rückentheile ansichtig werden könnte; no, eine bemüht sich, ihm nun die Schleife um den Hals gleich einer Schlinge zu werfen;

4. er aber weicht zurück einige Schritte, hebt einen Stein auf, und schleudert ihn der Grazie gerade an die Brust, und schreiet nun mit einer wahren Donnerstimme: 'Zurück Höllenbestie! Wenn Satan, dein Gebieter, kein besseres Verführungsmittel mehr hat, um einen armen Teufel noch tiefer in die Hölle hinab zu ziehen, als er ihn schon gezogen hat, da solle er sich heimspielen lassen. Glaubt denn dieses uralte der Gottheit widerspänstige Rindvieh, Vögel meines Gelichters werden auch so recht dummsten Weltfinken, Gimpeln und Zeisigen gleich sich auf seine alten saudummen und alles Leimes baren Spindeln setzen, und sich dann von ihm fangen lassen? Da irrt er sich; ein Aar setzt sich nie auf eine Leimspindel; saget das eurem Ochsen von einem Gebieter!'

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