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Kapitel 192 Robert Blum, Buch 2

1. Spr. Rob.: „Ganz gut, ganz gut, dein Rath ist bei Gott wahrlich sehr gut. Das sieht man aber gleich, daß du mein geliebtester Kado kein Europäer bist; denn diese sind samt mir keiner so evident klarest weisen Ansicht fähig; aber nun nur stille, denn sie kommt schon sehr eilig in unsere Nähe. Aber das herrliche Kleid hat sie noch an, und das Pseudoschwert aus Blech und Pappendeckel; auch von ihrer enormsten Schönheit scheint sie noch nichts eingebüßt zu haben. Wahrlich wahr, das muß man aber bekennen, was da ihre Gestalt anbetrifft, so kann man sich aber wohl unmöglich etwas Schöneres vorstellen. Sie ist wirklich unendlich schön und reizend. Man könnte beinahe die Behauptung aufstellen, daß es der lieben Gottheit gar nicht möglich sein solle, eine noch größere gestaltliche Schönheit ins Dasein rufen zu können. Aber ich glaube, man darf auch ihre Gestalt nicht gar zu sehr rühmen; sie könnte dadurch denn doch noch eitler und stolzer werden, als sie ohnehin schon ist.“ – Spricht Kado: „Ja, ja, überhaupt von und mit ihr nicht reden, sonst bringt man sie nicht leichtlich vom Halse.“

2. Spricht hinter dem Rücken des Kado schon die Minerva, sagend: „Richtig, du triffst den Nagel wohl immer auf den Kopf. O du Hascherl du; du wirst den Anderen was lehren, wie sie meiner am ehesten los werden könnten; als ob ich mich etwa Jemanden je schon aufgedrungen hätte. Dazu besitze ich wohl zu viel Ehre in mir, und bin zu stolz, als daß ich solch kleinlichster Schmutzereien fähig wäre. Und du mein Freund Kado darfst dich schon gar nicht fürchten, meiner etwa schwer los zu werden! Denn weißt du, wir kennen uns schon so hübsch – lange. Solle ich dich etwa bei deinem wahren Namen nennen?“ –

3. Spricht Kado: „Schweige, sonst sollst du von meiner dir schon bekannten Höflichkeit sogleich ein neues Pröbchen erfahren. Dort ist die verschlossene Pforte; versuche, ob dich wer hineineinlassen wird; denn du gehörest etwa ja auch dort hinein, wo es sicher besser ist, als da außerhalb der verschlossenen Pforte.“ – Spricht die Min.: „Lecke mich, wo ich mich selbst nicht kann; ich thue, was ich will, und nie was du willst. Verstehst du das?“

4. Spricht Kado: „O das verstehe ich ganz vollkommen; denn du bist eitel und stolz, und somit auch dumm zur Genüge; wie sollst du da wollen und thun können, was dir für ewig wahrhaft frommen möchte? Im Uebrigen aber merke, daß du, seitdem dir das berühmte Schwert des großen Helden Kolofuntius Bratto, der damit ganz glücklich gegen die Gelsen gekämpft haben solle, eingehändigt wurde, an der Höflichkeit gar nicht zugenommen, sondern ganz bedeutend nur abgenommen hast; denn Unsereinem, und das in der Gegenwart einer ganz allerliebsten, schönsten, zartesten und bestgeschmückten Himmelsdame, deinen Steiß, als für deine liebe Zunge den allerunzulänglichsten Theil, belecken zu heißen, das ist, und bleibet, um gerade heraus zu sprechen – saugrob. Wenn so ein Wort aus dem Maule einer Sau gegrunzt werden würde, da ließe man sich's gefallen; denn von einer Sau läßt sich füglichermaßen wohl nichts Besseres erwarten; aber so man, verstehe, so man solch eine höchst unästethisch klingende A . . .-Sentenz von einem so weich und schönst geformten Munde eines allerschönsten weiblichen Geistwesens zu vernehmen bekommt, so wird man wahrlich sehr sonderbar unangenehm berührt. So du mit uns etwa noch etwas zu reden haben solltest, so bitte ich dich um ein wenig gewähltere und bessere Ausdrücke; denn so du schon mich nicht berücksichtigen willst, so berücksichtige unsere hier gegenwärtige allerzarteste wahre Himmelsdame.“

5. Spricht die Min.: „Fahr' ab mit dieser Lerchenfelderin; das wäre eine rare Himmelsdame. Dieser Lerchenfelder Barrikadenschnepf, diese Sau aus allen Mistlachen, diese allergemeinste Proletrariertrud; vor – vor der solle ich am Ende etwa noch gar einen Respekt haben? Ich, das erste Wesen in der ganzen Unendlichkeit! und die – das letzte aus dem allerlumpigst berühmten Lerchenfeld! Nun, nun! Du hast einen hübschen Begriff von einer Himmelsdame, wenn du dieses echte Wiener Mistbrettl für eine, sage, Himmelsdame ansiehst. Gratulire, gratulire; du hast es in deinem Himmel mit deiner Weisheit wahrlich schon sehr weit gebracht.“

6. Hier unterbricht sie die vor Aerger nahe ganz glühend gewordene Helena, sagend: „Nun, du stolzes A... eines auf der Simmeringer Sauhaide krepirten Pfaffenesels, weißt etwa über mich noch was Schlechteres, du aus der ganzen Unendlichkeit zusammengedroschene Sau du! schau nur gleich, daß dir die ganze Unendlichkeit nicht zu eng wird. Nein, das gefällt mir; will dieses ewige Unendlichkeitsmistviech, dieses Hauptluder aus allen Fixsternen sich über mich hermachen. Na wart'! du bist schon über die Rechte gekommen; ich werde dir deine polirte Quadrateselshaut schon etwas runzlicher klopfen, weil sie dich gar so juckt; glaubst du schön's Obers von der höllischen Rindsuppn, ich kenne dich etwa nicht! o da sei du ganz unbesorgt, du schmutzigstes Unterfutter von einer Liquorianer-Hose; schau, schau, das alte Jesuitenschnupftuch will mich eine Proletariertrud nennen. Jetzt schau nur, daß du bald weiter kommst, sonst zeig' ich dir, wo die ewigen Zimmerleut' Gottes für dich's Loch gemacht haben.“

7. Spr. Robert: „Aber ich bitte dich, du meine holdeste Helena, du mein herrlichstes von Gott Selbst in den Himmeln mir gegebenes Weib, ereifere dich nicht! es wäre ja ewig schade für deinen herrlichsten schönsten Mund. Schau', mit dieser Pseudo-Minerva richtet Gott Selbst nichts, was erst sollen wir mit ihr richten? Sie ist einmal so, wie sie ist; du weißt es ja, daß auf den Disteln keine Datteln, und auf den Dornhecken keine Feigen wachsen; lasse sie daher reden, was sie will; denn in unsere Ohren dringt ihre Stimme wahrlich nicht, und somit noch weniger in unsere Herzen!“

8. Sagt die Helena: „Ja, ja, das weiß ich wohl; aber das weiß ich auch, daß man dem Teufel 's Maul stopfen muß, als ein ehrlicher Christ, wann er's z'weit aufmacht. Schau, itzt ist sie schön sauber still, weil sie sieht, daß sie nimmer gröber werden kann, als unsereins; nein, die solle aber auch nur einmal mehr sich mucksen, so will ich ihr ein echtes Lerchenfelder Liedl anstimmen, daß sie für alle Ewigkeit damit genug haben soll. Nein, dös Giftbratl vom heiligen Erzengel Michael soll mich dann erst kennen lernen. Wahrhaftig wahr, ich könnt' sogar unserm lieben Herrgott und Himmelsvater eine Grobheit um die andere in's G'sicht sagen, wann er je diesem Leibstuhle Petri eine Gnad' erweisen möchte. Die ist ja schon lange für die Hölle zu schlecht; daher leiden's die andern Teufel auch gar nicht mehr unter ihnen. Hast es aber auch hierher berufen müssen.“

9. Spricht Kado zur vor Zorn ganz bebenden Minerva: „Nun, bist du mit deinem Grobheitslexikon schon zu Ende, daß du auf die würdevollen Komplimente, die dir soeben von der lieben Lerchenfelderin zugekommen, keine gleichwürdige Erwiderung zuwege bringst? Mir scheint es, daß du eine Meisterin gefunden hast, und bekennest nun durch dein Schweigen, daß die Lerchenfelderin recht habe.“ – Spricht die Min.: „Ich bitte dich, rede mir nur von dieser Galgenschnur nichts mehr; denn ich habe sie genossen.“

10. Unterbricht sie die Helena: „Schau nur, daß du weiter kommst, sonst setzt's noch Gelsen und spanische Mucken ab. Kennst du diesen Lerchenfelder Salat? (der M. die beiden Fäuste zeigend:) „Ich sag dir's, wann's nicht bald weiter gehst, so putz ich dir so einen kleinen Tagrebell über dein rotzig's Multi-G'friß obr“ (herab). – Spr. Robert: „Aber ich bitte dich, Helena, um Gotteswillen, wir kommen ja anstatt in den reinen Himmel Gottes gar zum Schmierseppl nach Oberlerchenfeld; bedenke doch, wie als ein wahrer Gottesliebling du dem Herrn Selbst an der heiligen Brust lagst, und alle Gnade von ihm einsogst, und nun bist du, bis auf ein etwas besseres Deutsch, so ganz wieder eine vollendete Lerchenfelderin in optima forma. Schau, das mußt du ganz ablegen, sonst wird die Pforte noch lange nicht aufgehen!“

11. Spricht die Hel.: „Nun, ich glaube, dir ist's etwa gar leid, daß ich dieser ewigen Mistsau ein paar Wahrheiten ins G'sicht g'sagt habe.“ – Spr. Rob. Uraniel: „Nein, meine allerliebste Helena, das sicher nicht; aber um deinen nun schon ganz himmlisch gewordenen Mund ist es mir leid, daß er nun wieder, nachdem er schon sogar mit Gott gesprochen, und mir manche recht herrliche Lehre in der Liebe gegeben hat, in das rein Oberlerchenfeldische übergehen solle; und das gerade hier, hier an der bedeutungsvollsten Gottesreichsthüre zum wahren ewigen Leben.“

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