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Kapitel 204 Robert Blum, Buch 2

Gute Antwort des Einen. Paulus letzte Rede an die Hartnäckigen. Der lustige Wiener, ein derber Tiroler. Paulus ordnet den Ersteren. Alle ziehen weiter.

(Am 14. Juni 1850)

21. Spricht der Humorist: „Lieber Freund! ich danke dir auch für diese Belehrung, denn sie ist wahr, und durchaus wahr; aber daß ich nun dieser wahrlich allerholdesten Dame sogleich ein Kompliment machen solle, während sie mit ihrem Gatten in ein tiefes Gespräch versunken dort stehet, dürfte denn doch ein wenig unschicklich sein. Je mehr ich sie aber betrachte, desto bekannter kommt mir ihr Gesicht vor, wie auch das Seine; es hat, so ich mich nicht irre, eine ganz außerordentlich frappante Aehnlichkeit mit dem berüchtigten, hm – hm – fällt mir aber gerade jetzt der Name nicht ein – no, no, no – kurz, er sieht einem Hauptdemokraten gleich, den ich vor ein paar Jahren oft oft – in Wien gesehen habe. Vom Sehen aus sind mir also er und sie bestens bekannt, aber natürlich die Namen können mir nicht bekannt sein.“

22. Spricht Paulus: „Daran liegt auch sehr wenig vorderhand, und wir haben nun gar um sehr Vieles wichtigere Dinge zu thun, als uns mit ein paar Namen herumzubalgen, und uns dann drei Tage lang nach ird'schem Gebrauche zu verwundern, daß diese die und die seien. Ich werde dir aber nun einen andern Rath geben; den befolge du, und es wird dein Schade nicht sein! – Falle du nun vor diesem meinem höchsten und allerbesten Freunde auf deine Kniee nieder, und sage: „O Herr, sei mir armem Sünder gnädig und barmherzig! nehme mich als ein sehr mächtig verloren gewesenes Schaf in deiner großen Gnade auf, und lasse auch mich genießen die Ausflüsse deiner Liebe und Erbarmung! – Sage aber solches mit aller Wärme deines Herzens aus, und dir solle dafür ein Heil widerfahren!“

23. Spricht der Humorist: „O Freund! du verlangest sehr viel von mir! Bedenke, wie mich alle meine Bekannten auslachen werden, und ansehen für einen barsten Trottl; und so mich dann Jemand fragen wird, und sagen: Warum thust du wohl solches? – Wer ist denn Der, vor Dem du wie vor dem allerheiligsten Altarssakramente bei der Wandlung auf die Kniee gerutschet bist, und hast vor ihm schon gethan, als so er unser Herrgott wäre? – was werde ich solch einem Fragsteller zur Antwort geben?“ – Sagt Paulus: „Nichts als: Thue auch du desgleichen, so wird es für dich besser sein, als solch ein leeres Fragen! Denn Der, vor Dem ich niederfiel, ist Jesus Christus der Herr – Himmels und aller Welten.“

24. Hier fällt unser Humorist am Boden nieder, und sagt hell lachend: „Nein, was z'viel ist, ist z'viel! entweder bist du zeitweilig ein Narr, oder dir beliebt es, mich und uns Alle dafür zu halten, und dich also an unserer Schwäche zu belustigen. Es ist genug, daß wir dich unter dem Namen eines alten berühmten Apostels verehren, weil du uns wirklich durch deine Lehre zu einem wahren Apostel geworden bist; aber daß nun dieser dein noch schlichter denn du aussehender Freund nun so ganz mir und dir nichts Christus der Herr sei, und die andern zwei höchst wahrscheinlich auch ein paar Apostel, und jene Dame etwa gar die allerseligste Jungfrau mit dem hl. Josef, (oder was beißt mich da unter der Achsel,) sein solle, sieh, das geht vom Himmelblauen schon rein ins hell Kirschrothe über! Lieber Freund, ist das wirklich dein Ernst, oder machst du einen Spaß mit uns?

25. Ich sage dir, Freund, aber nun ganz freundlich ernst: Mit derlei Spässen bleibe du uns vom Halse; denn sie könnten dir mit der Zeit ganz verdammt übel bekommen. Denn wisse du, mein sonst allerhochschätzbarster Freund; obschon ich zwar kein Farisäer bin, das ist, in der neuen römisch-katholischen Art, die Christum aus Stärkmehl backt, und vor einer Oblate auf's Gesicht fällt, im Herzen aber Christum und Sein heilig Wort haßt und verachtet, wie auch jeden, der sich rein nach der Gotteslehre Jesu hält; so bin ich aber dennoch ein wahrer innerer Verehrer Christi, und bekenne vollkommen Seine unbestreitbare Göttlichkeit; aus welchem Grunde Er mir denn doch viel zu erhaben und zu heilig ist, als daß ich Ihn hier in den weltberühmt allergemeinsten Wienerstraßenkoth herabziehen solle. – Glaube mir, obschon ich zwar in manchen Punkten, besonders im Punkte des schönen Geschlechts kein Trapist bin, und kein Plato und kein Sokrates, aber demungeachtet bin ich ein großer Freund und Verehrer und Anbeter Christi. Daher bitte ich dich wohl, mit diesem Namen aller Namen ein wenig behutsamer umzugehen.“

26. Sagen nun auch die Sieben, die sich zuerst an den Paulus angeschlossen haben: „Ja, ja, der Pepi hat recht; Christum den Herrn muß man höher achten, und es ist nicht schön von unserem sonst sehr achtbaren Freunde, daß er den Gottessohn in so einen ganz gewöhnlichen Menschen herabziehen will.“ – Sagt Paulus: „Seid nur ruhig! es solle sich übrigens bald zu zeigen anfangen, ob ich recht habe oder nicht! – Ziehen wir nun weiter; denn hier sind wir bereits vollends fertig! Der Herr geht, und so denn gehn auch wir!“

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