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Kapitel 205 Robert Blum, Buch 2

Weitere Vermuthungen der noch Blinden; sie kommen der Wahrheit näher. Eine Kompagnie schwarzer Strauße – in der Nähe zeigen sich als uralte Menschen-Geister. Szene zwischen diesen, Robert und Helena.

9. Der Sepl giebt sich nun ruhig, und sein Vetter auch, und diese Beiden beruhigen auch die Andern, die auch mehr oder weniger über diese Erscheinung stutzen. Als wir aber ganz in die Nähe dieser Vögel kommen, so verlieren sie mehr und mehr ihre Straußgestalt, und werden zu sehr hager aussehenden Menschen, von denen ein Paar vortreten, und den Robert ersuchen, daß er die ganze Gesellschaft in ihren alten höchst adeligen Palast führen möchte.

10. Robert sagt darauf freilich wohl, daß er der Herr nicht seie, und weiset die Beiden an Mich; aber die Beiden sagen: „Wonn du nöt Herr, worum voron gahn?“ – Und Robert sagt: „Weil es also des Herrn Wille ist; und also ist es auch des Herrn Wille, daß ihr euch an Ihn wenden sollet, so es euch in irgend etwas wahrhaft geholfen werden solle. Wir alle Andern können euch nicht helfen, außer durch Lehre und Rath; die That ist des Herrn allein; darum wendet euch an den Herrn; was Er anordnen wird, das wird geschehen.“

11. Auf diesen Bescheid vom Robert verfügen sich die Beiden zu Mir, und sagen: „Wonn du Herr, so gah mid ons sämtlich deiner Gesellschaft; wür bitten Di dorom!“ – Sage Ich: „Was sollen wir bei euch? wer seid ihr Hohen denn? daß Ich euch nicht kenne? Was waren eure Thaten? – Ich kenne die Geister nur nach ihren Thaten, und nie nach ihrer Gestalt.“

12. Sagen die Zwei: „Wür sund kane Geister noh, wür sund Herzog, und Erzherzog, und König und noh mehr; und wür wohnen alle in einem Höchstadlings-Palast, und do sollst Du mid ons gahn, ond wür werden ons dort besser verstahn.“ – Sage Ich zum Robert: „Also führe uns denn dahin, und wir werden sehen, was sich dort alles offenbaren wird.“

13. Robert sagt nun zu den Zweien: „So ihr es vernommen habt, was der Herr nun geredet hat, so tretet vor mich hin und führet uns Alle in euer Haus.“ – Sagen die Beiden: ”Wür hohn kan Haos, wür hohn nur ann Höchstadlings-Palast, weil wür sund von de höchste Adl.“

14. Sagt die Helena, die schon etwas pitzlich wird über die höchst langweilige Gesprächsweise dieser Höchstadeligen: „No, no; schauts nur gleich, daß euer Höchstadlings-Palast am End' etwa gar so ein recht schmutzigs Saustallerl ist. Jtz wollen die einen Palast, nein, das ist wohl zum Lachen; so graupige und klein zerlumpte Kerls, und einen Höchstadlings-Palast; no, no, wir werden es wohl sehen, was da für ein Palast herauswachsen wird.“ – Sagt Einer der Höchstadlings: „Mane Jongfr, sa se stad mid Maul, sonst leg i ane Schlos af ihr Maul! Se moß froh san, wonn sie onser Herrgott lebe laht; had se verstahn?“

15. Sagt die Helena: „Sie, sagen's mir, wie lang ist's denn schon seither, als sie g'storbn sind? Sie müssen ihrer Sprache nach zu urtheilen doch noch so hübsch viel vor'n Adom auf der Welt g'lebt habn? Nein, ist aber das eine Sprache, bei der man alle Zustände bekommen möchte, besonders so man sie längere Zeit anhören müßte. Nun; wie ichs merke, so geht der Weg ja zu den Kapuzinern? Soll etwa dort der Höchstadlings-Palast sein?“ – Sagt der Eine Höchstadlings: „Stad sei mid dan Maul! du verstahn ons nöt, du best su jong, dorom hold stad dane Maul! Ba de Kopozenr son mer wohl, obr nöt of de Erd', sonde ondr de Erd, verstahn du Jongfr!“

16. Sagt die Helena: „Ja, ja, mir kommt es auch so vor, daß ihr noch so hübsch fest unter der Erde zu Hause sein werdet; das wird wohl s' erste Mal sein, daß ihr euch über der Erde befindet.“ – Sagt der Eine wieder ganz zornig: „Jche hohn de scho gsagt, daß dei Maul holde sulst, ob du thost de nöt fulge man Word, so werd i de muße ane obe schloga! Host du me verstahn?“

17. Sagt Robert zur Helena: „Meine Geliebteste! Mußt nicht gar zu viel reden mit diesen Wesen; denn sie sind sehr roh, und könnten dir am Ende im Ernste etwas Leids anthun. Ich sehe aber ja ohnehin, wohin sie uns führen werden, und so braucht man weiter nicht mehr darum zu fragen. Sieh, das sind lauter längst verstorbene Regenten des Hauses Habsburg und Lothringen; nun ruhen sie in der Herrschergruft bei den Kapuzinern, theilweise auch bei den Augustinern, wie auch einige in den Stefansdom-Katakomben, das ist ihr Höchstadlings-Palast. Wir werden nun sogleich bei ihren Särgen uns befinden; daher sei nur ruhig und stille!“

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