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Kapitel 206 Robert Blum, Buch 2

1. Mittlerweile kommen wir aber auch wirklich bei den Kapuzinern in der Gruft an, was Einigen von unsern neuen Begleitern eben nicht gar recht zusaget; denn unser Humorist macht gleich die Bemerkung, und sagt: „Nun frage ich jeden von euch noch so Unbefangenen aus euch: Was haben wir denn nun bei der Geschichte gewonnen? Gar nichts; von einem Loche hat uns der gute Paulus herausgefoppt, damit wir nun in ein noch ärgeres gesteckt werden mögen. O das Leben ist denn doch schön! Freunde, höret, eine Preisfrage: Was ist das Leben? Da die Antwort euch denn doch einige Mühe kosten könnte, so will ich als Fragsteller zugleich auch selbst die Antwort bringen. Seht! das Leben ist eine eingehülste Beweglichkeit, aus Hunger, Durst und allerlei anderem Elende zusammengesetzt; dieß eingehülste Elend, was man Leben nennt, wird stets von einem Loche in ein anderes versetzt, und darin scheint auch die Bestimmung des Lebens zu sein! – Bei der Zeugung nimmt die Lochwanderschaft ihren Anfang, und hört nachher auch ewig nimmer auf; nur so schön fort von einem Loche ins andere in Ewigkeit Amen;

2. dahier in der alten Fürstengruft werden wirs fangen; da können wir den alten Habsburgern ein bischen herumspuken helfen. Denn sie allein werden ohnehin keine Spukerei mehr zuwege bringen; und so eine Spukerei von einem Karl oder Rudolf oder Leopold wäre doch sicher ein wahres Labsal für die hungrigen Mägen einiger Kapuziner, denen nun die Messen trotz ihres Kanzellärmens nichts mehr eintragen wollen, und für die freien Zustände der Alleinseligmacherin und Versetzerin und Erheberin der seligst im Herrn Entschlafenen in den Bauernkalenderhimmel. Wenn so eine Geisterspukerei von Vielen gesehen und beobachtet werden könnte, und das in der Fürstengruft, welchen Glauben an die Messen würde das wieder mit sich bringen, und an die vollkommenen Ablässe? Also, vivat! Freunde, den Kapuzinern soll's geholfen werden!“

3. Sagt ein Anderer: „Aber Freund! hast du nun aber wieder einen Stiefel zusammen geredet! Wo aber steht denn das geschrieben, daß wir hier deßhalb schon bei den Fürstensärgen in der Kapuzinergruft verbleiben sollen, oder gar müßten, weil wir hierher gekommen sind mit den Freunden, die uns ehedem aus dem ersteren Quasi-Arreste befreit haben? Das war wohl wieder schwach, mein lieber Freund Sepl! Ich aber meine, diese Fürsten werden wohl auch den Wunsch haben, von ihrem langen Schlafe einmal erweckt zu werden, und haben sich, so gut es ihnen möglich war, an diese sehr wundermächtigen Freunde Gottes gewendet; daß wir denn nun aber auch mit hierher gezottelt sind, das ist unsere Sache, indem wir auch eben so gut hätten draußen bleiben können. Da wir nun aber schon hier sind, so seien wir auch ruhig,- und hören, was Alles die Wunderfreunde Gottes mit diesen alten Fürsten-Geistern thun werden.“

4. Sagt der Zöllner: „Nun, das ist einmal ein Wort, das sich auf so einem ernstvollsten Platze hören läßt! Ein jeder dieser Särge ist eine Weltgeschichte von Völkern, die unter einem oder dem andern dieser Regenten gelebt, gewebt, gewandelt und gehandelt haben. – Und wo Gott Selbst leibhaftig so einen Ort besucht, da müssen solche Protzer und Patzer, wie wir beide es sind, wohl schön fein s' Maul halten; sonst könnte es für sie am Ende nicht am Besten gehen. Dort schau hin, wie Paulus und der Herr Jesus nebst den zwei noch andern wahrscheinlichst auch Aposteln die alten Särge ganz wehmüthig betrachten, und ein Paulus nun sagt: 'O Herr, Deine Liebe, Gnade und Erbarmung hat keine Grenzen; aber da giebt es noch sehr viel Todes in den Särgen!' Hörst du Sepl? sehr viel Todtes gebe es noch in diesen Särgen!“

5. Spricht der Sepl: „No ja, das wird doch ein jeder Mensch wissen, daß so in einem Sarge keine Tanzreunionen gegeben werden, und es bedarf da keines Paulus, um so was einzusehen. Daß aber diese alten Fürsten mit ihrem oft sehr tirannischen Herrschen über die armen Völker so manchs Stückchen einer haarzubergtreibenden Geschichte zuwege gebracht haben, das Freundchen, weiß ich so gut wie du; und in wie weit diese Särge ehrwürdig, oder nicht ehrwürdig sind, das weiß ich auch. Ob aber jener schlichte Jude, mit dem der sogenannte Paulus sich bespricht, Jesus, der bekannte Gottessohn ist oder nicht, das ist eine ganz andere Frage! Möglich ist alles; aber hier mangelt uns noch sehr das, was man für lieber wahr als für unwahr halten möchte. – Meinst du denn, daß ich etwa ein Feind Christi bin, oder an Ihn nicht glaube? O, da irrst du dich sehr! – Ich verehre Ihn unendlich hoch; – und eben deßhalb trage ich noch immer Bedenken mit diesem Juden da. – Ich gebe auf Alles acht; sehe ich aber, daß Er es etwa doch sei, dann sollst du Wunder schauen an meinem Benehmen gegen Ihn; denn weißt du, ich liebe Ihn unendlich.“

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