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Kapitel 1 Schrifttexterklärungen

2. Ihr habt euch so durch das öftere Lesen wohl euer Gedächtniß so recht voll angestopft; fraget aber eueren Geist, was er davon gewonnen hat, und seine stumpfe Antwort wird also lauten:

3. „Ich bin wohl chaotisch von allerlei Baumaterialien umlagert, und da liegen Balken und Steine bergartig übereinander; aber aus all’ diesen Baumaterialien ist noch nicht einmal irgend eine schlechte Hütte erbaut, in der ich frei zu wohnen vermöchte. Ihr häufet zwar das Baumaterial fortwährend auf; lauter Edelsteine, und das schönste Cedernholz liegt in plumpen Haufen vor mir, und ich vermag es nicht zu ordnen; und habe ich hier und da auch irgend angefangen eine kleine Ordnung herzustellen, da führet ihr schon wieder eine kolossale Menge neuen Materials dazu, so daß ich nothwendig in meiner Thätigkeit ermüden muß, und am Ende beim Anblick der Größe des zu ordnenden Materials erschaudere, und mit Wehmuth denke, wann doch einmal all’ dieses Material zu einer Wohnung wird geordnet werden können.“

4. Sehet, das ist eine ganz gründliche Antwort des Geistes, die ein jeder Mensch, der irgend viel gelesen hat, in sich selbst auf das Allerklarste finden muß.

5. Wenn so Jemand sein Leben durch ein paar tausend Bücher gelesen, welch’ ein Chaos hat er am Ende in seinem Gedächtnisse! Und wenn es gut geht, so wird er nach einer solchen reichhaltigen Belesenheit mit genauer Noth so viel sagen können, wie er jetzt erst einsieht, daß er Nichts weiß.

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